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Quellenangaben zum Beitrag über Sportwetten und Glücksspiel

  • Tobias Hayer, Gerhard Meyer: Sportwetten im Internet - Eine Herausforderung für suchtpräventive Handlungsstrategien; in: Suchtmagazin, 2004 Nr. 1/ Februar, 30.Jahrgang
  • Tobias Hayer, Gerhard Meyer: Das Gefährdungspotenzial von Lotterien und Sportwetten. Eine Untersuchung von Spielern aus Versorgungseinrichtungen, 2005; in: Abschlussbericht an das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen; Universität Bremen, Institut für Psychologie und Kognitionsforschung
  • Goldmedia-Studie, 2006: Glücksspiel und Wetten im Internet: Restriktive Gesetzgebung führt zur Abwanderung in den "Graumarkt"
  • Lucia Schmidt, Klaus Hurrelmann: Wetten, fiebern, Kontrolle verlieren? Jugendliche und kommerzielle Sportwetten, 2005; in: SUCHT, 51(2), 2005, S.70-25

Österreich: Ein Gesetz, das Spielsucht fördert?

Montagabend einigten sich SPÖ, ÖVP, FPÖ und BZÖ im Finanzausschuss des Parlaments auf das neue Glücksspielgesetz, die Grünen stimmten dagegen. Im Unterschied zum bisherigen Entwurf ist nun vorgesehen, dass Spieler sich künftig an den Eingängen zu Automatensalons mit einem Lichtbildausweis ausweisen müssen, um den Jugendschutz zu verbessern. Ansonsten blieb die Regierung bei ihren Plänen: Künftig werden 15 statt bisher zwölf Kasinolizenzen vergeben. Die Einsätze an Spielautomaten, die auch außerhalb des staatlichen Monopols betrieben werden dürfen, werden auf zehn Euro pro Spiel erhöht (bisher: 50 Cent), der mögliche Gewinn auf 10.000 Euro.

Alle Automaten werden mit dem Bundesrechenzentrum vernetzt, um die Geräte besser überprüfen zu können und illegale Automaten zu verhindern. Zusätzlich soll eine Soko Glücksspiel gegen illegal aufgestellte Automaten vorgehen. Die Zahl der Automaten, die in jedem Bundesland aufgestellt werden darf, wird begrenzt auf einen pro 1200 Einwohner. Ausnahme ist Wien, hier ist einer pro 600 Einwohner erlaubt; und Automatenbetreiber müssen künftig ein Promille ihres Gewinns abführen. Mit dem Geld wird im Finanzministerium eine Beratungsstelle für Spielsüchtige eingerichtet und betrieben.

Begrenzt wird zudem die Zahl der Video Lotterie Terminals - Geräte, die ähnlich wie Spielautomaten funktionieren, aber von den Casinos Austria betrieben werden. Wie viele davon aufgestellt werden dürfen steht noch nicht fest. Neue Regeln für das Onlineglücksspiel werden in dem Gesetz noch nicht enthalten sein. Darüber wird im Herbst weiter verhandelt. Künftig wird auch Oberösterreich das kleine Glückspiel erlauben. Oberösterreich erhofft sich davon zusätzliche Steuereinnahmen von 15 bis 20 Millionen Euro. Es wird erwartet, dass, das Gesetz noch diese Woche im Plenum des Nationalrats beschlossen werden kann.

Die Situation in Österreich

Derzeit gibt es nur Schätzungen darüber, wie viele Menschen spielsüchtig sind: Zwischen 60.000 und 160.000 Menschen könnten in Österreich betroffen sein. Auch zu den Kosten gibt es nur vereinzelt Zahlen: Wissenschafter des Joanneums Graz errechneten, dass die Steiermark jährlich bis zu 1,8 Millionen Euro zahlt - für Polizisten, Richter und Bewährungshelfer, die sich um die kümmern, die stehlen, um ihre Sucht zu finanzieren. Die Therapie kostet hingegen "nur" 140.000 Euro. 88 % derjenigen, die aufgrund ihrer Sucht kriminell wurden, spielten vor allem an Spielautomaten. In Wien, wo die meisten Automaten stehen, gibt es zu den Folgekosten keine Zahlen.

Der Bund verdient am Glücksspiel jährlich 450 Millionen Euro. Wien, Niederösterreich, die Steiermark und Kärnten, die Spielautomaten mit Einsatz- und Gewinnlimits auch außerhalb des staatlichen Monopols erlauben, nehmen damit jährlich etwa 110 Millionen Euro ein. Eine einheitliche Regelung zum Spielerschutz oder darüber, wie dieses Geld verwendet werden muss, gibt es nicht. Das neue Gesetz soll das nun ändern.

Künftig soll in Automatensalons das Alter der Spieler strenger und nach einheitlichen Regeln kontrolliert werden. Es soll festgelegt werden, wie viel Bund und Länder jeweils für Spielerschutz und -hilfe bezahlen; und Automatenbetreiber sollen ein Promille ihrer Einnahmen an das Finanzministerium für den Spielerschutz abführen.

Kritik und ungelöste Probleme

Experten und Grüne kritisieren die höheren Einsätze bei Automaten und sehen ungelöste Probleme bei illegalen Automaten. Allen Beteuerungen von SPÖ- und ÖVP-Vertretern zum Trotz rechnen Suchtexperten nach der Novelle des Glücksspielgesetzes mit mehr Spielsüchtigen. "Das ist ein von der Industrie über die Politik gespieltes Wunscherfüllungsgesetz", kritisiert Herwig Scholz, Leiter des Sonderkrankenhauses de la Tour der Diakonie Kärnten und Doyen der Spielsuchtbehandlung in Österreich. Allein wenn er sehe, dass der Einsatz bei den Automaten verzwanzigfacht werde (von bisher 0,50 auf bis zu zehn Euro pro Spiel), "hört es bei mir auf".

Bisher gibt es in Österreich kaum Zahlen zur als Krankheit anerkannten Spielsucht. Konservative Schätzungen gehen ähnlich wie in Deutschland von 0,5 bis 1,5 Prozent der Bevölkerung aus (40.000 bis 120.000 Personen). Zum Vergleich: Fünf Prozent der Österreicher sind alkoholabhängig. Der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz, vehementer Kämpfer gegen die Novelle, rechnet im "Schwarzbuch kleines Glücksspiel" mit 160.000 Spielsüchtigen und 240.00 akut Gefährdeten.

Als Randphänomen wollen Suchtexperten das Problem dennoch nicht sehen. In jedem Bundesland, in dem das Automatenspiel legalisiert werde, werde die Zahl der Spielsüchtigen hinaufschnellen, behauptet Scholz. Das habe er in Kärnten erlebt, wo nach der Legalisierung des sogenannten kleinen Glücksspiels 1997 auch immer mehr Anfragen von Patienten bei seiner Ambulanz für Abhängigkeitserkrankungen gekommen seien. Typische Spielsüchtige sind männlich, zwischen 35 und 48 Jahre alt, haben 40.000 Euro Schulden und sind zu zwei Drittel Automatenspieler. Dass die geplanten Zutrittskontrollen zu den Automatensalons funktionieren werden, bezweifelt Scholz. Auch von der neuen Spielsucht-Präventionsstelle im Finanzministerium erhofft er sich "gar nichts". Schon das Faktum, dass keine Experten-Stellungnahmen zum Gesetzesentwurf eingeholt worden seien, zeige die mangelnde Ernsthaftigkeit. Sein Schluss: Automaten gehören nicht in die Kaffeehäuser.

Auch Pilz, der in seinem Schwarzbuch auf die Bedrohung durch Spielautomaten hinweist und die Rolle des größten Produzenten und Betreiber, Novomatic, beleuchtet, forderte strengere Bestimmungen. Durch die Erhöhung der Einsätze auf zehn Euro pro Spiel - bisher nur durch illegale Eingriffe möglich - könnten bis zu 10.800 Euro in zwei Sunden zu verspielt werden. Die dann gesetzlich vorgesehene "Abkühlphase" ist nach Ansicht von Pilz ebenfalls ein Problem: Die Abschaltung dauert nur eine Minute.

Pessimistisch ist auch Andreas Kreutzer, dessen Beratungsfirma Kreutzer, Fischer & Partner die wenigen existierenden Daten zu Automaten hierzulande gesammelt hat. "Das Gesetz ist schwach und bleibt schwach", sagte Kreutzer zu den SN. Der Großteil der rund 5000 "illegalen" Automaten in Salzburg, Tirol, Vorarlberg und Burgenland, wo kleines Glücksspiel verboten sei, werde nach der Novelle stehen blieben, weil es wieder Gesetzeslücken gebe.

Quellen: Der Standard vom 14. und 15.06.2010; Salzburger Nachrichten vom 12.06.2010

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Afghanistan: 60 Peitschenhiebe für ein Bier

Der Alkohol ist ins Visier der Sittenwächter der Islamischen Republik Afghanistan geraten. In den vergangenen Wochen gab es verstärkt Razzien gegen Restaurants und Klubs in der Hauptstadt Kabul, in denen ausländische Diplomaten und Wiederaufbauhelfer Wein, Bier und härtere Drinks genießen. Zuvor hatten sich allerdings manche Helfer aus dem Westen denkbar unsensibel gegenüber islamischen Empfindlichkeiten gezeigt. Im Camp Sullivan in Kabul, in dem 450 Sicherheitskräfte zum Schutz der amerikanischen Botschaft und anderer Einrichtungen untergebracht sind, gab es wilde Saufgelage und Nacktpartys. Afghanische Angestellte wurden offenkundig zur Teilnahme eingeladen. Fotos und Videos davon zirkulierten im Herbst im Internet und belasteten das ohnehin angespannte afghanisch-amerikanische Verhältnis weiter.

Bereits im vergangenen Juni verabschiedete das afghanische Parlament ein strenges Gesetz. Es droht in Übereinstimmung mit der Scharia jedermann Geldstrafe, Gefängnis oder 60 Peitschenhieben an, der Alkohol verkauft, kauft oder konsumiert. Ob dies auch die bislang gängigen Sondererlaubnisse des afghanischen Informationsministeriums betrifft, die bestimmten Lokalen den Ausschank von Drinks an Ausländer erlaubt, ist unklar. Im Fernsehen werden Telefonnummern eingeblendet, unter denen man Verkäufer oder Konsumenten von Alkohol anschwärzen kann. Maulvi Faiz Mohammed, Vorsitzender des Rates der Religionsgelehrten (Ulema), betonte, Alkohol und Drogen seien im Islam verboten.

Quelle: Die Welt vom 17.05.2010

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Depressive rauchen mehr

Menschen mit Depressionen greifen einer US-Studie zufolge wesentlich häufiger zur Zigarette als andere. Rund 43 Prozent der Depressionskranken seien Raucher, während dieser Anteil bei Menschen ohne Depression nur bei 22 Prozent liege. Aus der Erhebung geht zudem hervor, dass depressive Raucher besonders viele Zigaretten konsumieren: Drei von zehn Erwachsenen mit Depressionen rauchten mehr als eine Schachtel am Tag - mehr als doppelt so viel wie in der Vergleichsgruppe.

Quelle: Oberösterreichische Nachrichten vom 11.05.2010

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Alkoholverbote in Italien und Deutschland

Weil die Zahl der Alko-Unfälle steigt, schränkt Italien den Verkauf von Alkohol ein. Ab drei Uhr früh gibt es keinen Tropfen mehr, in Autobahnraststätten noch früher. In allen Restaurants müssen Alkomaten aufgestellt werden.

Das Management der Berliner U-Bahn (Metronom) hat ein Problem in den Griff bekommen, das den meisten Bus- und Bahnbetreibern heftig Kopfzerbrechen bereitet: den Vandalismus und die Gewalt in den Fahrzeugen. Metronom ist das erste Bahnunternehmen, das ein striktes Alkoholverbot verhängt hat - Straftaten gibt es in den Zügen so gut wie nicht mehr.
Zuletzt hatten sich die Ausgaben des Bahnunternehmens zur Beseitigung von Verwüstungen auf 500 000 Euro summiert, das Management handelte. Seit Dezember 2009 gilt ein Alkoholverbot, wer dagegen verstößt, bekommt erst die "gelbe Karte", dann gibt es ein Bußgeld von 40 Euro. "Wir wissen, dass bei rund jeder dritten Gewalttat Alkohol im Spiel ist", sagt ein Sprecher. Im August 2009 bilanzierte das Bahnunternehmen noch 327 Straftaten - damals wurde das Alkoholverbot erstmals angekündigt. In diesem März waren es noch 33 Fälle, überwiegend Delikte wie Schwarzfahren. Die Aktion wurde allerdings aufwendig von Sicherheitspersonal abgesichert: Ein externer Sicherheitsdienst, der das Verbot durchsetzen sollte, kam allein im Februar 2010 auf 3269 Arbeitsstunden.

Auch die Deutsche Bahn kennt das Gewalt- und Alkoholproblem, doch der Konzern will dem Beispiel von Metronom nicht folgen: Ein Alkoholverbot könnte nur durch verstärkten Einsatz der Bundespolizei gewährleistet werden. Diese habe allerdings signalisiert, dass sie eine flächendeckende Durchsetzung eines bundesweiten Alkoholverbots im Nahverkehr nicht leisten könne.

Quellen: Die Welt vom 08.05.2010; Österreich vom 09.05.2010

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Kokain in Bienenwachs und auf dem Vormarsch

Neue Lieferrouten, neue Schmuggeltricks und Verarbeitungswege sowie eine zunehmende Verbreitung in Europa: Diese Trends macht die EU-Drogenbeobachtungsstelle in Lissabon in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht zum Kokainkonsum in Europa aus. Rund drei Millionen junge Erwachsene gaben an, im Vorjahr Kokain konsumiert zu haben.

Die Beschlagnahmen zeigen, dass West- und Nordafrika als Schmuggelrouten für die hauptsächlich in Kolumbien gewonnene Droge aus der Kokapflanze an Bedeutung gewinnen. Der Handel breite sich nach Mittel- und Osteuropa aus, die bisher vergleichsweise wenig betroffen waren. Haupteinfallstore in Europa sind neben der iberischen Halbinsel Belgien und die Niederlande. Zum herkömmlichen Schmuggel durch Kuriere oder als falsch deklarierte Fracht kommen raffinierte Methoden: Kokainbase oder Kokainhydrochlorid wird in Bienenwachs, Kunststoff oder Kleidung eingebunden und später wird die Droge in Europa extrahiert. 2008 wurden 40 solcher Speziallabors ausgehoben.

Teilweise ende die Verarbeitung erst in Westafrika. Dies schließen die EU-Drogenexperten aus Daten des Internationalen Suchtstoffkontrollrats. Die auf Südamerika konzentrierten Kontrollen von Kaliumpermanganat, das zur Koksproduktion benötigt wird, führten zum Ausweichen. Im Jahr 2007 wurden 144 Tonnen der Chemikalie beschlagnahmt, davon 94 Prozent in Kolumbien.

Es zeigt sich also erneut, dass dem Problem nur begrenzt über die Bemühungen zur Eindämmung des Drogenhandels beizukommen ist - zu findig und flexibel agieren die Drogenmärkte. Anzusetzen ist vor allem bei den Menschen, die nach Möglichkeit so klug und reif sein sollten, nicht zu Konsumenten und (nur zu oft) abhängigen Dauerkunden zu werden.

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 30.04.2010

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Australien führt neutrale Schachtel für Zigaretten ein

Die Anti-Raucher-Kampagnen der letzten Jahre haben ihre Ziele nicht verfehlt. 1988 betrug die Raucherquote auf dem fünften Kontinent 30,5 Prozent, heute liegt sie bei 16,6 Prozent. Sozial Schwache rauchen deutlich mehr. Jeder zweite Aborigine (Ureinwohner) ist dem Laster verfallen. Die Labor-Regierung hat sich das Ziel gesteckt, dass 2018 nur noch jeder zehnte Australier raucht.

Als erstes Land der Welt will Australien nur noch neutrale Zigarettenschachteln zulassen. "Zigaretten töten Menschen, auch wenn die Tabakkonzerne nun jammern, jaulen, meckern und jegliche Art von Klagen prüfen", sagte Ministerpräsident Kevin Rudd am Donnerstag. Verboten werden ein eigener Schriftzug, das Markenzeichen, die Farben der jeweiligen Marke und der gesamte Werbetext. Ab dem 1. Juli 2012 soll auf den Schachteln nur noch ein für alle einheitlich gesetzter Namenszug in einer Standardfarbe erlaubt sein. Allerdings setzt das Datum der Anwendung der neuen Regel voraus, dass die Rudd-Regierung die nächste Wahl gewinnt. In der Nacht zu diesem Freitag setzt die australische Regierung zudem die Steuern für Zigaretten um 25 Prozent herauf. Damit kostet die Schachtel mit 30 Zigaretten umgerechnet 11,67 Euro. Die Regierung rechnet damit, dass die Zahl der Raucher in Australien durch beide Entscheidungen um rund eine Million bis 2020 abnehmen werde. Die Steuererhöhung werde dem Haushalt innerhalb von vier Jahren umgerechnet rund 3,5 Milliarden Euro einbringen. Das Geld würde direkt in den Gesundheitsetat eingespeist.

Quellen: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30.04.2010; Neue Zürcher Zeitung vom 03.05. 2010

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Salzburg: Polizei für Geldstrafe bei Drogenbesitz

Die Tschechische Republik versucht im Kampf gegen den Suchtgiftmissbrauch ein neues Rezept. Weil sich in Prag mittlerweile eine offene Szene etabliert hat, die jener auf dem Karlsplatz in Wien gleicht, hat das Parlament das Suchtmittelgesetz geändert. Kernpunkt: Der Besitz geringer Mengen an Drogen wird nicht mehr strafrechtlich verfolgt, sondern als Ordnungswidrigkeit gewertet und mit bis zu 600 Euro Strafe belegt. Als geringe Mengen gelten etwa bei Marihuana 15 Gramm oder 1,5 Gramm bei Heroin.

Während nun Salzburger Politiker, wie der Präsident des Landtags, Simon Illmer (ÖVP), fürchten, dem "illegalen Drogenhandel" werde "durch die Freigabe von Suchtmitteln in Tschechien Tür und Tor geöffnet", sagen Fachleute bis hinauf in das Bundeskriminalamt das genaue Gegenteil.
Polizeimajor Christian Voggenberger war am Mittwoch als Experte vor dem Landtagsausschuss geladen. "Meines Erachtens ist das eine absolut praktikable Lösung", sagte der Leiter der Suchtgiftfahndung im Landeskriminalamt zu der neuen Vorgehensweise in Tschechien.
Hinter vorgehaltener Hand wünschen sich Polizei und Staatsanwaltschaft schon lang ähnliche Bestimmungen, weil nach dem gültigen Suchtmittelgesetz Drogenkonsum kaum sanktioniert wird. Nach Paragraf 35 hat nämlich die Staatsanwaltschaft von der Verfolgung einer Straftat zurückzutreten, wenn geringe Mengen an Drogen ausschließlich für den persönlichen Gebrauch erworben oder angebaut werden.

Bei Jugendlichen, die beim Drogenmissbrauch erwischt werden, erweckt das den Anschein, ihr Handeln sei legal. "Ich höre das aus dem Bekanntenkreis meines Sohns. Dort herrscht die Meinung, dass zwar die Drogen eingezogen werden, wenn man von der Polizei erwischt wird, aber dass sonst nichts passiert", schildert ein Polizist.
Um ein Verwaltungsstrafverfahren einzuführen, müsste das Parlament das Suchtmittelgesetz ändern. Befürworter einer solchen Lösung fürchten zwar den Vorwurf einer laschen Drogenpolitik. Aber Polizei und Justizbehörden würden sich viele leere Kilometer sparen. Die entsprechenden Anzeigen würden zur Bezirkshauptmannschaft wandern, bei der entsprechende Strafbescheide erstellt würden.
"Wenn ein Jugendlicher 300 Euro zahlt, weil er mit Marihuana erwischt worden ist, wird er es sich überlegen, ob er noch einen Joint raucht", sagt ein Polizeioffizier. "Den Rudolfskai haben wir mit genau dieser Methode in den Griff bekommen. Jeder, der rumgepöbelt oder randaliert hat, hat drei Tage später einen Strafbescheid im Postkasten gehabt."

Quelle: Salzburger Nachrichten vom 14.05.2010

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Gene bestimmen Gusto auf Nikotin

Manche Kettenraucher blicken noch mit 90 Lebensjahren hohnlächelnd in Fernsehkameras und suggerieren, dass ihnen der Konsum von Zigaretten nicht geschadet habe. Auf der anderen Seite rafft der Lungenkrebs bisweilen gar Nichtraucher in vergleichsweise jungen Jahren dahin. Diese auf den ersten Blick grotesken Einzelfälle ändern gleichwohl nichts an dem statistischen Gesamtbild, wonach die Experten neun von zehn Lungenkrebsfällen auf die klare Ursache "Rauchen" zurückführen.

Die Anfälligkeit für das Rauchen und das damit verbundene Krebsrisiko lässt sich laut dreier im Fachmagazin "Nature Genetics" veröffentlichten Studien von kleinen Genveränderungen ablesen. Die Forscher hatten das Erbgut von insgesamt 140 000 Rauchern und Nichtrauchern untersucht und herausgefunden, dass Menschen mit bestimmten Mutationen auf den Chromosomen 8 und 19 dem Tabakkonsum sehr viel eher verfallen als andere. Zugleich rauchen diese Betroffenen auch deutlich mehr Zigaretten pro Tag als Raucher ohne diese genetische Anomalie. Es kann also nicht verwundern, dass diese besonders süchtigen und besonders viel konsumierenden Raucher auch häufiger von Lungenkrebs betroffen sind. Doch die Botschaft für Träger dieser Mutationen ist tatsächlich noch schlimmer: Ihr Risiko für eine Krebserkrankung ist sogar im Vergleich mit anderen Rauchern erhöht, die ebenso viele Zigaretten konsumieren wie sie selber. Perfiderweise gibt es also genetische Veränderungen, die nicht nur dafür sorgen, dass die Lust auf das Rauchen gesteigert wird, sondern obendrein auch noch die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Krebserkrankung.

Obwohl also die genetische Ausstattung das Rauchverhalten und seine Folgen offenbar beeinflusst, sind sich Forscher einig, dass es hauptsächlich vom Elternhaus und dem sozialen Umfeld abhängt, ob und wie intensiv jemand raucht. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler spekulieren zwar, dass sie mit Gen-Tests besonders gefährdete Raucher identifizieren könnten. Eine Nutzanwendung liegt aus Sicht unbeteiligter Experten aber noch in weiter Ferne. "Raucher, die mit ihrem Laster aufhören wollten, sollten nicht erst darauf warten, bis es eine maßgeschneiderte genetische Therapie für sie gibt", sagt die britische Forscherin Amanda Sandford. "Dafür existieren schon jetzt genügend Empfehlungen und Hilfsmittel."

Im Rahmen einer weiteren Arbeit, von denen US-Forscher im Fachjournal "Science Translational Medicine" berichten, wurde ein Biomarker entwickelt, mit dem sich Lungenkrebs bereits in einem sehr frühen Stadium erkennen lässt. Mit dem Krebsmittel MyoInositol sei die Krankheit dann noch heilbar.

Quellen: Die Welt vom 27.04.2010; Süddeutsche Zeitung / Oberösterreichische Nachrichten vom 28.04.2010

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