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Deutschland: Glücksspiel- und Onlinesucht nehmen zu

600.000 Menschen sind in Deutschland laut aktuellem Drogen- und Suchtbericht 2011 pathologische Glücksspieler/innen. Die meisten sind von Geldspielautomaten abhängig. Als neue Herausforderung gilt zudem die Internetsucht. Studien klassifizierten zwischen 1,6 und 8,2 Prozent der Internetnutzer als abhängig. Allein diese Diskrepanz lässt erkennen, dass hier noch umfassender Forschungsbedarf besteht.

Der alte Drogenaktionsplan aus dem Jahr 2003 muss nun auf den neuen Stand gebracht werden. Online- und Glücksspielsucht waren damals noch gar nicht oder nur am Rande ein Thema.

Weitere Fakten zur Suchtproblematik in Deutschland: Im letzten Jahr konsumierten 9,5 Millionen Menschen Alkohol in riskanter Weise, 16 Millionen rauchten. Die Zahl der trinkenden, rauchenden und kiffenden Jugendlichen ging dagegen zurück. Exzessive Trinkgelage stehen aber weiter hoch im Kurs.

Quelle: Die Zeit / welt online, 17.5.2011

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England: Anti-Rauch-Botschaften verführen zum Rauchen?

Anti-Tabak-Botschaften können paradoxer Weise bei Raucher/innen als versteckte Aufforderung wirken, sich eine Zigarette anzuzünden:

No-smoking signs may be driving more people to light up, a psychological study suggests. ''You get ironic effects when you couple information that people perceive with negation,'' said researcher Brian Earp, from Oxford University. ''When I say don't think of a pink elephant, I've just put the thought of a pink elephant in your head. ''No-smoking signs in particular are everywhere. If you're a smoker walking down a street you're likely to pass five or six of these signs in windows or on doors. If you have a chronically positive attitude to smoking this could boost your craving.''
To test the theory, Mr Earp's team first primed a group of smoking volunteers from a town in New England in the US by showing them a number of photographs. Some included a no-smoking sign in the background or at the edge of the picture, while others had the signs edited out.
Next, the same volunteers took part in a ''joystick test'' looking at their reactions to screen images. Moving the joystick away is associated with avoidance, while drawing it towards the body indicates a desire to bring the stimulus closer.
In a series of tests, the researchers showed that participants who had earlier been shown no-smoking signs were more drawn to smoking-related images such as ashtrays and cigarettes. ''It's a significant effect which we think would have real life implications,'' Mr Earp said. Follow-up research which has not yet been published indicates that anti-smoking messages really do prompt smokers to light up.

Quelle: world online, 7.5.2011

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Deutschland: Positive Drogentests bei Kindern süchtiger Eltern

Begonnen hatte es mit Einzelfällen. Mitarbeiter vom Bremer Amt für soziale Dienste hegten den Verdacht, dass ihre Schützlinge sich nicht auf die Ersatzdroge Methadon beschränken - sondern nebenbei auch harte Drogen konsumieren. Das ist im Rahmen der Behandlung streng verboten, zumal wenn Kinder im Haushalt leben. Die Bremer ließen Kinderhaar testen - und wurden oft fündig.

Mehr und mehr Eltern gaben auf Geheiß der Behörden ein Haarbüschel ihrer Kinder ins Labor. Die Bilanz Anfang März 2011: In 15 von 23 Fällen fanden sich Spuren harter Drogen im Haar. Dazu kamen drei positive Cannabis-Tests. Zum Teil war der Gehalt so hoch, dass es eine Körperpassage gegeben haben musste. Die Stoffe - Heroin, Kokain, Beruhigungsmittel - waren also durch den Körper der Kleinen gelangt. Unklar ist, ob die Methadon-Patienten in Bremen ihren Kindern Drogen verabreicht hatten, um sie ruhig zu stellen. Denkbar ist auch, dass der Kontakt zufällig erfolgte, zum Beispiel über den Schweiß der Erwachsenen.

In Folge wurde eine Reihenuntersuchung angeordnet: Alle Kinder im Alter von eins bis drei, die in Methadon-Haushalten leben, mussten Haarproben abgeben. Die Ergebnisse stützen die vorherigen Befunde: In 23 von 28 Fällen fanden sich Spuren illegaler Drogen. Als Konsequenz nahmen die Behörden bisher insgesamt 17 Kinder aus den Familien.

Sozialsenatorin Ingelore Rosenkötter sieht in der hohen Zahl der positiven Ergebnisse Anlass zur Sorge. Sie befürchte "in der gesamten Bundesrepublik" ein bisher nicht erkanntes Problem. Bei der Konferenz der Jugend- und Familienminister will die Bremer Ressortchefin das Thema auf die Agenda setzen - und Konsequenzen diskutieren. "Kinder müssen in einer drogenfreien Umgebung aufwachsen können." Eines stehe bereits fest: Die "ärztlichen Kontrollen der Methadon-Patienten" reichten nicht aus, um die Kinder zu schützen.

Aus Kreisen von Kassen und Ärzten heißt es, niemanden könne überraschen, dass Methadon-Patienten in hohem Maße auch andere Drogen nähmen. Es müsse eine bessere Betreuung geben, wenn Kinder im Haushalt leben.

Quelle: Focus Online, 15.5.2011

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Deutschland: Cannabiskonsum weiter rückläufig

Jugendliche und junge Erwachsenen in Deutschland konsumieren weniger Cannabis. Das berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aufgrund einer Studie unter 12- bis 25-Jährigen. Etwa ein Viertel (24 Prozent) der Befragten geben demnach an, in ihrem Leben schon einmal Cannabis konsumiert zu haben. Im Jahr 2004 war es noch fast jeder Dritte (31 Prozent). (aerzteblatt.de, 05.05.2011)

Besonders deutlich sei der Rückgang in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen. Während 2004 noch 15 Prozent der Jugendlichen angaben, in ihrem Leben schon einmal Cannabis konsumiert zu haben, seien es aktuell noch sieben Prozent. Bei den 18- bis 25-Jährigen sank dieser Anteil von 43 Prozent 2004 auf aktuell 35 Prozent.
Nach einem deutlichen Anstieg in den 1990er Jahren gehe der Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener, die mindestens einmal im Leben Cannabis konsumiert haben, seit 2004 kontinuierlich zurück.

Apropos: Auch die Zahl jugendlicher Raucher sank. Griffen 2001 noch 23 Prozent der 12- bis 17-jährigen zur Zigarette, waren es 2010 nur noch 13 Prozent.

Quelle: www.aerzteblatt.de, 5.5.2011

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Niederlande: Neues Gesetz gegen Cannabis-Touristen

Coffee-Shops dürfen ihre weichen Drogen künftig nicht mehr an Touristen verkaufen. Die vom Kabinett beschlossenen Maßnahme soll nach dem Sommer umgesetzt werden, teilte das Justizministerium am Samstag mit. Schrittweise sollen sämtliche der rund 670 Coffee-Shops, in denen bislang der Verkauf und Konsum von Marihuana, Haschisch und anderen weichen Drogen geduldet wird, in geschlossene Clubs umgewandelt werden. Nur als Drogenkonsumenten registrierte, volljährige Niederländer dürften als Mitglieder aufgenommen werden. Sie müssten einen Ausweis, den 'wietpas', vorzeigen, um in die Clubs eingelassen zu werden, wo sie bis zu fünf Gramm Haschisch kaufen dürften. Die Mitgliederzahl soll pro Coffee-Shop auf etwa 1500 begrenzt werden. Der Europäische Gerichtshof stützt die Beschränkung, die keine Diskriminierung von EU-Bürgern, sondern "durch das Ziel der Bekämpfung des Drogentourismus und der damit einhergehenden Belästigungen gerechtfertigt" sei.

Quelle: sueddeutsche.de, 30.5.2011

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Deutschland: Kampf gegen immer mehr Spielhallen

München will per Gewerberecht die weitere Ausbreitung von Spielhallen verhindern. "Optische Sonderung" und "übermäßige Ausnutzung des Spieltriebs" lauten die Paragraphen, mit deren Hilfe Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle den wohl bundesweit größten Zocker-Park an der Hansastraße ausbremsen will. Der Kreisverwaltungsausschuss des Stadtrats nickte den Plan einstimmig ab - obwohl, wie Blume-Beyerle offen einräumt, der Fall "rechtlich schwierig" ist und ein hohes Prozessrisiko besteht. Nach SZ-Informationen könnten bei einem eventuellen Scheitern vor Gericht Schadensersatzforderung von bis zu 20 Millionen Euro auf die Stadt zukommen.

Die Zahl der Spielhallen in München hat in den vergangenen Jahren enorm zugelegt: Aktuell gibt es 205 einschlägige Läden, im Jahr 1990 waren es erst 31. Allein an der Hansastraße 5, um die es in Blume-Beyerles Vorlage geht, existieren sechs Vergnügungsstätten, nun will ein Investor zwölf weitere eröffnen. Bei der Stadt schrillen angesichts der bald 213 Automaten in 18 Hallen die Alarmglocken.

Eine solche Entwicklung, das ist Konsens bei der Stadt, gilt es zu verhindern. Glücksspiel, so warnt das Gesundheitsreferat, ist in der an der Hansastraße geplanten Massierung "aus suchtpräventiver Sicht äußerst problematisch". Deutschlandweit müssten 100.000 bis 290.000 Menschen als krankhafte Spieler eingestuft werden. Das Jugendamt attestiert ein "weiteres Gefährdungsmoment für Jugendliche".

Auf Landes- und Bundesebene wird derzeit an einer deutlichen Verschärfung des Glücksspielrechts gearbeitet, das als überholt gilt. Die Änderungen sollen aber voraussichtlich erst im Januar 2012 greifen - was dem Kreisverwaltungsreferat zu lange dauert. Schon jetzt, so steht in der Beschlussvorlage, müssten "alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um der Entstehung von Megaspielkomplexen wie in der Hansastraße entgegenzuwirken".

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 8.6.2011

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Dänemark: Jugendlicher Protest gegen Alkoholkonsum der Eltern

"Also, was ist mit den heutigen Erwachsenen los? Ich verstehe sie einfach nicht!" In ironischer Entrüstung debattiert eine Gruppe Jugendlicher lautstark vor dem Supermarkt im Kopenhagener Vorort Hrsholm. Wenn es sonst in dieser Tonlage losgeht, dann pflegen die Teenager in der Kritik zu stehen, ihr Koma-Saufen, ihr hemmungsloses Trinken von Alkohol in allen Abarten. Doch in Hrsholm drehen die Jugendlichen den Spieß um. "Kein Rotwein für 40 bis 65-Jährige", fordern sie auf Bannern - ein Kaufverbot, wie es sie selbst trifft, wenn sie noch nicht 16 sind. Und: "Schluss mit der Doppelmoral!"

Denn die Eltern sind erschüttert, wenn die dänischen Jugendlichen einen Sauf-Weltrekord nach dem anderen aufstellen - bei der Zahl der 15-Jährigen, die sich regelmäßig betrinken, bei den Mengen, die sie bei Festen in sich hineinschütten, beim Einstiegsalter in die Droge Alkohol.

Doch die Statistiken zeigen, dass die Kinder dies nicht von Fremden haben. Die dänische Pro-Kopf-Einnahme von 11,5 Litern reinem Alkohol pro Jahr ist höher als etwa im Nachbarland Schweden. Allerdings: In Österreich ist der Konsum von reinem Alkohol pro Jahr mit 10,4 Litern nur geringfügig weniger. In Hrsholm aber spricht man davon, dass jeder dritte Erwachsene einen Verbrauch erreicht habe, der "problematisch" sei, sagt Lars Iversen, der Vorsitzende des kommunalen Gesundheitsausschusses.

Dabei ist Hrsholm kein Ghetto mit Arbeitslosigkeit und sozialen Missständen, sondern einer der Nobelvororte, die man den "Whisky-Gürtel" nennt. "Der Alkohol ist Teil des Lebensstils geworden", sagt Iversen, "ältere Männer trinken am meisten, aber Frauen holen kräftig auf." Es gebe einen Zusammenhang zwischen Ausbildung und Alkoholkonsum, aber anders, als viele denken würden: "Je höher gebildet, desto mehr trinken sie." Der Gin-Tonic beim Nachhausekommen, der Wein zum Nachtmahl, der Cognac als Gutenachttrunk, das hat sich eingebürgert in den guten Kreisen. Das schlägt härter als das Bier in den Arbeitervierteln.

Opfer der "Superdoppelmoral"

Skipper Noach, der für die Zusammenarbeit von Schule, Polizei und Kommune verantwortlich ist, hat Elternabende erlebt, die zur Weinverkostung ausarteten. "Da sitzt man an einem Dienstagabend, knabbert Chips und bechert Rotwein und berät, wie viel Alkohol bei Schulfesten erlaubt sein soll."

Das sei "superdoppelmoralisch", meinen die jugendlichen Rebellen, die nun statt Ziel Akteure der Kampagne wurden. "Anfänglich wollten wir an die Jungen appellieren", sagt Kampagneleiterin Tanja Hall. "Aber die, mit denen wir redeten, erwiderten, sie könnten die erhobenen Zeigefinger der Erwachsenen nicht ernst nehmen, solange diese in der anderen Hand das Weinglas halten." Darum wendet man in Hrsholm die Frage an die vorige Generation: "Was ist mit euch, liebe Eltern?"

"Wenn zu Hause viel getrunken wird, färbt das ab", sagt Noach. "Trinken ist etwas, das man lernt, nichts, das in den Genen liegt." Tanja Hall hofft, dass die Erwachsenen sich bewusst werden, dass sie Rollenmodelle sind - auch wenn die Supermarktkunden eher unwirsch als verständnisvoll auf das Happening reagierten. Doch Hall glaubt auch, dass die Kampagne abfärbt: "Wenn die Jugendlichen den Alkoholkonsum ihrer Eltern kritisieren, müssen sie sich notgedrungen die gleiche Frage stellen. Dann richten sie den Fokus auch auf ihr eigenes Saufen."

Quelle: "Die Presse", 18.6.2011

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Deutschland: Alkoholverbot in Fußballstadien

Düsseldorf - Die Innenminister der Länder wollen auf ihrer am Dienstag beginnenden Konferenz nach Wegen suchen, die Sicherheit in den Stadien der Fußball-Bundesliga zu erhöhen. Der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) fordert ein Alkoholverbot in Stadien und auf dem Weg dorthin: "Der Konsum muss drastisch reduziert werden, weil er die Fans oft erst völlig enthemmt. Ich halte deshalb ein Alkoholverbot in Fußballstadien und im öffentlichen Nahverkehr für sinnvoll". Sorgen machen sich die Innenminister und die Polizei vor allem um die zunehmende Gewaltbereitschaft in der Zweiten Liga. "Mit den Bundesliga-Absteigern Eintracht Frankfurt und St. Pauli sowie den Aufsteigern Eintracht Braunschweig, Hansa Rostock und Dynamo Dresden nimmt das Gewaltpotenzial in der Zweiten Liga so stark zu, dass wir an unsere Grenzen stoßen", sagte Jörg Radek, der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP): "Findet zeitnah zu einem Risikospiel eine politische Demonstration statt, werden Einsatzleiter vor Ort die Sicherheit nicht garantieren können und Fußballspiele absagen." In den vergangenen Jahren war ein Großteil der Polizei-Hundertschaften an Wochenenden durch Fußballspiele gebunden. Jäger will zudem die Einsatzkonzepte in Deutschland besser koordinieren. Für die Fans sei die Reise zu den Auswärtsspielen oft verwirrend, da sie in jedem Bundesland auf ein neues Polizeikonzept stoßen würden, das vereinheitlicht werden solle. "Dazu gehört auch ein konsequentes Vorgehen gegen Straftäter. Wer Straftaten begeht, bekommt umgehend die Rote Karte und wird das Fußballspiel gar nicht erst sehen", sagte Jäger.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 21.6.2011

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