News

Afghanistan: Opiumanbau durch Pflanzenkrankheit halbiert

Afghanistan produziert rund 90 Prozent des Rohopiums (aus dem Heroin hergestellt wird) weltweit. In den letzten Jahren war der Mohnanbau am Hindukusch kontinuierlich zurückgegangen - allerdings nur scheinbar. Der jüngste Bericht ist deshalb ziemlich ernüchternd und stellt einen schweren Rückschlag für die Nato und ihre zivilen Partner in Afghanistan dar.

Nicht zuletzt, weil auch 2010 wieder Hunderttausende von Dollars in Drogenbekämpfungsprogramme geflossen sind. Allein die USA haben im laufenden Fiskaljahr 250 Millionen Dollar ausgegeben. Offensichtlich ohne Erfolg: Die Anbaufläche bleibt konstant bei 123.000 Hektaren.

Nun aber ist die Opium-Ernte Jahr 2010 um fast die Hälfte eingebrochen. Eine Pflanzenkrankheit macht derzeit den Opium-Bauern in Afghanistan schwer zu schaffen. Wurden im selben Zeitraum 2009 noch 6900 Tonnen hergestellt, sind es heuer laut einem aktuellen in Kabul veröffentlichten Bericht des UN-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung nur noch knapp 3600 Tonnen. Deren Wert stieg dafür um satte 38 Prozent auf umgerechnet 444 Mio. Euro. Sie machen bereits fünf Prozent des afghanischen Bruttoinlandsproduktes aus.

Die meisten Bauern in Afghanistan sind bitterarm und können mit ihrem winzigen und kargen Stück Land kaum ihre Familien ernähren. Verständlicherweise bauen sie deshalb jenes Saatgut an, das den größten Gewinn verspricht. Zwischen 2005 und 2009 ist der Marktpreis von Rohopium stetig gesunken und der Mohnanbau entsprechend zurückgegangen.

Der Produktionseinbruch hat nun zu einem starken Anstieg des Opiumpreises geführt. Hatten die Bauern 2009 noch 64 Dollar pro Kilogramm Rohopium bekommen, liegt der Preis heute bei 169 Dollar. Die Einnahmen der Landwirte aus dem 2010 produzierten Opium sind damit trotz deutlichem Ernterückgang um 40 Prozent auf über 600 Millionen Dollar gestiegen.

Die höheren Opiumpreise dürften laut dem jüngsten Uno-Bericht viele Bauern ermuntern, in der kommenden Saison Mohn anzubauen, nicht zuletzt solche, die in den letzten Jahren damit aufgehört hatten. Die Aussaat beginnt in Südafghanistan (wo das meiste Opium produziert wird) im Dezember. Im Frühjahr nächsten Jahres dürfte sich entsprechend abzeichnen, ob die Anbauflächen tatsächlich zunehmen. Sämtliche Experten erwarten einen deutlichen Zuwachs, vor allem auch deshalb, weil der Preis von Weizen, dem wichtigsten Nahrungsmittel im Land, derzeit auf einem absoluten Tief liegt.

Laut der UNODC macht die regionale Konzentration des Mohnanbaus deutlich, dass zwischen Drogenanbau und schlechter Sicherheitslage ein enger Zusammenhang besteht. In den Provinzen, wo weder die afghanische Regierung noch internationale Hilfsorganisationen präsent seien, blühe der Mohn, heißt es in dem Bericht. Durch den Drogenhandel füllten lokale Milizenführer, ehemalige Warlords, Verbrechersyndikate und die Taliban ihre Kriegskassen. Westliche Diplomaten schätzen, dass die Aufständischen 100 Millionen Dollar jährlich am Drogengeschäft verdienen.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 2.10.2010

Seitenanfang

Holland: "Bier-Klinik" für schwere Alkoholiker

Als erste Klinik Europas bietet das "Centrum Maliebaan" in Den Haag Alkoholikern eine Behandlung, bei der sie täglich bis zu fünf Liter Bier trinken dürfen - zwischen halb acht Uhr Früh und halb zehn Uhr abends, mit einer Stunde Pause nach jeder Dose. Zielgruppe sind schwerste Trinker ohne Familie, Wohnung und Entwöhnungswunsch. "Wir holen diese Leute von der Straße, verhindern die schwersten Besäufnisse und viele Delikte wie Diebstähle und Raufereien", erklärt Teamleiter Pieter Puijk. "Bei uns bleibt ihr Alkoholspiegel konstant, sie sind gesünder und machen weniger Ärger."

Quelle: Kronen Zeitung, 24.9.2010

Seitenanfang

Japan: Das Null-Kalorien-Null-Promille-Bier

Die Traditionsbrauerei Asahi hat ein Getränk auf den Markt gebracht, das aussieht wie Bier, auch etwa so riecht und schmeckt, aber im Gegensatz zu normalen alkoholfreien Bieren nicht nur wirklich keinen Restalkohol, sondern als weltweit erstes auch keine Kalorien mehr hat.

Um den Restalkohol, der in Deutschland bei "alkoholfreien" Bieren unter 0,5 Prozent betragen muss, zu vertreiben, ließen die Japaner einfach Hefe und Gärung und damit den Kern des Brauprozesses weg. Statt Braumeistern waren Lebensmittelchemiker am Werk, um dem Getränk durch die Zugabe von Ballaststoffen, Säureregulatoren, Aminosäuren, Aromen, Vitamin C als Konservierungsmittel und Bitterungsstoffen Biergeschmack einzuimpfen.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 2.9.2010

Seitenanfang

Deutschland: Gehören Alkohol und Tabak zum Grundbedarf?

Der Regelsatz für erwachsene Hartz-IV-Empfänger steigt ab dem nächsten Jahr von derzeit 359 auf 364 Euro im Monat. Das erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Sonntag. Die Erhöhung erfolge aufgrund von Berechnungen des Statistischen Bundesamtes, sagte die Ministerin. Die Ausgaben für Tabak und Alkohol seien nicht mehr im Regelsatz enthalten, weil diese Genussmittel nicht "existenzsichernd" seien, so von der Leyen nach Beratungen in der schwarz-gelben Koalition.
Die Ausgaben für Tabakwaren und alkoholische Getränke wurden dabei bislang mit Abzügen auch den Empfängern von Hartz IV zugestanden. Bisher waren dies 19 Euro im Monat. Das fällt nun weg. Als Ersatz für den Wegfall dieser Posten gibt es im Regelsatz künftig 2,99 Euro monatlich für Mineralwasser. Auch höhere Aufwendungen für das Internet und die Praxisgebühr werden berücksichtigt. Hätte man die Ausgaben für Alkohol und Tabak im Regelsatz belassen, hätte dieser erheblich höher steigen müssen.

DGB-Bundesvorstand Annelie Buntenbach sprach von "politischer Mauschelei nach Kassenlage". SPD-Fraktionsvizechefin Elke Ferner erklärte, die neue Lösung scheine "nicht verfassungskonform" zu sein. Deshalb werde die SPD dem im Bundesrat nicht zustimmen.

Das willkürliche Streichen der Ausgaben für Alkohol und Tabak ist auch deswegen problematisch, weil dieser Eingriff das Statistikmodell verzerrt. Die Referenzgruppe des ärmsten Fünftels der Alleinstehenden in der Bevölkerung gibt im Vergleich zu ihrem Einkommen einen relativ hohen Prozentsatz für Alkohol und Tabak aus, wie Konsumstudien zeigen.

Besonders alleinstehende Männer etwa wenden vergleichsweise große Summen für Alkohol und Tabak auf, Frauen, darunter viele alleinerziehende, aber sehr viel weniger. Dennoch wird auch deren Regelsatz nach den Ausgaben der ärmsten 20 Prozent aller Alleinstehenden berechnet, nun gekürzt um deren Ausgaben für Bier und Alkohol.

"Dieser willkürliche Abzug verzerrt das Statistikmodell und ist deswegen nicht verfassungskonform", sagte der sozialpolitische Sprecher der Grünen, Markus Kurth.

Die Höhe der Regelsätze für Kinder soll gleich bleiben. Diese hätten nach der neuen Erhebung des Statistischen Bundesamtes sogar sinken müssen, erklärte von der Leyen. Aufgrund des "Vertrauensschutzes" blieben sie jedoch stabil, künftige Erhöhungen würden jedoch mit dieser Überzahlung verrechnet. Statistiker hatten die Kinderregelsätze nicht wie bisher von denen der Erwachsenen prozentual abgeleitet, sondern erstmals die Ausgaben für Kinder bei den Familien konkret abgefragt.

Kinder zwischen 14 und 18 Jahren erhalten etwa 287 Euro an Hartz-IV-Leistung im Monat. Die Kinder sollen künftig zusätzlich als "Sachleistung" ein sogenanntes Bildungspaket bekommen. Darin enthalten sind unter anderem Zuschüsse zu Mittagessen in Schulen und Kitas, wenn diese kostenpflichtig sind.

Quelle: spiegel-online, 24.9.2010

Seitenanfang

Schottland: Rauchverbot senkt Asthma bei Kindern

Die Befürchtung, dass die schottische Bevölkerung nach dem Rauchverbot an Arbeitsstätten und öffentlichen Orten vermehrt zuhause raucht und die Gesundheit ihrer Kinder schädigt, hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Nach einer Studie im New England Journal of Medicine (2010; 363: 1139-45) ist die Zahl der Asthmaerkrankungen bei Kindern sogar rückläufig.

In Schottland raucht jeder vierte Erwachsene und viele Kinder sind zuhause dem Passivrauchen ausgesetzt, in dem viele Wissenschaftler einen Grund für die steigende Zahl von Asthmaerkrankungen unter Kindern sehen. Tatsächlich stieg in Schottland, wie auch in anderen Ländern, in den letzten Jahren die Zahl der asthmakranken Kinder.

Vor Inkrafttreten des Smoking, Health and Social Care (Scotland) Act im März 2006 verzeichneten schottische Krankenhäuser einen Anstieg der Hospitalisierungen von Kindern unter 15 Jahren um 5,2 Prozent pro Jahr. Pessimisten befürchteten einen weiteren Anstieg, da viele Erwachsene aufgrund des Rauchverbots am Arbeitsplatz und in öffentlichen Gebäuden vermehrt zuhause rauchen würden.

Eine frühere Studie an Siebtklässlern hatte jedoch gezeigt, dass die Cotinin-Konzentrationen im Urin - Maßstab für die Passivrauchbelastung - um mehr als ein Drittel gesunken war (BMJ 2007; 335: 545-9). Eine neue Analyse der Gruppe um Jill Pell von der Universität Glasgow kommt jetzt zu dem positiven Ergebnis, dass auch die Zahl der Hospitalisierungen wegen Asthmaerkrankungen bei den Kindern zurückgeht.

Pell ermittelte eine Reduktion um jährlich 18,2 Prozent. Die Entwicklung war in allen Teilen des Landes, sowohl in städtischen als auch in ländlichen Regionen nachweisbar, und sie war in den ärmeren Bevölkerungsschichten tendenziell am stärksten. Für Pell steht damit fest, dass sich das Rauchverbot über die Arbeitsstätten hinaus positiv auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung ausgewirkt hat.

Quelle: aerzteblatt.de, 17.9.2010

Seitenanfang

Deutschland: Suchterkrankungen kosten 60 Milliarden Euro

Bei der Alkoholsucht, unter der in Deutschland schätzungsweise zwischen 1,3 und 2,5 Millionen Menschen leiden, sind die sozialen Kosten durchaus berechenbar. Mit fast 27 Milliarden Euro, so Adams, belasten Alkoholabhängige die Gesellschaft. Sie erkranken an Leberzirrhose, verursachen Autounfälle, müssen in psychiatrischen Kliniken betreut werden.

Das Arbeitskapital der Alkoholkranken verschwindet vom Markt, sie werden arbeitsunfähig und gehen früher in Rente - rund 70.000 von ihnen sterben jährlich wegen ihrer Sucht, wodurch auch wichtiges Know-How und Arbeitskraft verloren gehen.

Bei der Tabaksucht zeigt sich ein ähnliches Bild. Mindestens 33 Milliarden Euro kosten kranke Raucher und solche, die deshalb früher aus dem Job ausscheiden als ihre nichtrauchenden Kollegen. Zum Vergleich: Die Zigarettenindustrie hat 2009 gerade mal 23 Milliarden Euro umgesetzt.

Unterschiedlichen Schätzungen zufolge leiden in Deutschland zwischen 150.000 und 400.000 Menschen unter Spielsucht. Ihr Anteil am gesamten Umsatz der Glücksspiel-Branche beträgt laut einer Studie des Hamburger Professors Michael Adams 56,4 Prozent, obwohl sie nur rund elf Prozent der Spieler ausmachen. Diese Spieler verzocken nicht nur ihr eigenes Geld, sie sorgen auch für Folgekosten, welche die Gesellschaft zu tragen hat - wie etwa die Behandlung psychischer Erkrankungen, Kriminalitätsbekämpfung oder Produktivitätsverluste. Diese Kosten sind schwierig zu berechnen, vor allem weil eine klare Abgrenzung zu Folgekosten anderer Süchte nahezu unmöglich ist. Bisweilen überschneidet sich die Spielsucht nämlich mit der Alkoholabhängigkeit. Zehn Prozent der Alkoholsüchtigen sind pathologische Spieler. Und 38 Prozent der Spieler hängen an der Flasche.

Grundsätzlich sind derartige Berechnungen zwar von Interesse, aber nicht unproblematisch; vergleichbare Studien gibt es etwa auch in Bezug auf Überernährung:
Übergewichtige Beschäftigte in den USA kosten die Wirtschaft einer Studie zufolge jährlich rund 73,1 Milliarden Dollar (52,3 Mrd. Euro). Für diese Summe könnten 1,8 Millionen Arbeiter zu einem Lohn von 42.000 Dollar beschäftigt werden, hieß es in der heute veröffentlichen Studie der Duke-National Universität in Singapur. Diese Summe entspricht dem Durchschnittslohn in den USA. Die Summe ergebe sich aus der geringeren Produktivität am Arbeitsplatz, der häufigeren Abwesenheit wegen Krankheit und höheren Arztkosten bei Übergewichtigen, schrieb der Leiter der Studie, Eric Finkelstein. Der Großteil der Kosten entfällt demnach auf die geringere Produktions- und Leistungsfähigkeit. Die Studie schätzt die Kosten, die bei Frauen und Männern mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 40 anfallen, auf 16.900 beziehungsweise 15.500 Dollar im Jahr. Ein normalgewichtiger Arbeiter koste dagegen nur 10.000 Dollar im Jahr. Ein BMI von 40 entspricht einem Übergewicht von rund 45 Kilogramm bei Frauen.

Quelle: FAZ, 6.10.2010 / ORF-online, 8.10.2010

Seitenanfang

USA: Kiffen als journalistische Berufung

Wer am Arbeitsplatz kifft, läuft Gefahr, gefeuert zu werden. Nicht so William Breathes. Er wird dafür bezahlt, Joints zu rauchen. Denn Breathes schreibt für eine Lokalzeitung die ersten Marihuanakritiken Amerikas.

Wenn William Breathes sich einen Joint anzündet und tief inhaliert, dann horcht er ganz genau in sich hinein. Das Kratzen im Hals, die Intensität des Rausches, natürlich auch der Geschmack - das alles wird ganz genau analysiert und protokolliert. So viel Sorgfalt muss schon sein, denn Breathes kifft nicht einfach so zum Vergnügen. Er verdient damit sein Geld. Er ist einer von Amerikas ersten Haschisch-Rezensenten.

Der 29-jährige Journalist, der sich hinter dem Pseudonym William Breathes versteckt, beurteilt in seiner wöchentlichen Kolumne "Highs and Lows" die Qualität von Marihuanasorten. Als er eine von zwei dafür eigens geschaffenen Stellen beim Stadtmagazin "Denver Westword" erhielt, konnte Breathes sein Glück kaum fassen: "Ich glaube, ich werde mich immer wie ein Kind im Süßwarenladen fühlen, wenn ich vor einem Regal mit 20 verschiedenen Weedsorten stehe", zitiert ihn die Nachrichtenwebsite Examiner.com. "Niemals werde ich mich daran gewöhnen, fürs Kiffen auch noch Kohle zu bekommen."

So kurios der Beruf des Haschkritikers auf den ersten Blick auch erscheinen mag, dass es ihn erst seit einigen Monaten gibt, ist eigentlich verwunderlich: Der legale Vertrieb und Verkauf von Marihuana ist in den USA in den letzten Jahren ein gigantisches Geschäft geworden.
Auf Kalifornien folgten seit 1996 weitere 14 Bundesstaaten, die den Verkauf von medizinischem Marihuana legalisierten. Allein Denver hat 200 Verkaufsstellen - und überholt damit zahlenmäßig sogar Starbucks. Da es ohne große Probleme möglich ist, sich die nötige Empfehlung vom Hausarzt zu besorgen, nimmt die Zahl der legalen Konsumenten mit jedem Monat weiter zu. Und wie Konsumenten anderer Produkte sind sie dankbar für Kaufempfehlungen.

Jonathan Shikes, der Chef vom Dienst beim "Westword", erkannte die Marktlücke und suchte nach geeigneten Kandidaten für den Job. Warum sich ausgerechnet Breathes durchsetzte, erklärte er dem Nachrichtensender CNN wie folgt: "Er hat einen Bachelorabschluss in Journalismus und beherrscht die nötigen Interpunktions- und Rechtschreibregeln. Das unterscheidet ihn von vielen seiner Mitbewerber." Natürlich erfüllt Breathes auch die wichtigste Anforderung des Jobprofils - Kompetenz. Seit 15 Jahren kifft er nun schon mehr oder weniger legal und weiß daher, worauf es ankommt: "Stark modriger Geruch und ein holziger Abgang sind neben der Rauschwirkung wichtige Qualitätskriterien."

Mit Kiffen allein ist die Arbeit aber nicht getan. Die Ausgabestellen unterzieht Breathes einer ebenso kritischen Prüfung. Damit er in Ruhe beurteilen kann, wie gut oder schlecht eine Verkaufsstelle ist, zieht Breathes nachmittags, vor dem Feierabendansturm, los: "So kann ich dort in Ruhe ein bisschen abhängen und mich vom Personal beraten lassen."

Breathes und seinem Kollegen könnte eine lange Karriere bevorstehen: In Kalifornien wird aktuell über eine vollständige Legalisierung von Marihuana beraten. Fürsprecher verweisen vor allem auf das ökonomische Potenzial. Jeffrey Miron, ein Harvard-Ökonom, rechnete aus, dass die Legalisierung dem chronisch knappen Bundesstaat jährliche Mehreinnahmen von über 6 Mrd. Dollar bescheren würde. Und durch Einsparungen von Gerichts- und Gefängniskosten könnten die Haushalte um zusätzliche 1,9 Mrd. Dollar entlastet werden. Abgestimmt wird am 2. November.

Wie auch immer der Entscheid ausfallen wird, zumindest Breathes hat keine Geldsorgen mehr: Stand er vorher kurz vor dem Rausschmiss, kann er nun dank seiner Expertise die Hypothekenraten seines Haus abbezahlen.

Quelle: Financial Times Deutschland, 23.9.2010

Seitenanfang

Kanada: Bekiffte Bären auf Cannabis-Farm

Am 30. Juli hatte die kanadische Polizei eine illegale Anpflanzung von Cannabis in der Nähe der Grenze zu den USA im Osten Vancouvers entdeckt. Um die Felder mit den Cannabispflanzen im Wert von einer Million kanadische Dollar vor Plünderungen zu schützen, hatten die Betreiber ihre Ernte von einer Horde Schwarzbären, Waschbären und Schweinen bewachen lassen, die sie mit Hundefutter über Monate hinweg gefüttert hatten. Die Polizei traf bei der Hausdurchsuchung Wildtiere an, die einen äußerst "bekifften" Eindruck hinterließen. Die Polizei ging davon aus, dass den Tieren Cannabis ins Futter gemischt wurde.

"Es handelt sich um eine ungewöhnliche Situation", sagt Umweltminister Barry Penner, "deshalb muss man auch ungewöhnliche Maßnahmen treffen." So sandte das Umweltministerium neben der Polizei staatliche Naturschützer an den Tatort am Christina Lake, die einschätzen sollten, wie gefährlich die bekifften Bären für Menschen werden könnten. Die Naturschützer hatten in den vergangenen Tagen die Lage beobachtet und die Wildtiere als "low risk", also als ungefährlich für die Öffentlichkeit bezeichnet, heißt es aus dem Ministerium. Man gehe davon aus, dass sich die Tiere im kommenden Frühjahr wieder auf natürlichem Wege ernähren könnten, erklärt Penner.

Die Bären werden nun weiterhin von den Betreibern der illegalen Plantage gefüttert, da das Verfahren gegen den Anbau von Drogen noch nicht eröffnet ist. Es drohen Strafen wegen des Anbaus und Besitzes von Marihuana. Die Polizei prüft auch, ob das Paar aufgrund des in Britisch Kolumbien geltenden Gesetzes zur illegalen Fütterung von Wildtieren bestraft werden könne. Anzeige

Das ältere Paar hatte nach eigenen Angaben in den letzten zehn Jahren Bären auf ihrem Grundstück am Christina Lake mit Futter verwöhnt. "Ich verstehe nicht, was daran strafwürdig ist. Wir haben die Bären ja nicht gezähmt. Sie kamen einfach. Wilde Vögel werden auch gefüttert und niemanden stört das", erklärt Allen Piche. Aus seiner Sicht hätten die Medien die Tatsachen verdreht. Das Paar füttere seit zehn Jahren die Bären aus reiner Tierliebe und nicht, um ihre Cannabisfelder bewachen zu lassen.

Quelle: WELT-online, 1.9.2010

Seitenanfang