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Österreich: Land Tirol bekämpft Spielsucht

Das kleine Glücksspiel, das in Tirol verboten ist, soll künftig strenger sanktioniert werden. "Künftig ist nicht nur der Betrieb, sondern bereits das Aufstellen von Glücksspielautomaten außerhalb von offiziellen Casinos verboten. Die Strafen werden drastisch erhöht", erklärte LH Platter nach der 1. Regierungssitzung 2011. So ist künftig nicht nur der Betrieb, sondern bereits schon das Aufstellen von Glücksspielautomaten außerhalb von offiziellen Casinos verboten - und damit auch strafbar. Die Strafen werden von 15.000 auf 22.000 Euro erhöht. Für die Überwachung sind nun nicht mehr die Gemeinden, sondern die Bezirkshauptmannschaften sowie die Kiab zuständig.

Anders die Situation derzeit in Kärnten: Seit durch die Änderung des Glücksspielgesetzes das sogenannte kleine Glücksspiel in Kärnten erlaubt wurde, verfallen immer mehr Menschen der Sucht. Rund 3000 Spielsüchtige gibt es in Kärnten, 16.000 Kärntner befinden sich in "problematischen Situationen". "Das Glücksspiel geht sehr oft mit einer Reihe von Folgeproblemen einher" führt Prof. Dr. Herwig Scholz, Suchtexperte und Leiter der Sonderkrankenanstalt de la Tour, aus. Die Sucht fördere weitere problematische Entwicklungen wie Alkoholsucht und Beschaffungskriminalität, hinzu komme das Leid der Angehörigen und vieles mehr.

Oft, so Scholz, sei mangelndes Selbstwertgefühl der Spieler der Auslöser für die Sucht. Denn vor dem Automaten findet der Spieler eine Aufwertung des Selbst, wenn er scheinbar aus eigener Kraft die Gewinnwahrscheinlichkeit beeinflusst. Scholz: "Durch das einfache Bedienen der Automaten gibt sich der Spieler der Illusion hin, er trage zum Ergebnis bei." Dass sich die Situation nicht entspannt, weiß auch Mag. Bettina Quantschnig von der de la Tour Suchtambulanz in Villach. Immerhin seien dort seit der Eröffnung schon über 800 Gespräche mit Betroffenen und Angehörigen geführt worden.

Quelle: Kronen Zeitung / Neue Kärntner Tageszeitung, 12.1.2011

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Deutschland: Regierung bekämpft verbotene Tabakwerbung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans (FDP) unterstützt erstmals das "Forum Rauchfrei" im Kampf gegen verbotene Tabakwerbung. Die Berliner Organisation hatte den zuständigen Behörden in den vergangenen eineinhalb Jahren rund drei Dutzend vermeintliche Gesetzesverstöße der Tabakindustrie gemeldet. In fast allen Fällen blieben die Anzeigen ohne Folgen. Auch die Bundesregierung reagierte bisher zurückhaltend auf die Aktivitäten des Forums.

Anlass für das Eingreifen von Dyckmans ist jetzt eine Zigarettenwerbung der Marke Camel, auf der ein Junge zu sehen ist, der mit einer Leuchtspur ein Kamel zeichnet. Das Forum Rauchfrei sieht darin einen besonders krassen Verstoß gegen das Tabakgesetz. Dieser Einschätzung hat sich die Drogenbeauftragte angeschlossen und den Deutschen Zigarettenverband aufgefordert, den Fall zu überprüfen. Forum-Sprecher Johannes Spatz hält diese Reaktion der Politik "für längst überfällig" , da die Tabakindustrie ihre freiwilligen Selbstverpflichtungen nicht einhalte, keine Werbung mit Jugendlichen zu betreiben. Zudem seien die Behörden in den Kommunen bei der Überwachung der Werbung überfordert.

Quelle: Der Spiegel, 10.1.2011

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USA: Forscher impfen Mäuse gegen Kokain

Wissenschaftler der Cornell University im Bundestaat New York haben nach eigenen Angaben Labormäuse erfolgreich gegen Kokain geimpft. Sie kombinierten dazu ein gewöhnliches Erkältungsvirus mit einem chemischen Kokain-Imitat. Diese Kombination setze das Immunsystem in Marsch, das nicht nur das Erkältungsvirus als Eindringling erkenne, sondern nach der Impfung auch das Kokain, berichten sie im Fachmagazin "Molecular Therapy".

Mit dieser Strategie hoffen die Forscher, das Kokain im Körper abfangen zu können, bevor es das Gehirn erreicht. Bei den Labormäusen habe das über mindestens 13 Wochen gut funktioniert.

Quelle: Die Welt, 6.1.2011

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Deutschland: Jeder vierte Drogenabhängige ist älter als 45

"Rentner dealte mit Heroin", titelte eine norddeutsche Zeitung vor einigen Monaten. 67 Jahre alt war der Mann, den die Polizei im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel geschnappt hatte. Das Durchschnittsalter der Menschen, die von harten Drogen abhängig sind, steigt ständig, wie europaweite Untersuchungen belegen.

Von den rund 7800 Männern und Frauen, die in den letzten drei Jahren von der Hamburger Suchtkrankenhilfe betreut wurden, war etwa jeder Vierte älter als 45 Jahre. Im Jahre 2015, so die Prognose, wird es 500 bis 800 über 55-Jährige geben, die von harten Drogen abhängig sind. Dass Junkies immer älter werden, liege vor allem an der besseren Gesundheitsversorgung. Insbesondere die neuen Behandlungsmethoden für HIV-Infizierte und Aids-Kranke haben das Sterberisiko erheblich verringert.

Wer über Jahre hinweg harte Drogen nimmt, altert physisch jedoch schneller. Das harte Leben in der Drogenszene mit Phasen von Obdachlosigkeit fordert seinen Preis. Alterskrankheiten wie Diabetes mellitus, Osteoporose und Demenz setzen daher in der Regel früher ein als bei anderen Menschen. Für die Hamburger Untersuchung setzten die Suchtexperten die "Seniorengrenze" bei 45 Jahren an, weil angenommen wird, dass Drogenabhängige von ihrer körperlichen Verfassung her rund 20 Jahre älter sind als andere.

Die Wohnsituation ist laut der Hamburger Studie für die meisten älteren Drogenabhängigen zufriedenstellend. 83 Prozent der Frauen und 71 Prozent der Männer leben in einer eigenen Wohnung. Bei den Jüngeren unter 45 Jahren sind es nur 56 Prozent. Weiterhin ergab sich, dass etwa 65 Prozent der älteren Drogenkonsumenten alleinstehend leben, Frauen etwas seltener als Männer. Mit dem Alter wächst auch der Untersuchung zufolge das Gefühl von Einsamkeit. Von den Personen mit einer festen Beziehung hat jeder Zweite einen Partner oder Partnerin mit Suchtproblemen. Nur zwölf Prozent der älteren Drogenabhängigen haben einen Vollzeitjob.

Quelle: Die Welt, 11.1.2011

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China: Bald 3,5 Mio. Raucher-Tote im Jahr

Chinesische Experten und staatliche Gesundheitsvertreter warnen vor deutlich mehr Rauchertoten in den nächsten zwei Jahrzehnten. Die Zahl werde sich auf 3,5 Millionen jährlich verdreifachen, wenn nicht mehr gegen die Nikotinsucht getan werde. Schon heute überstiegen die Gesundheitskosten den wirtschaftlichen Nutzen der staatlichen Tabakindustrie, geht aus einem Expertenbericht hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde. China ist der größte Tabakproduzent der Welt und hat mit etwa 301 Millionen die größte Zahl an Rauchern. 28 Prozent der chinesischen Bevölkerung sind Raucher. Das staatliche Tabakmonopol verhindere einen wirksameren Kampf gegen das Rauchen, klagten die Fachleute.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 8.1.2011

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Österreich: Magersucht - der Einfluss von Genen und Erziehung

Eine genetische Disposition macht Mädchen besonders anfällig, bei übermäßiger Kontrolle in der Erziehung später Magersucht zu bekommen.

Wenn eine psychische Krankheit auftritt, fragen sich viele: Wer hat die Schuld? Warum bin ich krank und meine Geschwister gesund? Vor allem bei der Erkrankung Magersucht tauchen diese Fragen (auch in Therapiegesprächen) auf. Und Magersucht bedeutet für die Familien eine ähnlich hohe Belastung wie etwa schizophrene Psychosen. "Aus Zwillingsstudien weiß man, dass sich etwa 57 Prozent davon durch die Gene erklären lassen", sagt Andreas Karwautz von der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der MedUni Wien. Bei Anorexia nervosa, wie die Erkrankung fachlich heißt, ist aber nicht ein bestimmtes Gen verantwortlich. "Wie bei allen psychischen Störungen und vielen anderen Krankheiten ist das nicht ,monogenetisch' angelegt. So etwas wie ein ,Anorexie-Gen' gibt es nicht", betont Karwautz. Eine von ihm geleitete Studie konnte nun den Zusammenhang einer genetischen Disposition mit Risikofaktoren aus dem psychosozialen Bereich belegen: Bei jenen Mädchen (und Magersucht betrifft zu 95 Prozent Mädchen), die eine bestimmte Mutation in einem Gen, das den Serotonin-Transport regelt, hatten, wirkte ein übermäßig kontrollierender Erziehungsstil der Eltern besonders stark als Auslöser für Magersucht.

Von genetischer Seite wusste man schon lange, dass die Systeme der "Glückshormone" Serotonin und Dopamin bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen. Serotonin beeinflusst z. B. Hunger, Appetit, Stimmung, Zwang und Angst. Für dieses bestimmte Gen des Serotonin-Transporters war bereits belegt, dass Mädchen mit einer Mutation ein um den Faktor 1,4 erhöhtes Risiko hatten, an Anorexia nervosa zu erkranken. "Außerdem gibt es unglaubliche Mengen an Literatur über psychosoziale Risikofaktoren, die zur Erkrankung führen können: belastende Lebensereignisse, elterliche Zuwendung oder Kontrolle, Erfahrungen mit Missbrauch oder Misshandlungen, Perfektionismus, Selbstwert usw.", zählt Karwautz auf. Das Team der MedUni Wien hat nun erstmals die beiden Ansätze zusammengeführt und über 120 Schwesternpaare in London, Barcelona und Wien genetisch auf die Mutation des Serotonin-Transporter-Gens untersucht und zugleich mit den Mädchen und jungen Frauen intensive psychosoziale (wissenschaftlich standardisierte) Interviews geführt.

"Von all den Faktoren hatte nur der elterliche Erziehungsstil auf Mädchen mit dieser Mutation eine besonders starke Wirkung", so Karwautz. "Übermäßige Kontrolle der Eltern führte bei ihnen vermehrt zu Magersucht, bei ihren Schwestern ohne diese Mutation nicht." Dies beweise wieder einmal, dass Menschen nicht alle gleich sind und bei ein und derselben Diagnose völlig unterschiedliche Ursachen dahinterstecken. "Wenn Eltern sagen: ,Wir sind schuld', dann ist das wissenschaftlich gesehen zu verneinen", so Karwautz. "Denn für die genetische Ausstattung kann keiner etwas. Der Mensch hält viel aus, es müssen immer viele Faktoren zusammenkommen, bis die Erkrankung ausbricht."

Die Erkenntnis, dass Mädchen mit einer bestimmten genetischen Disposition bei ungünstigem Erziehungsstil leichter anfällig für Magersucht sind, kann bei Therapie und Beratung jedenfalls hilfreich sein.

Quelle: Die Presse, 1.1.2011

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US-Studie: Leben ohne Internet wie kalter Entzug

Hunderte Studenten von zwölf Universitäten schalteten in einem Experiment für 24 Stunden ihr Handy aus. Sie durften nicht im Internet surfen, kein Fernsehen schauen oder Radio hören. Während dieser Zeit notierten sie genau, wie sie sich fühlten und was sie machten. Einzig das Festnetztelefon durften sie benutzen oder ein Buch lesen.

Die Auswertung des Experiments "Unplugged" zeigte, dass viele Teilnehmer Symptome entwickelten, die Menschen sonst nur beim Drogen-Entzug entwickeln: Sie fühlten sich isoliert, ängstlich und beschrieben sich selbst als zappelig. Roman Gerodimos von der Bournemouth University, der die britischen Teilnehmer betreute, sagte: "Wir sahen nicht nur psychologische Symptome, sondern auch körperliche. Für viele war die Stille am schlimmsten", aber manche notierten auch, dass sie plötzlich die Vögel singen hörten oder ihre Nachbarn stärker wahrnahmen.

Quelle: Die Welt, 5.1.2011

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Österreich: Illegaler Handel mit Drogenersatzstoffen

Drogen-Ersatzstoffe wie Substitol helfen Tausenden, in ein normales Leben zurückzufinden. Allerdings landen die Pillen auch häufig am Schwarzmarkt. Drogenkranke verdienen sich so ein "Taschengeld". Oft wird dieses Geld in andere Drogen investiert. Dieser Mischkonsum endet oft tödlich. In der Steiermark flogen sogar Asylwerber auf, die nicht süchtig waren, sich aber ins Ersatzprogramm einschreiben ließen.

Wien wurde in den letzten Jahren zusehends zur Drehscheibe. Magistrat, Gesetzgeber und Polizei haben vieles unternommen, um das Problem zu lösen - offenbar nicht mit durchschlagendem Erfolg. Nach wie vor werden am Karlsplatz Drogenersatzmittel gehandelt, die aus Therapien abgezweigt wurden. Polizei-Insider berichten nun von einem verstärkten "Substitutions-Tourismus" nach Wien. Erst kürzlich flog in der Steiermark ein Dealer-Ring auf, der in Wien mit teils gefälschten Arztbriefen und Rezepten mehr als 50.000 Ersatzstoff-Pillen besorgt hatte.

Dass Ersatzstoffe zur Schattenwährung in der Drogenszene wurden und dass diese Mittel aus der überwachten Abgabe stammen, mutet befremdlich an. Doch wo liegt das Problem? Manche Fachleute machen eine zu lockere Verschreibepraxis verantwortlich. "Keine andere Behandlung ist so strikt überwacht", hält Alexander David, Drogenbeauftragter der Stadt Wien, dem entgegen. Wird ein Patient beim Handeln ertappt, muss er seine Mittel - in aufgelöster Form - (wieder) kontrolliert einnehmen. Dass trotzdem gehandelt wird, erklärt er so: "Das ist die gleiche Frage, warum es im Gefängnis Drogen gibt, auch wenn es dort keine geben sollte." Jedes System könne man umgehen. Manche Kranke würden hilfsbereite Ärzte ausnützen. Letztlich hätten die Länder zwei Szenarien, für die sie sich laut David entscheiden können: "Die Frage ist, ob man versucht, so viele Drogenkranke wie möglich zu erreichen." Tut man das nicht, seien Kriminalität und Krankheit die Folge. Auch das fiele auf die Allgemeinheit zurück.

Quelle: Kurier, 4.1.2011

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