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Aus für Magic Mushrooms in den Niederlanden

Der legale Konsum von Marihuana lockt Jahr für Jahr zigtausende Touristen in die Niederlande. Auf eine Droge der besonderen Art werden sie aber künftig verzichten müssen: die halluzinogenen Magic Mushrooms. Der Verzehr der Pilze könne ein "unvorhersehbares Verhalten mit gefährlichen Folgen für die Gesundheit" auslösen", heißt es in dem Beschluss des Bezirksgerichts von Den Haag. Coffeeshop-Besitzer rechnen mit Einbußen von bis zu 30 Prozent ihres Umsatzes und kündigten unter heftigen Protesten an, in Berufung zu gehen. Das Verbot betrifft insgesamt 186 Sorten der Psychopilze, weitere sollen folgen. Der Druck auf die Regierung wurde groß, als sich im April 2007 eine 17-jährige Französin nach dem Verzehr der Pilze von einer Amsterdamer Brücke in den Tod gestürzt hatte.

Quelle: profil, 5.12.2008

Iran - "eine Nation auf Drogen"?

Das iranische Gesundheitsministerium schätzt die Zahl der regelmäßig Drogen Konsumierenden auf 3,7 Millionen, darunter 2,5 Millionen Schwerstabhängige. Diese Zahlen aus dem Jahr 2007 bedeuten einen deutlichen Anstieg in den vergangenen zehn Jahren. 1997 ging man noch von 1,2 bis 2 Millionen regelmäßigen Drogenkonsumenten aus. Der steigende Trend umfasst alle sozialen Schichten. In den höheren Einkommensgruppen wird vor allem Cannabis geraucht, Alkohol getrunken und so genannte "Partydrogen" konsumiert. Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren nehmen hauptsächlich Ecstasy und andere Amphetamine ein, aber auch synthetisch hergestellte Methamphetamine werden immer beliebter. In den mittleren und unteren Einkommensschichten werden am häufigsten Opium und Heroin konsumiert. Die Hintergründe für die Sucht sind vor allem die hohe Arbeitslosigkeit, wachsende Armut, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, desolate Lebensumstände und die daraus resultierende Depression.

"Wir sind eine Nation auf Drogen", sagt der Arzt Mohammed Sadegh Schirasi, der in Teheran eine Praxis hat, in einem Interview aus dem "Stern"-Magazin. Er erlebte hautnah mit, wie immer mehr seiner Landsleute dem Opium verfielen, das tonnenweise aus Afghanistan in den Iran geschmuggelt wurde. Und er sah, wie sich 2000 und 2001 Tausende zu Tode spritzten, weil sie auf Heroin umstiegen, als die Opiumpreise explodierten, nachdem die Taliban den Mohnanbau verboten hatten. Dann kam das neue Crack-Heroin, zehn- bis zwölfmal schädlicher als gewöhnliches Heroin. "Wenn heute ein neuer Patient zu mir kommt, der nur Opium raucht", sagt Schirasi, "dann gratuliere ich ihm und danke Allah." Ali ist 58 und schon lange opiumsüchtig. "Drogen sind billiger als Zigaretten", sagt er. Und: "Opium bekommen Leute wie ich am einfachsten. Und wenn du mehr als 25 Gramm nimmst, kriegst du auch noch Rabatt." Ein Gramm Opium kostet sechs bis acht Euro. Crack-Heroin ist in Teheran schon für unter drei Euro pro Gramm zu haben.

Auch Hussein ist seit vielen Jahren abhängig. Er ist geschieden. In fast drei Viertel aller Scheidungsprozesse im Iran ist die Drogenabhängigkeit der Grund für die Trennung. Opiumrauchen gilt in diesen Breiten seit alters her als lässliche Sünde. Hussein behauptet, er kenne sogar konservative Politiker der islamischen Republik, die regelmäßig Opium rauchen.

Auch immer mehr Frauen werden süchtig. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer bei weiblichen Drogenkonsumenten hoch ist. Fereschteh hat früh mit den Drogen angefangen, 12 oder 14 war sie. Sie verdient das Geld fürs Rauschgift mit Prostitution. Die junge Frau raucht die synthetische Droge Schischeh ("Glas") durch einen Glaskolben, den sie mit ihrer Mutter Akram teilt. "Fertescheh ist ein gutes Mädchen", sagt Akram. "Was täte ich ohne sie?"

Die Parks im Süden der iranischen Hauptstadt sind die größte offene Drogenszene des Nahen Ostens. Das Gras ist übersät mit gebrauchten Spritzen, daneben Männer in einer Art Trancezustand. Willenlos. Emotionslos. Abgemagert. Immer wieder wird einer tot aus einem Gebüsch gezogen. Überdosis.

Ein-, zweimal im Jahr feiert das iranische Militär seine Erfolge gegen Drogenbanden an der iranisch-afghanischen Grenze. Oft sind die Dealer besser bewaffnet als die Soldaten. Rund 200 Tonnen Rauschgift werden jedes Jahr im Iran vernichtet - das sind mehr als 80% der Drogen, die auf der ganzen Welt beschlagnahmt werden, aber nur höchstens zehn bis 20 Prozent der tatsächlich ins Land geschmuggelten Rauschgiftmengen. Hunderte Tonnen gehen den Sicherheitskräften durch die Lappen.

Vor ein paar Jahren marschierte das Militär in ein von der Drogenmafia kontrolliertes Teheraner Viertel ein. Sämtliche Häuser wurden dem Erdboden gleichgemacht, ein Dutzend Dealer hingerichtet und Hunderte Süchtige ins Gefängnis geworfen. Dort bekamen sie problemlos weiter ihren Stoff. Weil die Häftlinge aber ihre Nadeln teilten, erkrankten Tausende an AIDS und starben. Dann änderte sich die Drogenpolitik im Iran. Methadontherapien und die Ausgabe sauberer Nadeln wurden von den Ayatollahs für gottgefällig erklärt. Inzwischen gibt es mehr als 600 Behandlungszentren, die gratis Ersatzdrogen und Nadeln an Süchtige abgeben. Auch Doktor Schirasis Praxis ist so eine Abgabestelle. Täglich versorgt er hier mehr als 100 Patienten, die von ihrer Sucht loskommen wollen. "Ich bin froh, dass die Regierung endlich etwas unternimmt", sagt der Mediziner. Und auch aus dem Ausland gab es viel Lob für den Einsatz gegen die Drogensucht.

Quelle: Krone, 30.11.2008

Spezialklinik für suchtkranke Sportler

In seiner Autobiografie "Addicted" (" Süchtig") erzählt Tony Adams, vormals Kapitän der englischen Nationalmannschaft, von seinem Leben als alkoholkranker Profisportler. Mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker hat einen Ausweg aus seiner Alkoholerkrankung gefunden - und später für sich eine neue Bestimmung. Denn Adams wusste, dass er sein Schicksal mit vielen Sportlern teilt, ihnen wollte er eine Anlaufstelle für ihre Probleme geben. Im Jahre 2000 initiierte er ein Projekt, das heute weltweit Beachtung findet. Die "Sporting Chance Clinic" ist Anlaufstelle für suchtkranke Profisportler, Paul Gascoigne hat sich hier ebenso behandeln lassen wie Adrian Mutu. "Ich habe in meinem Leben viel erreicht", sagt der 42-Jährige, "am meisten macht mich stolz, dass es mir gelungen ist, anderen Menschen zu helfen."

Quelle: Die Welt, 4.12.2008

Fährt Fehlfunktion im Hirn zu Bulimie?

Bulimie-Patienten verschlingen bei akuten Fressanfällen große Mengen an Nahrung, die sie hernach wieder erbrechen. Betroffen sind besonders Mädchen und Frauen. Die Erkrankung kann in schwerer Depression und körperlichem Zusammenbruch münden. Wissenschaftler der Columbia University haben 20 gesunde und an Bulimie erkrankte Probanden einem Reaktionstest unterzogen und die Ergebnisse verglichen. Dabei gingen die essgestörten Versuchsteilnehmer deutlich impulsiver zu Werke als die gesunden. Bulimiker wählten häufiger und wiederholt falsche Lösungen, weil sie allzu hektisch entschieden. Eine Erklärung hierfür liefert offenbar die parallel durchgeführte Untersuchung der Hirnfunktionen: Demnach war bei den Bulimikern die Funktion der frontostriatalen Bahnen gestört - jener Verbindungen zwischen Frontalhirn und Basalganglien, die Menschen ein kontrolliertes Verhalten ermöglichen.

Quelle: Der Spiegel, 5.1.2009

CH: Ja zu einer ausgewogenen Suchtpolitik - nein zur Cannabis-Legalisierung

Die Schweizer haben in einer Volksabstimmung eine Neufassung des Betäubungsmittelgesetzes gebilligt, aber eine Initiative zur Legalisierung des Haschisch-Konsums abgelehnt. Dies ergaben die Volksabstimmungen im vergangenen Dezember, bei denen 4,9 Millionen Bürger stimmberechtigt waren.

Die Gesetzesänderung ermöglicht die Weiterführung der ärztlichen Heroinverschreibung an Drogenabhängige. Diese Praxis wurde 1999 von 54 Prozent der Schweizer auf zehn Jahre befristet gebilligt. Der unbefristeten Neufassung des Gesetzes stimmten 68 Prozent der Schweizer zu.

Die ärztliche Abgabe von Heroin an Suchtkranke gehört zu einer Strategie der Prävention, Repression, Therapie und Schadensminderung. Dadurch sei die Zahl der Drogentoten gesunken, erklärte die Regierung. Die nun ausgebaute Strategie sieht vor, den Einstieg in die Drogenwelt zu verhindern. Möglichst vielen Abhängigen soll geholfen werden, aus ihrer Sucht auszusteigen.

Abgelehnt wurde die Initiative "Für eine vernünftige Hanf-Politik mit wirksamem Jugendschutz", die eine "Entkriminalisierung" des Cannabis-Konsums anstrebte. Hochrechnungen ergaben einen Anteil von 63,2 Prozent Nein-Stimmen. Gegner hatten sich besorgt darüber geäußert, dass die Schweiz bei einer Zulassung von Marihuana zu Europas "Drogen-Mekka" werden könnte.

Diese Resultate haben nicht überrascht, die Stimmbürger erachten die heute praktizierte Drogenpolitik, die neben der Repression auch auf Prävention, Schadensminderung und Therapie setzt, als den richtigen Weg. Sie stehen gleichzeitig jeder Lockerung der Strafbestimmungen sehr skeptisch gegenüber - und sie wollen sicher keinen staatlichen Hanfmarkt.

Für den Bund bedeutet die Annahme des BetmG, dass er seine Koordinationsfunktion im Betäubungsmittelbereich ausbauen wird, etwa in den Bereichen Früherkennung und Forschung. Ein Kernpunkt der Vorlage ist zudem die definitive gesetzliche Verankerung der medizinischen Heroinabgabe, die Ende 2009 ausgelaufen wäre. Die Kantone ihrerseits sind gefordert, die Maßnahmen in den Bereichen Prävention, Therapie und Überlebenshilfe umzusetzen. Der Vergleich des Ergebnisses zum BetmG mit demjenigen zur ärztlichen Heroinverschreibung von 1999 (54,4 Prozent Ja) verdeutlicht dabei, dass das Vertrauen in die neue Drogenpolitik klar zugenommen hat.

Mit der Ablehnung der Hanfinitiative indes wurden keine Probleme gelöst. Über eine halbe Million Menschen konsumieren in der Schweiz regelmäßig Cannabis, ihre Kriminalisierung gilt seit langem als wenig zielführend und ist erst noch mit hohen Kosten verbunden. Nun wird sich die Politik sehr bald wieder mit den Kiffern befassen müssen.

Schon am Abstimmungssonntag meldeten sich der Dachverband der Schweizer Lehrer, Pro Juventute sowie die Jugendverbände zu Wort und brachten einmal mehr den Ausweg über ein Ordnungsbußensystem ein. Ein entsprechender Vorstoß der CVP liegt bereits seit 2004 vor - er scheiterte bisher am kumulierten Widerstand konservativer wie auch progressiver Kreise. Für die einen bedeutete das Bußensystem bisher ein Zuviel an Liberalisierung, für die anderen ein Zuwenig. Nach dem klaren Nein zur Hanfinitiative dürfte der "Kompromiss" mit den Ordnungsbußen Aufwind bekommen.

Zweifellos wärden die Strafverfolgungsbehörden administrativ entlastet, ohne dass der Signalcharakter des Verbots verloren ginge. Auch wärde die landesweite Einführung eines Bußensystems, wie es übrigens der Kanton St. Gallen bereits praktiziert, mehr Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit bringen. Freilich ist Bundesrat Pascal Couchepin zuzustimmen, wenn er bereits am Abstimmungssonntag klargestellt hat, dass es nun beim Cannabis nicht primär darum gehe, ein "Verwaltungsproblem" zu lösen.

Das Parlament hat es verpasst, einen im Ständerat initiierten Gegenvorschlag zu formulieren, der allein die Entkriminalisierung des Cannabis-Konsums für Erwachsene zum Ziel hatte, ohne die umstrittene staatliche Marktregulierung. Das ist bedauerlich, denn auch nach dem Nein vom Sonntag gilt, dass die strafrechtliche Verfolgung selbstschädigenden Verhaltens in einer liberalen Rechtsordnung nichts verloren hat. Es wäre falsch, nun mit dem Argument administrativer Kosten dieses Grundproblem zu kaschieren und übereilt ein schikanöses Bußensystem einzuführen.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 1.12.2008

Heroin auf Rezept: Erfolg des Modellprojekts

35 Schwer Heroinabhängige haben seit 2002 in Hannover im Rahmen eines bundesweiten Modellprojekts Heroin auf Staatskosten bekommen. Das Projekt ist weiterhin, stark umstritten, aber nun gibt es abermals einen Versuch von Abgeordneten im Bundestag, synthetisches Heroin (Diamorphin) nicht mehr als illegale Droge einzustufen, sondern als verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel zuzulassen.

Für Gegner des Projekts ist es ein Skandal, dass Süchtige ihren Stoff vom Staat finanziert bekommen. Derzeit geschieht dies modellweise in sieben deutschen Großstädten, die Abgabe erfolgt an 275 Beteiligte, bei denen Methadon oder andere therapeutische Hilfen nicht anschlagen. Für Schwerstabhängige ist Heroin keine Droge mit High-Effekt mehr. Bei diesen wirke das Opiat vielmehr so wie bei anderen kranken Menschen ihr Blutdruck- oder Diabetesmedikament, sagt der Oberarzt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). "Sucht ist eine Krankheit", betont der Psychiater. Den berühmten "Kick", also einen Rauschzustand, bekämen seine Patienten gar nicht, wenn sie sich bis zu drei Mal am Tag das synthetische Heroin in die Venen injizieren. Das Spritzen sei nichts anderes als jede andere Applikation eines Psychopharmakons auch. "Das hat eine wissenschaftliche Untersuchung belegt". Etwa 20 Prozent der Abhängigen schafften im Laufe der Behandlung den Ausstieg und wärden dauerhaft abstinent.

Das synthetische Heroin ist teuer. Auch deshalb ist das Projekt umstritten. Bis 2014 wird das Projekt in Hannover 620 000 Euro pro Jahr kosten, wie STEP-Geschäftsführer Heiner Peterburs berichtet. Allerdings: Drogenopfer auf der Straße kosteten deutlich mehr: Immer wieder Krankenhausaufenthalte, Polizeieinsätze wegen Beschaffungskriminalität und Drogenhandel, Gerichtsprozesse. "Seit unserem Start war die Polizei kein einziges Mal hier", sagt Oberarzt P. Auch draußen auf der Straße seien seine Patienten im vergangenen Jahr nicht einmal straffällig geworden. "Die Kriminalität geht bei ihnen von im Schnitt 20 Delikten pro Tag auf praktisch null zurück", sagt er.

Nach Angaben von STEP-Geschäftsführer Peterburs gibt es in Hannover kaum Kommunal- und Landespolitiker, die nicht von dem Erfolg des Projekts überzeugt wären. In den anderen sechs Modell-Großstädten sieht es ähnlich aus. Lediglich die Unions-Fraktion im Bundestag stemmt sich seit Jahren dagegen.

Seit Anfang des Monats sammelt dort die SPD-Fraktion Unterschriften für einen fraktionsübergreifenden Gruppenantrag, um die Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige dauerhaft zu ermöglichen. Laut einem SPD-Sprecher zeichnet sich eine Mehrheit ab. Dann könnte Diamorphin für bundesweit rund 50 000 Süchtige verschreibungsfähig werden.

Quelle: Die Welt, 18.12.2008

Alkoholgefährdung im Erbgut

Wissenschaftler der University of California haben eine Variation im menschlichen Genom identifiziert, die offenbar eine Rolle bei der Trinkfestigkeit spielt. Das Forscherteam flößte Probanden zwischen 18 und 29 Jahren die Alkoholmenge von etwa drei Gläsern Wein ein und beobachtete, wie sie darauf reagierten. Das Team protokollierte sowohl alles Torkeln und Lallen der über 300 Testtrinker als auch, wie diese selbst den Grad ihrer Trunkenheit einschätzten. Die Wissenschaftler stellten fest, dass eine spezielle Gensequenz auf Chromosom 15 einen deutlichen Einfluss auf die Alkoholverträglichkeit zu haben scheint. Raymond White, Direktor des Ernest Gallo Clinic and Research Center an der University of California, leitete die Versuche. Ihm zufolge bestätigten seine Ergebnisse den Verdacht, dass Alkoholtoleranz, -abhängigkeit und -missbrauch auch von einer genetischen Komponente mitbeeinflusst werden.

Quelle: Der Spiegel, 15.12.2008

EU will Minderjährige umfassender vor Glücksspiel schätzen

Strengere Gesetze sollen in ganz Europa Menschen effizienter vor der zunehmenden Spielsucht bewahren. Auch Minderjährige sollen mit neuen Regelungen in der Glücksspiel- und Wettbranche vom Spielen, vor allem via Internet, abgehalten werden. Darüber beraten diese Woche die Wirtschaftsminister der EU. Die Beratungen sind schwierig, denn in den 27 Mitgliedsstaaten gibt es sehr unterschiedliche Gesetzeslagen für Glücksspiel.

Fast vier Milliarden Euro im Jahr betragen laut einer Studie die Spieleinsätze an den Glücksspielautomaten in Österreich. GeschÄtzte 60.000 Österreicher sind spielsüchtig. Großteils sind sie Automatenspieler. Die Folgen für die Betroffenen sind Schulden, das Scheitern von Ehen und Beziehungen, der Verlust des Arbeitsplatzes.

Spielen wirke auf das Belohnungssystem und könne ähnlich wie bei einer Risikosportart Kicks geben, sagt Friedrich Martin Wurst, Vorstand der Salzburger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie II. Seine Klinik hat eine Ambulanz für Spielsüchtige eingerichtet. Dort werden Betroffene behandelt und unterstützt, damit sie keine Rückfälle erleiden. Von Spielsucht ist dann zu sprechen, wenn Denken, Gefühle und Handeln in Beschlag genommen sind. Wenn Arbeit und soziale Kontakte vernachlässigt werden, wenn Unruhe aufkommt, sobald das Spielen nicht möglich ist. Das gilt auch für exzessive Nutzung des Computers und des Internets, wovon bis zu 13 Prozent aller Jugendlichen betroffen sind.

Wie bei Alkoholabhängigkeit braucht ein pathologischer Spieler professionelle Hilfe. Dies ist mit Medikamenten möglich, etwa mit Serotoninaufnahmehemmern, die auch bei Depressionen verschrieben werden, oder mit Mitteln, die den Botenstoff Dopamin ankurbeln und damit die Lust am Spielen nehmen. Begleitend braucht es eine Psychotherapie. Spielsucht ist übrigens keine Erscheinung der heutigen Zeit, wie Rainer Buland, Leiter des Instituts für Spielforschung der Universität Salzburg, berichtet. Beispiel 16. und 17. Jahrhundert: "Protestantische Geistliche schrieben literarisch ironisch so genannte Teufelsbücher, also etwa einen Fressteufel, einen Saufteufel und eben einen Spielteufel. Die Bücher waren so verbreitet wie die Bibel. Der Teufel spricht für seine Bruderschaft und macht Werbung für das Spiel, aber in so fürchterlicher Weise, dass die Abschreckung damals funktionierte."

Vermutlich nicht immer: Der holländische Arzt Pascasius Justus erörterte in lateinischer Sprache in seinem Standardwerk "De Alea" (Über die Würfel, Anm.) die Probleme der Spielsucht und bezeichnet sie bereits als Krankheit. Er führt an: den Kontrollverlust, die unkritische Risikohaltung, die Gefahr durch den Gewinn, der den Spieler dazu verführt, nicht mehr aufhören zu wollen. Seine "modern" klingende Therapie: Sich selbst und anderen die Krankheit eingestehen und völligen Verzicht üben.

Quelle: Salzburger Nachrichten, 6.12.2008

Ein schönes Fest, an das man sich gern erinnert

Ergänzungen zum Artikel

Alkoholfreie Drinks sind Trend!

Cremig - nein, fruchtig, oder doch lieber prickelnd? Endlich haben auch Autofahrer bei Partys die Qual der Wahl. Und auch für alle anderen gilt: Bei null "Umdrehungen" schmeckt auch noch der vierte Drink. Und der fünfte. „Entschärfte" Klassiker wie der Planter´s Placebo Punch und die Piña Colada Light oder die Waikiki-Beach-Bowle werden zum Mittelpunkt der Party, und zwischen exotisch-fruchtigem Cast Away, leicht herbem Weißkäppchen und schokocremigem Scene of Crime findet garantiert jeder seinen Lieblingsdrink.

Sie sind neugierig geworden? Die Rezepte der oben angeführten Drinks sind im Buch „Drinks ohne Alkohol“ (Gräfe&Unzer; Redies, Alessandra ISBN 9783833803055; ca. 8 Euro) nachzulesen und nicht aufwändig zu mixen.

Wenn Sie also Ihre Gäste bei der nächsten Einladung mit einem köstlichen „Cast Away“ in die Südsee entführen (einfach die Augen schließen, am Drink nippen und los geht's!), wird bestimmt keinem der Alkohol darin abgehen!

Cast Away

Zutaten pro Glas: 4-5 Lychees, 80 g orangefarbenes Melonenfruchtfleisch (z. B. Cantaloupe-Melone), 4 cl Ananassaft, 4 cl ungesüßte Kokosmilch (aus der Dose), 2 cl Vanillesirup, Kokosflocken, ¼ Bio-Zitrone, Standmixer, gestoßenes Eis, Trinkhalm

Zubereitung: Für die Deko die Kokosraspel auf einen flachen Teller geben. Den Glasrand im Zitronenviertel drehen und in die Kokosflocken tupfen. Überschüssige Kokosflocken durch leichtes Klopfen am Glas entfernen.

Die Lychees schälen, das Fruchtfleisch vom Kern direkt in den Standmixer schneiden. Das Melonenfruchtfleisch fein würfeln. Mit Ananassaft, Kokosmilch und Vanillesirup zu den Lychees geben. Durchmixen, bis eine homogene Flüssigkeit entstanden ist.

Das Cocktailglas etwa zur Hälfte mit gestoßenem Eis füllen. Den Drink darüber gießen, kurz durchrühren und mit Trinkhalm servieren.

Aktuelle Konsumtrends

Ergänzungen zum Artikel

Quellen

  • EMCDDA (2008): 2008 Annual report: the state of the drugs problem in Europe. Lisbon. (Download)
  • ÖBIG (2008): Bericht zur Drogensituation in Österreich 2008. Wien (Download)
  • BZgA (2008): Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2008. Kurzbericht. Köln (Download))
  • MPFS (2008): JIM-Studie 2008. Jugend, Information, (Multi-)Media. Stuttgart (Download))
  • SFA (2008): Der Substanzgebrauch von Schweizer Jugendlichen. Lausanne (Download unter dem Link „Medienrohstoff“)

Ich will alles – und zwar sofort!

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Warum es auch suchtpräventiv sinnvoll ist, dass schon Kinder lernen, ihre Impulse zu zügeln

Sucht wird durch verschiedenste Faktoren beeinflusst: Die Person mit ihren Stärken und Schwächen, die Häufigkeit und der Umfang der konsumierten Mittel sowie das Milieu in dem man lebt.

Als zentraler Ansatz in der Suchtprävention gilt die Entwicklung und Stärkung von Lebenskompetenzen sog. „Life skills“. Dazu zählen die Entwicklung des Selbstwertgefühls, eine positive Selbstwahrnehmung, die Wahrnehmung der persönlichen Selbstwirksamkeit, Kommunikations- und Einfühlungsvermögen sowie Problemlösungsstrategien. Eine der relevanten Lebenskompetenzen ist die Selbst- und Impulskontrolle.

Unter Selbstkontrolle versteht man die Fähigkeit spontane Handlungsimpulse zu verzögern bzw. ihnen zu widerstehen. Die Fähigkeit der Selbstkontrolle ist bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt und kann Schritt für Schritt erlernt werden. Entwicklungspsychologische Untersuchungen zeigen, dass Kinder diese Fähigkeit erst nach und nach erwerben.

Der amerikanische Psychologe W. Mischel hat in den 70er Jahren verschiedenste Experimente zum Thema Belohnungsaufschub bei Kindern unterschiedlicher Altersstufen durchgeführt.

Das Schema nach dem diese Experimente aufgebaut waren sieht wie folgt aus: das Kind wird im Einzelversuch vor die Wahl gestellt, eine kleine Belohnung z.B. ein Stück Schokolade jetzt zu bekommen oder auf eine größere Belohnung z. B. eine Tafel Schokolade zu warten. Einige der Kinder griffen gierig zu, andere entschlossen sich zu warten. Weiters hatten die wartenden Kinder die Möglichkeit mittels einer Glocke, einen Mitarbeiter herbeizuholen, wenn das Warten nicht mehr aushaltbar war, die getroffene Entscheidung zu revidieren und die kleineren Belohnung sofort zu bekommen.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass die Fähigkeit zu warten mit zunehmendem Alter der Kinder steigt. Auch das Repertoire der Strategien zur Selbstkontrolle nimmt mit dem Alter zu. So entschieden sich Kinder im Alter zwischen 4 und 4,5 Jahren dafür, die Belohnung zu sehen während sie warteten. Kinder zwischen 4,5 und 6 Jahren hingegen bevorzugten das Zudecken der Belohnung.

Voraussetzung für die Entwicklung einer Verzögerungskompetenz sind laut Mischel zwei Faktoren. Zum Einen muss das Kind wissen wodurch Belohnungsaufschub erleichtert oder erschwert wird. Zum Anderen muss es seine Aufmerksamkeit steuern können, um sie von attraktiven Merkmalen auf weniger attraktive Merkmale lenken zu können. Weiters hat sich herausgestellt, dass das Verhalten von bestimmten Erwachsenen (Modelle) einen großen Einfluss auf die Handlungsweise von Kindern auswirkt.

So haben Bandura und Mischel 1965 ein Experiment durchgeführt, in dem Kindergartenkinder in zwei Gruppen geteilt wurden. In der einen Gruppe, waren Kinder, die sich sofort für die Belohnung entschieden haben, sogenannte „Immediate“-Kinder, in der anderen, jene, die auf die größere Belohnung gewartet haben, sog. „Delay“-Kinder. Bandura und Mischel führten das selbe Experiment mit Erwachsenen durch, die sich jeweils gegenteilig den Impulsen der Kindern verhielten. Das bedeutet, „Immediate“-Kinder beobachteten „Delay“-Erwachsene und umgekehrt. Der Auftrag an die Erwachsenen war, ihr Handeln zu kommentieren.

Nach dieser Beobachtungsphase wurden die Kinder wieder vor die Entscheidung eine kleine Belohnung jetzt zu bekommen versus eine größere Belohnung später zu erhalten, gestellt und das Verhalten der Kinder hat sich durch die Beobachtung der Erwachsenen verändert. 60% der „Immediate“-Kinder zeigten nun „Delay“-Verhalten und umgekehrt. Diese Ergebnisse blieben auch bei einem weiteren Experiment einen Monat später erhalten.

Ein weiterer Einflussfaktor auf die Fähigkeit des Belohnungsaufschubes ist die Erwartungshaltung. „Kann ich davon ausgehen, dass ich die spätere Belohnung auch erhalte?“

In dieser Langzeitstudie hat man 10 Jahre später die Kindergartenkinder von damals, als Jugendliche noch einmal untersucht und man konnte feststellen, dass die Kinder, die im Kindergartenalter gut mit dem Belohnungsaufschub umgehen konnten, als Jugendliche eine höhere Stresstoleranz aufwiesen. Sie waren selbstbestimmter, sozial kompetenter und zuverlässiger als jene Kindergartenkinder, die Schwierigkeiten mit dem Belohnungsaufschub hatten. Ebenso war der akademische Erfolg größer als bei der anderen Gruppe.

Daraus kann abgeleitet werden, dass die Fähigkeit der Selbstkontrolle eine wichtige Vorraussetzung für den Erwerb sozialer und kognitiver Kompetenzen ist.

Quellen

  • Mischel, W.; Shoda, Y.; Rodriguez, M. L. (1989). Delay of gratification in children. Science, 244, 933-938
  • Bandura, A./Mischel, W. (1965): Modifications of self-imposed delay of reward through exposure to live and symbolic models. In: Journal of Personality and Social Psychology, 2(5), 698-705
  • kindergarten heute 9/2008, Edeltrud Marx, S. 15