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Bayern: Polizeigewerkschaft gegen "Vorglühen" an Tankstellen

Im Kampf gegen Jugendalkoholismus hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann eine bloße "Ankündigungspolitik" statt wirksamer Maßnahmen vorgeworfen. "Wer Marktführer der inneren Sicherheit sein will, muss handeln", sagte der DPolG-Landesvorsitzende Hermann Benker am Freitag. Er forderte eine sofortige Einführung eines nächtlichen Verkaufsverbotes für Alkohol. Das dritte Jahr hintereinander habe Herrmann bei der Veröffentlichung der bayerischen Kriminalstatistik den Zusammenhang von Alkohol und Gewalt bei Jugendlichen beklagt. "Stets werden Gegenmaßnahmen nur angekündigt, aber nicht umgesetzt", kritisierte Benker.

Die Polizeigewerkschaft fordert schon seit März 2008 die Einführung eines generellen Verkaufsverbots für Alkohol an Tankstellen und Kiosken zwischen 20 Uhr und sechs Uhr. Bei der Zunahme alkoholbedingter Gewaltdelikte spiele das Ritual des sogenannten Vorglühens - also des heftigen Trinkens vor dem späteren Besuch einer Diskothek - eine wichtige Rolle. Dabei seien insbesondere Tankstellen zu Alkohol-Versorgungsstellen für Jugendliche geworden, betonte Benker.

Quelle: "Süddeutsche Zeitung" vom 20.3.2010

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Studie: Prävention als Gewinn für die Gesellschaft

Eine Studie der Zürcher Hochschule Winterthur und der Universität Neuenburg schätzt, dass ein Präventionsfranken bis zu 41 Franken Gewinn bringen könnte. Vor allem die Tabakprävention scheint erfolgreich zu sein. Der direkte kausale Zusammenhang ist jedoch nicht bewiesen.
Die Studie wurde im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit und der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren erstellt und untersuchte die Präventionsgebiete Verkehr, Tabak und Alkohol. In ihrem Bericht bilanzieren die Autoren: "Die Studie belegt den möglichen Nutzen von Präventionsmaßnahmen und weist nach, dass diese Maßnahmen Gewinne für die Gesellschaft als Ganzes erbringen können."

Gemäss den Resultaten könnte die Tabakprävention besonders erfolgreich sein. Die Autoren verweisen jedoch auf die Grenzen der Studie. So sei der "Nachweis eines direkten kausalen Zusammenhanges zwischen der Wirksamkeit eines Bündels an Präventionsmaßnahmen, die in einem realen, nichtklinischen Umfeld angewandt werden, schwierig zu führen".

Quelle: "Neue Zürcher Zeitung" vom 13.3.2010

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BRD: Künstliches Heroin auf Rezept

Künstliches Heroin gibt es in Deutschland künftig auf Rezept. Ärzte dürfen auf Beschluss des Bundestages künftig Schwerstabhängigen den künstlichen Drogen-Ersatzstoff Diamorphin verschreiben. Die Abgabe von Diamorphin war von 2002 bis 2006 in ausgewählten Städten als Modellversuch erprobt worden. Die Behandlung hatte die Lebensqualität der Betroffenen verbessert und manche sogar in die Lage versetzt, eine Arbeit aufzunehmen.
Wenn Arztpraxen an einer Diamorphin-Therapie teilnehmen möchten, müssen diese allerdings einige Kriterien erfüllen. Dazu gehören strenge Sicherheitsauflagen, die vor Überfällen schützen sollen. Ferner müssen die Praxen zwölf Stunden am Tag geöffnet sein und die Mediziner zwei Mal im Jahr an Fortbildungen teilnehmen.
Die Diamorphin-Vergabe zielt vor allem auf Abhängige, die eine herkömmliche Methadon-Therapie nicht vertragen. Um für eine Behandlung mit dem Heroin-Ersatzstoff in Frage zu kommen, müssen die Betroffenen seit mindestens fünf Jahren abhängig sein, zwei erfolglose Therapien hinter sich haben und älter als 23 sein.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmanns, begrüßte den Beschluss des Bundestages, kritisierte aber die strengen Auflagen, die dazu führten, dass nur wenige Praxen eine solche Therapie anzubieten würden.

Quelle: "Süddeutsche Zeitung" vom 19.3.2010

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Testkäufe in Vorarlberg: Alkoholabgabe oft noch nachlässig gehandhabt

Ohne Strafe scheint das Abgabeverbot von Alkohol an Minderjährige in vielen Fällen nicht zu funktionieren. Das haben Testkäufe mit und ohne Polizeibegleitung ergeben. Bei 3657 Kontrolleinkäufen, die noch ohne Konsequenzen blieben, gaben fast 44 Prozent der Handelsgeschäfte und Bars den jungen Leuten was sie an alkoholischen Getränken wollten. Die Nachsicht brachte zwar kurzzeitig eine Besserung. Doch dann schlich sich wieder der Schlendrian ein. Erst, als die Testkäufer mit der Exekutive anrückten, die Verstöße gegen das Jugendgesetz auch gleich zur Anzeige brachte, zogen die notorischen Sünder die Zügel wieder an. "Wir werden noch länger wechselnde Phasen von Sensibilisierungsmaßnahmen und Testkäufen brauchen", sagte dazu SUPRO-Leiter Andreas Prenn.

Chance auf Schulung: Durchgeführt wurden die Einkäufe in den Sektoren Handel und Gastronomie im Rahmen des Projektes "Mehr Spaß mit Maß". Jugendliche unter 16 bzw. 18 Jahren und eine Begleitperson der Stiftung Maria Ebene machten in unterschiedlichen Betrieben die Probe aufs Exempel. Wobei es beim ersten Mal keine Strafen setzte. "Die Verantwortlichen sollten die Chance erhalten, das Personal entsprechend zu schulen", begründet Prenn. So konnte die Abgabequote im Verlauf des Projektzeitraumes von rund 60 auf teilweise unter 40 Prozent gesenkt werden. Gegen Ende der Aktion mussten die Testkäufer aber feststellen, dass die Alterskontrollen bei einigen Betrieben, vornehmlich in der Gastronomie, nicht mehr funktionierten. Deshalb wurden in den Bezirken Bludenz, Bregenz und Dornbirn schließlich erstmals Testeinkäufe mit der Polizei im Schlepptau absolviert. Nach zwei bis drei Durchgängen kehrte wieder die Einsicht ein.

Mit Gewinnabsicht: Aber es müsse bei den "schwarzen Schafen" schon unterschieden werden, betonte Andreas Prenn. Bei den Handelsbetrieben beispielsweise passiere das meist nicht absichtlich. "Da ist einfach das wechselnde Personal an den Kassen der Schwachpunkt." Im Einzugsbereich von Discos würden Betriebe jedoch sehr wohl Alkohol mit Gewinnabsicht an Minderjährige verkaufen. Derzeit beträgt die Abgabequote etwa 30 Prozent. Ein, laut SUPRO-Chef, "sehr gutes Ergebnis".

Strafhöhe nach Ermessen: Die Höhe der Strafe liegt übrigens im Ermessen der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft. Das stößt sowohl Andreas Prenn wie auch Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch sauer auf. Vor allem, weil Jugendliche, die beim Kauf von Alkohol erwischt werden, meist eine rigorose Strafe ausfassen, die Behörden bei Betrieben zum Teil jedoch sehr kulant agieren. "Hier wäre eine einheitliche Vorgehensweise wünschenswert", so Prenn. Die gezielte Durchführung des "Mystery Shoppings" sollte nach Ansicht beider bis 2012 verlängert werden. "Dann müsste die Botschaft sitzen", ist Andreas Prenn überzeugt.

Quelle: "Vorarlberger Nachrichten" vom 12.3.2010

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EU will bis 2012 ein rauchfreies Europa

Bis zum Jahr 2012 strebt die EU ein komplett rauchfreies Europa an. Die EU-Kommission will einheitlich geltende Gesetze in allen Mitgliedsstaaten durchsetzen. Eine neue Resolution sieht Maßnahmen im gesamten öffentlichen Raum - auch Gastronomie und Verkehr - vor. Betroffen sind sogar öffentliche Fahrzeuge wie Firmenwagen. Auch an ein Verbot in öffentlichen Räumen im Freien wird zum Teil bereits gedacht.
Das derzeit in Österreich geltende Gesetz entspricht diesen Plänen laut der Meinung einiger Experten in vielen Punkten nicht. "Das österreichische Gesetz ist sicher nicht europakonform und das hat man schon gewusst, als es verabschiedet wurde", kritisiert beispielsweise Sylvia Hartl von der Europäischen Lungengesellschaft (ERS). Besonders Minderjährige in Raucher-Gaststätten würden nicht ausreichend geschützt.

Insgesamt liegt die Entwicklung im Trend der Bevölkerung: So zeigt z.B. eine aktuelle Erhebung: Die Oberösterreicher greifen weniger zur Zigarette. Laut "Institut Suchtprävention" rauchen nur mehr 27 Prozent der über 15-Jährigen täglich.

Quelle: "Österreich" vom 6.3.2010 und vom 4.3.2010

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Gesundheit: Schlafmangel und Drogen?

US-Forscher haben einen Zusammenhang von Schlafmangel und dem Konsum illegaler Drogen unter Jugendlichen festgestellt. Teenager, die weniger als sieben Stunden pro Nacht schliefen, neigten eher zum Konsum illegaler Drogen wie Marihuana, sagen Forscher der Universität in San Diego und der Eliteuniversität Harvard. Die Wissenschaftler, die für ihre Studie die Schlafgewohnheiten und den Drogenkonsum von 8000 Jugendlichen untersuchten, stellten zudem fest, dass sich diese Angewohnheiten unter den stark vernetzten Teenagern rasch verbreiteten. Junge Erwachsene seien durch soziale Netzwerke eng mit Freunden und Verwandten verbunden, und die Gefahr der gegenseitigen Beeinflussung sei daher enorm, hieß es in der Studie. Schlafmangel sei zudem ein möglicher Grund für den gestiegenen Alkoholkonsum unter Jugendlichen, erklärten die Forscher.

Quelle: "Die Welt" vom 2.3.2010

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Gibt es die Sexsucht wirklich? Ja, sagen die Experten

Die Diagnose "Sexsucht" gibt es in der internationalen Klassifikation der Krankheiten noch nicht. Sexuell süchtiges Verhalten wird von Ärzten in der Regel als "gesteigertes sexuelles Verlangen" eingeordnet.

"Sexsucht gilt als krankhaftes Verhalten, ähnlich wie Spiel- oder Kaufsucht", sagt Wulf Rössler, Direktor an der Psychiatrischen Uniklinik Zürich. "Möchte jemand mehrmals am Tag Sex oder wechselt häufig den Partner, ist er aber noch lange nicht sexsüchtig. Hierfür müssen erst bestimmte Kriterien für eine Sucht erfüllt sein." Was man sagen kann: Für einen Sexsüchtigen spielt Sex eine zentrale Rolle im Leben. Seine Gedanken kreisen ständig darum, und sexuelle Aktivitäten bestimmen den Tagesablauf. Stillt er beispielsweise mit Internet-Pornografie seine Sucht, dann plant er täglich ein, wann und wo er Bilder oder Filme im Internet anschauen kann. Er vernachlässigt seine Arbeit, seine Hobbys, Freunde und Familie. Er sieht zwar die Konsequenzen, wenn er Job oder Partnerin verliert oder andere Probleme bekommt. Doch trotzdem ändert er sein Verhalten nicht. Ein weiteres Zeichen der Sucht ist die Dosissteigerung: Der Sexsüchtige muss immer häufiger und immer "heftigere" Bilder anschauen, um Befriedigung zu erlangen. Nach und nach verliert er die Kontrolle über sein Leben.

4 von 5 Sexsüchtigen sind Männer. Meist stillen sie die Sucht durch Masturbieren vor pornografischen Bildern im Internet oder beim Telefonsex, oder sie suchen Prostituierte auf. Frauen leben sie eher durch gleichzeitige Beziehung mit mehreren Männern aus. Wissenschafter in den USA schätzen, dass etwa 4 von 100 Menschen ein sexsüchtiges Verhalten zeigen. "Das ist vermutlich zu hoch gegriffen", meint Peer Briken, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung. Häufiger geworden sei das Problem nicht. "Phasenweise spricht man mehr darüber wegen vermeintlicher sexueller Entgleisungen von Prominenten." Dies seien aber oft "normale Seitensprünge" und keine Sexsucht. "Warum jemand sexsüchtig wird, wissen wir nicht genau. Menschen mit Depressionen oder wenig Selbstwertgefühl scheinen hingegen anfälliger zu sein." Ein weiteres Risiko ist das Internet, das jedem ohne größeren Aufwand sexuelle Reize bietet. Sexsucht wird mit Psychotherapie behandelt, manchmal in Kombination mit Medikamenten. "Den Sex an sich verdammen wir nicht", sagt Briken. "Der Patient kann Sexualität wieder ganz anders erleben."

Quelle: "Neue Zürcher Zeitung" vom 28.2.2010

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"Die Mohnfelder in Afghanistan müssen abgefackelt werden"

Russland ist tief besorgt über den zunehmenden Drogenkonsum seiner Bürger - vor allem Heroin aus Afghanistan. Wiktor Iwanow, Direktor des russischen föderalen Dienstes zur Kontrolle des Drogenhandels, fordert die westlichen Staaten auf, ihre Truppen in Afghanistan auch mit der Vernichtung der Mohnfelder und Drogenlabors zu beauftragen.
In den vergangenen 20 Jahren hat die Zahl der Drogenkonsumenten um das 20-Fache zugenommen. Es gibt gegenwärtig etwa 2,5 Millionen Drogenabhängige, jährlich sterben zwischen 30 000 und 40 000 Menschen im Alter zwischen 30 und 35 Jahren.
2009 wurden 37 große und 35 000 kleine, primitive Drogenlabors polizeilich ausgehoben. Der Anteil der beschlagnahmten Drogen an der tatsächlich gehandelten Menge beläuft sich allerdings auf nicht mehr als etwa zehn Prozent.

Iwanow hält fest, dass die afghanische Regierung zwar einige Maßnahmen ergreift, um die Opiumproduktion einzuschränken, aber sie sei dennoch gigantisch. Sie ist so groß, dass gegenwärtig nur ein Drittel der Produktion im Ausland abgesetzt werden kann, zwei Drittel werden in schwer zugänglichen Bergregionen gelagert. Nach UN-Schätzungen sind das mehr als 12 000 Tonnen Opium - zwei komplette Jahresproduktionen. Russland verweist darauf, dass seit Einrücken westlicher Truppen in Afghanistan 2001 der Anbau von Schlafmohn um das 40-Fache gestiegen ist.

In Russland und in der EU werden 60 Prozent des afghanischen Heroins verbraucht.
Das Europaparlament wird im Mai die Strategie der EU für Afghanistan vorlegen. Iwanow sieht drei Diskussionspunkte. Erstens die Militarisierung des Landes und der Region, zweitens die Opiumproduktion und drittens humanitäre Fragen. Russland schlägt vor, eine gemeinsame Position zur Vernichtung der Mohnfelder auszuarbeiten.

Quelle: "Die Welt" vom 10.4.2010

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