Eigenständig werden

Seit dem Start 2001 in Tirol bauen nunmehr bereits ca. 300 LehrerInnen in ca. 150 Schulen das Programm in Ihren Unterricht ein.

Stellvertretend für viele überzeugte Eigenständig werden-UmsetzerInnen lassen wir in diesem Newsletter Karin Döring von der Volksschule Imst Unterstadt zu Wort kommen. Sie hat in diesem Schuljahr mit dem Programm in ihrer zweiten Klasse begonnen und schätzt besonders die Anregungen, eigenen Gefühlen nachzuspüren:

Unterrichtseinheiten: Ich und meine Gefühle (5 UE) und Meine Gefühle sind wichtig (3 UE)

"Ich habe festgestellt, dass die Kinder oft nicht wirklich in der Lage sind ihre Gefühle zu erkennen. Wenn sie zornig sind, fühlen sie ein Unbehagen in sich, das dem ähnelt, wenn sie ängstlich sind. Diese Gefühle beschreiben können sie schon gar nicht. Manche Kinder sind sehr schnell wütend (und aggressiv), andere schlucken viel in sich hinein und werden eher traurig. Dank dieser Einheiten haben die Kinder erkannt, dass es richtig ist zu seinen Gefühlen zu stehen. Jeder ist anders und reagiert anders. Ein ganz wesentlicher Punkt für mich war, dass die Kinder nachher in der Lage waren, den Zorn oder sogar den aufkommenden Zorn bei den Mitschülern zu erkennen. In einem solchen Fall gingen sie einem etwas schwierigen Kind der Klasse, das sehr oft schlägt, aus dem Weg. Zweimal schaffte es sogar auch dieses Kind zu erkennen, dass es bald zuschlagen wird und ging nach Rücksprache mit mir auf dem Pausenhof so lange hin und her (auf seinen Wunsch hin alleine) bis er sich wieder beruhigt hatte. Das Arbeitsblatt "Mein Gefühlsanzeiger" half sehr dabei, die eigenen und auch die Gefühle der anderen zu erkennen und v. a. zu akzeptieren."

Auch ein weiteres Beispiel aus dieser Klasse zeigt, dass die vermittelten Inhalte in direktem Zusammenhang zur Lebenssituation und den Bedürfnissen der Kinder stehen und dazu beitragen, das Zusammenleben und Arbeiten in der Klasse zu verbessern. Um eine nachhaltige Wirkung zu erreichen bedarf es aber mehr als einer einmaligen Intervention.

Unterrichtseinheiten: Was soll ich nur machen? (4 UE) Ich fühle mich wohl in meiner Klasse (5 UE)

Karin Döring: "Die Vorgangsweise NACHDENKEN - LÖSUNG SUCHEN - HANDELN leuchtete den Kindern zwar ein, aber ihre konkrete Umsetzung ist in meiner Klasse noch nicht immer möglich. In Rollenspielen haben wir versucht, z. B. Ungerechtigkeit und ihre Auswirkung auf das "Opfer" nachzuspielen. Die Kinder konnten sich gut in die Situation hinein versetzen, aber im normalen Alltag - sprich einem Streit im Pausenhof, einer Meinungsverschiedenheit in der Klasse … - funktionierte das noch nicht immer nach Plan. Ich denke, dass dieses Vorgehen erst wachsen muss und man nicht erwarten und verlangen kann, dass 8-Jährige umsetzen, was selbst manche Erwachsene nicht schaffen.
Der Klassenvertrag hat sehr viel Wirkung gezeigt und die Kinder nachhaltig beeindruckt. So wurden z. B. die Religionslehrerin, die Beratungslehrerin … über den Vertrag informiert und auch zum Unterschreiben "überredet". Dass der Vertrag durchaus ernst genommen wurde zeigten mir zwei Beispiele:

Beispiel 1:
Ein Bub weigerte sich zu unterschreiben, weil er mit den Inhalten nicht einverstanden war. Er hat sich zumindest damit auseinander gesetzt. Einige Tage später unterschrieb er heimlich den an der Tür hängenden Vertrag, wollte aber nicht, dass es jemand bemerkt. Leider war er nicht in der Lage alle Punkte auch einzuhalten.

Beispiel 2:
Ein Bub meinte, dass er das erst in ein paar Tagen unterschreiben kann. Er muss sich erst überlegen, ob er wirklich unterschreiben kann, dass er nicht schlägt und nicht auslacht. Die Kinder waren entsetzt und wollten ihn zur Unterschrift zwingen (Er ist ansonsten ein eher umgänglicher Bub, der bei allen beliebt ist.). Zwei Tage später kam er in die Schule und meinte: "Ich habe eine Weile überlegt, ob ich das wirklich halten kann. Wenn ich schon vorher weiß, dass ich es nicht schaffe, unterschreibe ich auch nicht. Jetzt denke ich, dass ich es schaffen könnte und werde unterschreiben - versprechen kann ich es aber nicht." Dieser Vertragsteilnehmer hat seine Unterschrift sehr ernst genommen und darüber nachgedacht, was er tut. Er hat den Vertrag bisher noch nicht gebrochen."

Heroinabgabe an Schwerstabhängige

Nach jahrelangem Streit hat der Bundestag am Donnerstag in freier Abstimmung einem Antrag der SPD zugestimmt, Schwerstabhängige künftig mit künstlichem Heroin auf Rezept zu versorgen. Das Gesetz erhielt 349 Ja-Stimmen bei 198 Gegenstimmen und drei Enthaltungen.
Heroin auf Rezept: Das sogenannte Diamorphin sollen Menschen in speziellen Einrichtungen unter staatlicher Aufsicht bekommen, wenn sie seit mindestens fünf Jahren opiatabhängig sind, mindestens zwei erfolglose Therapien hinter sich haben und mindestens 23 Jahre alt sind. Dazu wird Diamorphin als verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel eingestuft.

Ärzte begrüßen den Beschluss zur Heroinabgabe
Der Bundestagsbeschluss zur Abgabe von künstlichem Heroin an Schwerstabhängige ist am Freitag von Hamburger Ärzten und Suchtexperten einhellig begrüßt worden. "Die Entscheidung wird Menschen, die schwerstabhängig sind, gesundheitlich helfen und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördern", sagte der Präsident der Hamburger Ärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. Der Beschluss sei "wichtig und längst überfällig". Nach dem Bundestagsbeschluss zur Abgabe von künstlichem Heroin an Abhängige soll ein in Karlsruhe durchgeführtes Heroinprojekt ausgeweitet werden. Ein Konzeptpapier aus dem baden-württembergischen Sozialministerium sieht sieben weitere Standorte für die Behandlung Schwerstabhängiger vor.
Das Parlament hatte am Donnerstag den Weg für die Abgabe von künstlichem Heroin (Diamorphin) frei gemacht. Voraussetzungen für eine Behandlung sind eine Drogenabhängigkeit von mindestens fünf Jahren, zwei erfolglose Therapieversuche mit Methadon sowie ein Mindestalter von 23 Jahren. Zuvor waren in mehreren Modellprojekten in verschiedenen deutschen Städten über 1000 Schwerstabhängige mit dem Ersatzmittel behandelt worden.
Etwa 20 Prozent der mit Diamorphin behandelten Teilnehmer seien inzwischen drogenfrei. Auch andere Länder wie die Schweiz, die Niederlanden und Großbritannien hätten durchweg positive Erfahrungen mit einer solchen Suchtbehandlung gemacht.
Suchtexperten rechnen nicht damit, dass der Beschluss zu einem Ansturm auf Drogenambulanzen führen wird. "Ich gehe bundesweit von 1000 bis 2000 zusätzlichen Patienten aus", sagte der Hamburger Mediziner Christian Haasen, der ein Modellprojekt leitete.

Diamorphin
... ist künstlich hergestelltes Heroin, das unter anderem aus Morphin und Essigsäurederivaten hergestellt wird. Das Opiat wirkt euphorisierend, schmerzlindernd und schlaffördernd und zählt zu den Drogen mit dem höchsten Suchtpotential. Im Gegensatz zum grauen oder bräunlichen Straßenheroin ist Diamorphin ein farbloses Pulver. Das liegt daran, dass Straßenheroin in der Regel mit Substanzen wie Gips, Paracetamol oder Puderzucker gestreckt ist, Diamorphin hingegen ist reiner Stoff. Seine wirksame Dosis entspricht 0,1 bis 0,3 Gramm Straßenheroin. Schon 1873 wurde erstmals versucht, Heroin synthetisch herzustellen. Die heutige Bayer AG übernahm das Verfahren, 1931 wurde die Produktion jedoch eingestellt. Aufgrund des starken Suchtpotentials setzte die internationale Staatengemeinschaft ein Verbot der Droge durch; auch in Deutschland gilt Diamorphin als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel. Seit 2002 wird das sogenannte reine Heroin in einem bundesweiten Modellprojekt in sieben Städten an Schwerstabhängige abgegeben. Im Vergleich zu einer Behandlung mit dem Heroinersatzstoff Methadon war die Rückfallquote geringer und der Gesundheitszustand der Abhängigen nach einem Jahr besser.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.5.2009
Süddeutsche Zeitung, 29/30.5.2009

Völlig Gegensätzliches wird aus dem Südosten Europas gemeldet. Hierzu ist vorweg allerdings anzumerken, dass diese Maßnahme wohl nicht die offizielle Haltung Serbiens widerspiegelt. Immerhin wird sie aber offenbar staatlich kontrolliert und dennoch mit gewissen Einschränkungen geduldet.

Die serbische "Faust Gottes" trifft Junkies hart
In einem kirchlichen Zentrum zur Entwöhnung von Drogensüchtigen in Serbien werden Patienten systematisch misshandelt und geprügelt. Der Leiter, ein orthodoxer Pfarrer, findet daran nicht Verwerfliches.
Ein Mann bückt sich über einen Tisch. Ein anderer nimmt eine Schaufel und schlägt zu. Er versohlt mit voller Wucht den Hintern des Liegenden. Das Opfer stöhnt und schreit, sein Körper zuckt. Nach zehn Hieben wird die Schaufel weggelegt - aber die Tortur geht weiter. Der Mann mit der Schaufel schlägt seinem Opfer ins Gesicht. Zuerst mit der offenen Hand. Dann kommt er in Fahrt: Mit Fäusten, Ellbogen und Knien bearbeitet er systematisch und routiniert den Kopf des Wehrlosen, bis der nicht mehr stehen kann. Ein dritter Mann hebt ihn auf und drückt ihn an die Wand. Die Brutalitäten gehen weiter - bis der Mann in Weiß ohnmächtig zu Boden fällt. Im Hintergrund hängen Ikonen an der Wand. Serbisch-orthodoxe Heilige, Jesus und Maria.
Diese mit einer Handykamera aufgenommene Szene ereignet sich in dem "Geistlichen Rehabilitationszentrum" für Drogensüchtige auf dem Gelände des serbisch-orthodoxen Klosters Crna Reka ("der schwarze Fluss") bei der Stadt Novi Pazar. Dem Magazin Vreme wurde das Video zugespielt - und löste, als es auf www.vreme.com veröffentlicht wurde, enormes Aufsehen in Serbien aus. Denn das sadistische Spiel ist Teil der gebräuchlichen Behandlungsmethoden dieser christlichen Institution. Frei nach dem serbischen Sprichwort: "Der Knüppel ist aus dem Paradies gekommen."
Der Leiter des Zentrums, Pfarrer Branislav Peranoviæ, versuchte gar nicht zu dementieren: Die Szene auf dem Video sei zwar übertrieben, und es könne in diesem Fall Konsequenzen geben. Aber Junkies bräuchten eben Disziplin. Und physische Bestrafungen seien ab und zu notwendig, so der Pater.
Alle Schützlinge der Heilanstalt und ihre Eltern hätten überdies einen Vertrag unterschrieben, in dem sie sich mit den Methoden des Institutes einverstanden erklären. Von Prügeln mit Schaufel, Ketten, Eisenstangen (von denen andere Zeugen berichten) steht da allerdings nichts.
Vater Branislav sprach im Belgrader TV lieber über anderes: Von den "armen Eltern", die von ihren Kindern schikaniert würden etwa. Er rühmte sich, über eintausend Patienten binnen vier Jahren "mit großem Erfolg" im Rehabilitationszentrum behandelt zu haben. Der Pfarrer kam in einem schwarzen Jeep und mit Leibwächtern in die Hauptstadt und wurde vor dem Studio mit Ovationen von Mitgliedern rechtsnationalistischer Organisationen und einigen Ex-Patienten begrüßt.
Der Staat reagierte prompt. Das Gesundheitsministerium sandte eine Kommission in das Rehabilitationszentrum. Obwohl der gelernte Landwirt Branislav, als "Oberarzt" zuständig für die Therapie der "Patienten" ist, fand die Kommission keinen Grund zur Strafanzeige. Obwohl die Eltern der Drogensüchtigen rund 300 Euro - ein monatliches Durchschnittseinkommen - meist bar zahlten, kann er auch wegen Steuerhinterziehung nicht angeklagt werden: Das Zentrum arbeitet als humanitäre Organisation. Es braucht keine Genehmigung des Gesundheitsministerium. Die Synode der serbisch-orthodoxen Kirche setzt sich nun - nach vier Jahren - aber für die Schließung der Institution ein.
Ob Pfarrer Branislav trotz der schweren Übergriffe davonkommt, ist noch offen. Zwar kamen alle Patienten freiwillig in das Zentrum, doch danach sorgen Wachpersonal und ein halbes Dutzend Kampfhunde dafür, dass sie nicht mehr rauskommen - und die Eltern für die "Behandlung" weiterzahlen. Dragan Pantic, der den verdroschenen Mann auf dem Video als seinen Sohn identifizierte, wird jedenfalls Anzeige erstatten.

Quelle: Der Standard, 27.5.2009

News

USA/GB: Haben Krankenversicherer Milliarden in Tabakfirmen investiert?

Kranken- und Lebensversicherer in den USA, Kanada und Großbritannien haben laut einem Medienbericht große Anteile von Tabakkonzernen gekauft
Das jedenfalls werfen drei US-Mediziner in einem Beitrag des renommierten Fachblattes New England Journal of Medicine (NEJM) den Versicherungsunternehmen vor. So habe das britische Versicherungsunternehmen Prudential Chart beispielsweise für insgesamt 1,4 Milliarden Dollar Aktien von Tabakkonzernen gekauft. Und der kanadische Versicherer Sun Life hält laut Magazin-Bericht Aktien im Wert von 890 Millionen Dollar am Tabakgiganten Altria Chart. Unter dessen Dach produziert unter anderem der Konzern Philip Morris USA, der für die Zigarettenmarken Marlboro und L&M bekannt ist.
Die drei Mediziner, Wesley Boyd, David Himmelstein und Steffie Woolhandler, berufen sich dabei auf die Datenbank "Osiris", die täglich aktualisierte Zahlen über Unternehmen der Zigarettenindustrie bereithält. Die meisten der genannten Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück; nur das US-Unternehmen Prudential Financial räumte seine Beteiligung an den Tabakkonzernen ein. Die Gesamtsumme von 264 Millionen Dollar sei "einigermaßen genau", sagte ein Unternehmenssprecher dem Magazin Time.

Quelle: ZEIT ONLINE, 4.6.2009

CH: Partyszene: Alkohol und vermehrt auch Medikamente

Bei jungem Partyvolk fließt in zunehmendem Masse der Alkohol, aber es wird auch vermehrt mit Medikamenten experimentiert. Der Internethandel begünstigt diesen Trend.
Im fünften Stadtzürcher Drogenbericht ist vom "szenenübergreifenden Problem exzessiven Alkoholkonsums (. . .) bei den jüngeren Partybesucherinnen und -besuchern" die Rede und davon, dass sich im Berichtjahr 2008 dieser Trend in der Gruppe der 16- bis 18-Jährigen besonders klar nachweisen lasse. Auf der Suche nach Ursachen orten die Verfasser unter anderem "kontraproduktive Werbeeffekte durch Medialisierung der Botellónes". Damit sind die per SMS spontan organisierten Massenbesäufnisse gemeint, die vor zwei Jahren zum ersten Mal in Spanien stattgefunden haben und seither "Ableger" in anderen Ländern bilden. Nebst dem Alkohol scheinen sich in die Partyszene Stoffe einzuschleichen, die dort bis anhin eher eine marginale Rolle gespielt haben: Vermehrt missbrauchten Partygänger laut Experten Substanzen, die unter das Betäubungs- unter das Arzneimittelgesetz fielen und zunehmend über das Internet zu beziehen seien.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 3.6.2009

BRD: Diskussion über Magersucht-Foren

Pädagogen plädieren in Deutschland für die Indizierung von Internetseiten, die Essstörungen in einer teilweise idealisierenden Art thematisieren. Auf den sogenannten Pro-Ana- und Pro-Mia-Seiten würden erkrankte Jugendliche Anorexie und Bulimie als Lebensstil und Schönheitsideal verharmlosen. Die Webseiten werden als gefährlich eingeschätzt, weil sie nicht nur Magersüchtige weiter in die Krankheit hineinziehen, sondern weil sie auch Gesunde zur Magersucht verführen könnten.
Mehr dazu: Pro-Ana-Artikel auf Wikipedia

Quelle: Die Welt, 6.6.2009

Neues aus der Tabakforschung

1 Rauchen: Erhöhtes Risiko für Diabetes

Zigarettenkonsum und Passivrauch erhöhen das Risiko an Diabetes zu erkranken um ein Vielfaches. Jugendliche, die selbst nie zur Zigarette greifen und Tabakqualm ausgesetzt sind, leiden vier Mal so häufig am metabolischen Syndrom, einer Vorstufe der Zuckerkrankheit. Darauf wies die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) hin. Bei Teenagern, die selbst rauchen, werde laut einer aktuellen Studie sechs Mal so häufig eine entsprechende Diagnose gestellt. Tabakrauchende Erwachsene erkranken doppelt so häufig an Diabetes, so die ÖDG. Mehrere Untersuchungen hätten gezeigt, dass ein Rauchstopp hinsichtlich der Risikoverminderung effektiver sei als die Behandlung mit Diabetesmedikamenten, betonte Hermann Toplak von der Grazer Universitätsklinik für Innere Medizin.

Quelle: Salzburger Nachrichten, 3.6.2009

2 Glatze durch Rauchen

Rauchen kann - neben den bekannten gesundheitlichen Aspekten - auch die Haarpracht gefährden, wie eine taiwanesische Studie mit 740 asiatischen Männern ergab. Die Forscher fanden im Rahmen ihrer Arbeit heraus, dass sich das Rauchen schädlich auf die haarbildenden Zellen und den Hormonhaushalt auswirkt.

Quelle: Vorarlberger Nachrichten, 6.6.2009

3 Raucher-Kinder

Rauchende Eltern sind schlechte Vorbilder. Ihre Kinder greifen dreimal häufiger zur Zigarette als der Nachwuchs von Nichtrauchern. Das ergab eine amerikanische Studie mit 564 Heranwachsenden im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren. Raucht nur ein Elternteil, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder ebenfalls zu rauchen anfangen, nur 1,5-mal höher als bei Kindern von Nichtrauchern. Und: Je länger die Eltern selbst rauchten, desto eher wurden auch die Nachkommen zu Rauchern. Eine rauchende Mutter wirkt auf Töchter und Söhne gleichermaßen negativ, hingegen macht ein rauchender Vater eher Söhne zu Rauchern, kaum aber Töchter.

Quelle: profil, 8.6.2009

Nikotin-Präperate: Umstrittene Ersatzdroge für Raucher

Nikotin-Präparate lindern die Entzugserscheinungen bei Ex-Rauchern. Doch für manche Ärzte sind auch sie bedenklich.
Ob als Kaugummi, Inhalator oder in Pflasterform: Nikotinersatz-Präparate gehören zu den verbreitetsten und bekanntesten Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung. Anders als Zigaretten enthalten sie neben dem Nikotin keine schädlichen Zusatzstoffe und sollen dabei helfen, die körperlichen Entzugssymptome in den ersten paar rauchfreien Tagen und Wochen zu unterdrücken. Manche Mediziner warnen aber vor einem allzu sorglosen Umgang mit dem vermeintlich völlig harmlosen Nikotin aus der Apotheke: "Ziel der Raucherentwöhnung sollte es ja sein, von der Nikotinabhängigkeit loszukommen, nicht sie zu verlängern", sagt Univ.-Prof. Manfred Neuberger vom Institut für Umweltmedizin der MedUni Wien. Er weiß von etlichen Patienten zu berichten, die eine Sucht auf die Ersatzpräparate entwickelten. "Ähnlich wie die Tabakindustrie wünscht sich auch die Pharmaindustrie lebenslange Kunden. Man sollte die Mittel aber nicht länger als zwei bis drei Monate anwenden", betont der Arzt. Schließlich sei auch reines Nikotin entgegen einer weit verbreiteten Auffassung - krebsfördernd. "Es unterstützt die Zellvermehrung und stört den programmierten Tod von Zellen." Bei sehr stark körperlich abhängigen Rauchern, die schon mehrere erfolglose Entzugsversuche hinter sich haben, könnte der zeitlich begrenzte Einsatz solcher Mittel durchaus Sinn machen, "aber sicher nicht bei jüngeren Menschen und schon gar nicht bei Schwangeren". Wirksamer seien rezeptpflichtige Mittel wie Zyban und Champix, "doch das Entscheidende ist der Entschluss des Patienten zum Aufhören. Er kann durch kein Medikament ersetzt werden". Positiver bewertet die Nikotinersatztherapie Univ.-Doz. Ernest Groman, Leiter des Wiener Nikotininstituts: "Mit ihrer Hilfe lässt sich die Erfolgsrate beim Ausstieg verdoppeln oder sogar verdreifachen." Verglichen mit den Gefahren, die mit dem Weiterrauchen verbunden sind, seien das Sucht- und Krebsrisiko eher vernachlässigbar.

Überdosis, Unterdosis
Gromans Bedenken gehen in die entgegengesetzte Richtung: Viele Aufhörwillige würden die Mittel zu niedrig dosieren und seien dann enttäuscht, dass sie nur mangelhaft wirken. "Sie sehen aus wie Medikamente und haben auch einen Beipacktext, weshalb sich bei den Benutzern eine Hemmschwelle aufbaut. Gegenüber Zigaretten haben sie keine. Dabei würden diese einen Beipackzettel im Umfang eines Buches brauchen, wenn man für ihre Zulassung so strenge Regeln wie bei Medikamenten anwenden würde."

Quelle: Kurier, 30.5.2009

Russland: "Njet" zu Wodka und Kasinos

In Russland wollen Regierung und Kirche jetzt hart durchgreifen. Am 15. Mai erhielten alle russischen Kasinos mit der Post die Aufforderung, ihre Arbeit einzustellen. Bis 1. Juli 2009 müssen sie ihre Etablissements beim Steueramt abmelden. Anderenfalls werden diese per Gerichtsbeschluss geschlossen. Alle Spieleinrichtungen mit Ausnahme von Wettannahmestellen und Toto sollen landesweit in vier Provinzregionen ausgesiedelt werden. Das Gesetz wurde schon 2006 verabschiedet, niemand glaubte aber, dass es umgesetzt werde. Doch jetzt zeigt sich, die Regierung bleibt unnachgiebig. "Der Beschluss über die Kasinoschließung wird nicht zurückgenommen, so sehr sich die Lobbyisten auch Mühe geben", erklärte Präsident Dimitrij Medwedew. Seinen Angaben zufolge soll die Zahl der Glücksspieleinrichtungen in den letzten vier Monaten bereits um 43 Prozent zurückgegangen sein. Alles liefe also nach Plan. Die Spielzonen, die mit staatlichem Segen entstehen sollen, haben zugleich wenig Chancen auf Verwirklichung. Sie liegen weit ab der Zivilisation. Lokale Behörden haben kein Geld für die Infrastruktur. Privatunternehmer wollen dort kein Geld hineinstecken, weil sie Bauland nur für zehn Jahre pachten dürfen.

Die russische Kirche will zudem nun dem Alkoholismus zu Leibe rücken. Sie fordert Regierung und Staatsführung auf, wirksame Maßnahmen gegen die russische Nationalkrankheit zu ergreifen. Die Kirchenfürsten bitten die weltlichen Behörden, den Spirituosenverkauf in kleinen Läden mit einer Fläche unter 50 Quadratmetern ganz zu verbieten. Der Alkoholverkauf soll wie in der früheren UdSSR auf die Zeit von 11 bis 19 Uhr beschränkt werden. Auch Bier soll unter das Verbot fallen.

Quelle: Kleine Zeitung, 27.5.2009

Schocktherapie für Online-Junkies

In China werden internetsüchtige Jugendliche mit Stromschlägen behandelt und gegen ihren Willen in einer Klinik festgehalten
Mit Elektroschocks behandelt ein Krankenhaus in China internetsüchtige Jugendliche. Die Ärzte befestigen Elektroden an beiden Schläfen und an den Fingerspitzen der Patienten. Dann wird mit gezielten Stromstößen versucht, sie zu "heilen". Diese radikale Methode im "Volkskrankenhaus Nummer Vier" im Ort Linyi, Provinz Shandong, stößt nun allerdings auf Kritik. "Wer garantiert, dass die Stromschläge bei den Kindern keine Folgeschäden hinterlassen?", fragt die Chinesische Jugendzeitung.
Auch in China gibt es eine wachsende Zahl junger Menschen, denen es immer schwerer fällt, sich vom Computer loszureißen. Ihre genaue Zahl ist unbekannt. Bei 300 Millionen Internetnutzern landesweit ist es jedoch eine sichere Annahme, dass die Volksrepublik auch bei dieser Statistik weltweit einen Spitzenplatz belegen dürfte. Von bis zu 20 Millionen Webnutzern mit suchtähnlichen Symptomen in der Volksrepublik ist die Rede. Allerdings gibt es keine offizielle Definition, ab wie vielen Stunden vor dem Bildschirm ein Mensch als "Internet-Junkie" einzustufen ist.
In Linyi sind viele Jugendliche offenbar gegen ihren Willen interniert und mit Elektroschocks "gefügig gemacht" worden. So steht es in einem Bericht des Reporters Guo Jianlong, der zunächst der Zensur zum Opfer fiel, nun aber im Internet zu lesen ist. Guo berichtet von den Erlebnissen des 17-jährigen Teng Fei. Seine Eltern lockten ihn unter einem Vorwand in das Krankenhaus in Linyi. Sie wollten ihm helfen. Der Teenager wurde zum "Gesundheitstest" in den Raum 13 geführt. Dort wurde er dann solange mit schmerzhaften Stromstößen traktiert, bis er auf einem Formular seiner "freiwilligen Einweisung" zustimmte. Wie der Reporter herausfand, werden die meisten der derzeit rund hundert Patienten gegen ihren Willen in der Klinik festgehalten. Innerhalb von zwei Stunden hätten die meisten in Raum 13 ihren Widerstand aufgegeben und das Formblatt unterschrieben. Teng Fei habe den Schmerz bereits nach einer halben Stunde nicht mehr ertragen, ist zu lesen.
Hunderte von Spezialkliniken gegen Internetsucht gibt es mittlerweile in China. Seit die Medien in schrillen Tönen vor der neuen Modekrankheit gewarnt haben, lässt sich damit viel Geld verdienen. Eine einzige Internetklinik könne im Jahr mehrere Millionen Yuan (mehrere hunderttausend Euro) verdienen, "während die Kinder chronische Ängste und ein psychologisches Trauma davontragen", schreibt ein Experte.
Teng Fei hatte schließlich Glück. Sein Vater sah ein, dass er einen Fehler gemacht hatte und holte den Jugendlichen nach anderthalb Monaten wieder ab. Allerdings hatte Teng bereits sieben Elektroschockbehandlungen hinter sich. Und 15 000 Yuan (rund 1700 Euro) "Behandlungskosten" plus eine Strafe für den Therapieabbruch von 5000 Yuan mussten bezahlt werden. In China sind das mehrere durchschnittliche Monatslöhne.
Die Internetklinik in Linyi steht unter der Leitung des 46-jährigen Psychiaters Yang Yongxin. Bis vor kurzem war er mit seinen alarmistischen Warnungen vor der Internetsucht ein landesweit gefeierter Liebling der Medien. Das zu lange Surfen der Kinder sei eine "tödliche Gefahr" für Kommunistische Partei und Nation, warnte er etwa. Mehr als 3000 Kinder hat er mit Stromstößen behandelt und dafür kräftig abkassiert.
Inzwischen aber hat sich die öffentliche Meinung deutlich gegen ihn gewendet, auch wenn er sich mit Stellungnahmen zur Wehr setzt. Die Berichte in der Chinesischen Jugendzeitung seien "unwahr", behauptet er. Dass seine Stromstöße schmerzhaft seien, räumt er ein, doch seien sie mit nur ein bis fünf Milliampere keinesfalls gesundheitsschädlich, behauptet der Psychiater. Die Kritiker sind nicht überzeugt. "Gewisse Methoden gegen psychologische Störungen könnten unsere Kinder sowohl physisch wie mental beschädigen", schreibt der Blogger Hu Yong über Yangs Methoden.
Die Überforderung vieler Eltern könnte ein Grund für solche Exzesse sein. Manche Kinder beißen oder schlagen um sich, wenn sie von ihren Computerspielen weggezerrt werden sollen. Nicht nur Elektroschocks, auch andere rabiate Zwangsmaßnahmen finden daher Anhänger. Die Volksbefreiungsarmee betreibt in einer ihrer Kasernen in der Nähe von Peking ein "Trainingscamp" für Internetsüchtige, in dem mehrere hundert Online-Junkies marschieren lernen und ihre Spinde putzen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 20.5.2009

BRD: Alkoholverbot an Tankstellen

Baden-Württemberg will der Vorreiter sein: Dort soll vom nächsten Jahr an zwischen 22 Uhr und 5 Uhr an Tankstellen, Kiosken und in Supermärkten kein Alkohol mehr verkauft werden. Das Land hat damit auf den zunehmenden Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen und die damit einhergehende Gewalt reagiert: Rund dreißig Prozent der jugendlichen Täter standen laut Polizeistatistik im vergangenen Jahr unter Alkoholeinfluss. In den anderen Bundesländern ist die Bilanz ähnlich. "Der Zusammenhang zwischen exzessivem Alkoholkonsum und Gewalt ist sehr hoch", sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), dieser Zeitung. Polizisten würden häufiger von Alkoholisierten angegriffen. Die Zahl der Straftaten unter Alkoholeinfluss sei gestiegen. Gerade Tankstellen seien in der Vergangenheit "eine Schwachstelle, ein Nadelöhr" gewesen.

Ein nächtliches Alkoholverbot an Tankstellen hält Frau Bätzing jedoch nicht für nötig. Sie hat im März gemeinsam mit Vertretern der Tankstellen-Branche einen "Aktionsplan Jugendschutz der Tankstellen-Branche" unterschrieben. In diesem Maßnahmenpaket, das unter anderem Schulungen von Tankstellenmitarbeitern vorsieht, bekennen sich die Tankstellenverbände zu ihrer Verantwortung für den Schutz der Jugend. "Mit dem Aktionsplan kommen wir weiter als mit einem Verbot", sagte Frau Bätzing. "Bei einem Verbot gibt es nur zwischen 22 Uhr und 5 Uhr keinen Alkohol. Davor schon." Sie sehe daher keinen Grund für eine gesetzliche Verschärfung, "wenn das Jugendschutzgesetz eingehalten wird". Dies könne mit Hilfe von jugendlichen Testkäufern überprüft werden. Man müsse zudem auf Prävention setzen, die Jugendlichen für das Thema Alkohol sensibilisieren und ihr Verantwortungsbewusstsein stärken. Auch Alkoholverbote an öffentlichen Plätzen hält Frau Bätzing nicht für sinnvoll. "Damit verlagert man den Alkoholkonsum und die Gewalt nur."

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Maria Eichhorn begrüßt dagegen das Vorhaben Baden-Württembergs, den Verkauf von Alkohol an Tankstellen in den Nachtstunden zu verbieten. "Alkohol gehört nicht an die Tankstellen", sagte die Gesundheitsexpertin dieser Zeitung. Die Praxis zeige, dass der Alkoholkonsum von Jugendlichen an Tankstellen zunehme. Die Jüngeren würden die Älteren vorschicken und so die Regelungen zum Jugendschutz umgehen. Frau Eichhorn plädiert darum für ein Verkaufsverbot von 22 Uhr an, kann sich aber auch ein Verkaufsverbot rund um die Uhr vorstellen.

Nach Ansicht des Grünen-Politikers Kai Gehring griffe ein Verbot jedoch zu kurz. Vielmehr sei es dringend nötig, die bestehenden Regelungen einzuhalten. Gehring fordert darum mehr Kontrollen. "Wir brauchen Mindestbußgelder, um Verstöße gegen den Jugendschutz schärfer zu sanktionieren. Wer Alkohol an Jugendliche verkauft, muss endlich mit spürbaren Konsequenzen rechnen", sagte der Bundestagsabgeordnete dieser Zeitung.

Quelle: Frankfurter Allgem. Sonntagszeitung, 7.6.2009