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Österreich: Spielsucht treibt vermehrt in finanziellen Ruin

Aus mehreren Bundesländern wurde zuletzt über wachsende Probleme mit dem Phänomen der Spielsucht berichtet. 80.000 Steirer leiden bereits unter Spielsucht oder gelten akut gefährdet. "Der Ansturm ist gewaltig, wir haben heuer schon 2828 Klienten betreut", berichtet Christof Lösch von der Schuldnerberatung Steiermark. Durchschnittlich stünden die Hilfesuchenden mit 65.000 Euro in der Kreide, rechnet der Experte vor.

Auch in Kärnten hat das Problem zugenommen. Von alarmierenden Zahlen im Bereich Spielsucht berichtet Klagenfurts Gesundheitsreferentin Maria-Luise Mathiaschitz: "Mittlerweile betreuen wir 516 Personen in unserer Beratungsstelle, allein 2011 hatten wir 63 Neuzugänge. Das ist ein trauriger Spitzenwert." Die Spielsuchtberatung besteht seit 14 Jahren in der Landeshauptstadt.

In Tirol dasselbe Bild: Unter den dramatischsten Schuldenfallen verzeichnet die Spielsucht rasanten Zuwachs: Vor allem Männer zwischen 20 und 40 verspielen nicht nur den Lohn, sondern nehmen dafür Kredite auf und verschulden sich bei allen Freunden und Verwandten bis zum Anschlag. Es folgt der soziale Abstieg mit Trennung von der Familie, Jobverlust, Verwahrlosung. Der Weg zurück ist extrem hart, die Dunkelziffer der Betroffenen hoch.
Umso erstaunlicher, dass das illegale Glücksspiel in Tirol toleriert wird. Immer mehr Lokale stellen etwa die geldfressenden Automaten auf. Die Gewinnversteuerung bleibt marginal, die vorgesehenen geringen Strafen schrecken keinen. Das illegale Treiben auf Kosten der Süchtigen, ihrer Familien sowie der Allgemeinheit bleibt schön unterm Teppich.
Die Landespolitik ist zuständig und hat auch die Kompetenz, diese unheilvolle Situation zu verändern, etwa bestehende Gesetze mit den nötigen Zähnen zu bewehren. Auch so könnte Schuldenprävention aussehen. "Umso erstaunlicher, dass das illegale Glücksspiel in Tirol toleriert wird." Thomas Pachl, Schuldenberatung Tirol

Quellen: Tiroler Tageszeitung vom 25.03.2012 | Kronen Zeitung vom 07.04.2012 | Österreich vom 03.03.2012

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England: Senioren als Konsumenten illegaler Drogen

In Zukunft wird die Exekutive in den Industriestaaten neue Konsumenten von illegalen Drogen zu verfolgen haben: Pensionisten. Seit 1993 hat sich nämlich laut einer in Großbritannien durchgeführten Studie die Rate der Drogenkonsumenten bei den 50- bis 64-Jährigen auf das Zehnfache erhöht: Cannabis ist die am häufigsten verwendete illegale Droge, 11,4 Prozent der Altersgruppe hatten Erfahrung damit. Die Studie zeigt: Der Konsum von illegalen Drogen altert mit den Konsumenten.
Irgendwann im Leben gekifft hat 1993 ein Prozent der 50- bis 64-Jährigen, heute geben es 11,4 Prozent zu Protokoll. Und aktiv noch dabei sind heute zwei Prozent, damals waren es 0,2 Prozent. Allerdings ist es vor allem ein städtisches Phänomen: In London liegen die Werte bei 42,8 bzw. 9,4 Prozent.
Andere illegale Drogen werden kaum konsumiert, nur der Verbrauch der Amphetamine ist gestiegen, und der von Tranquilizern war auch früher schon unter Älteren verbreitet. "Der Konsum illegaler Drogen wird in den nächsten ein, zwei Jahrzehnten ein verbreitetes Lebensmuster der älteren Generation werden", prognostiziert Stewart, "aber wir wissen sehr wenig darüber, wie sich Cannabis und andere Drogen bei den Mitgliedern dieser Altersgruppe gesundheitlich auswirken."

Quellen: Die Presse vom 05.04.2012 | Kleine Zeitung vom 07.04.2012

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Deutschland: Weniger Kinder und Jugendliche betrunken

Starker Alkoholkonsum geht unter Kindern und Jugendlichen in Berlin kontinuierlich zurück. Wurden 2009 noch 2058 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren wegen einer akuten Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert, waren es 2010 nur noch 1535. Im vergangenen Jahr sank deren Zahl auf 1299. Das geht aus einer Antwort der Gesundheitsverwaltung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hervor. Auffallend war, dass sich bei Kindern (10 bis unter 15 Jahre) im Jahr 2010 doppelt so viele Mädchen (67) unmäßig betranken wie Jungen (30). 2009 waren etwa gleich viele Mädchen wie Jungen volltrunken im Krankenhaus behandelt worden.

Quelle: Die Welt vom 07.03.2012

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Studie: Ecstasy schädigt Babys

Frauen, die während der Schwangerschaft Ecstasy einnehmen, gefährden das Wohlergehen ihres Kindes. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam, das erstmals die Auswirkungen der Partydroge auf den Fötus im Mutterleib und auf die spätere Entwicklung des Kindes untersucht hat. Die Folgen der Muntermacherpillen zeigen sich demnach schon vier Monate nach der Geburt. Die Experten registrierten bei den Kindern gehäuft motorische Entwicklungsdefizite: Einige von ihnen schafften es erst später als üblich, den Kopf aus eigener Kraft aufrecht zu halten; andere, heißt es im Fachblatt "Neurotoxicology and Teratology", hinkten Gleichaltrigen hinterher, wenn es darum ging, sich vom Rücken auf die Seite zu drehen, mit Unterstützung zu sitzen oder Augen- und Handbewegungen zu koordinieren. Ob auch die kognitiven Fähigkeiten der Kinder und ihre emotionale Reifung aufgrund des Drogenkonsums der Mütter leiden, sollen Nachfolgeuntersuchungen nach dem zwölften Lebensmonat klären.

Quelle: Der Spiegel vom 07.04.2012

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Deutschland: Rauchverbot schadet Gaststätten offenbar nicht

Gastronomen verzeichnen durch ein verschärftes Rauchverbot keine Umsatzeinbußen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums, die Martina Pötschke-Langer vom Krebsforschungszentrum heute im Düsseldorfer Landtag vorstellte. Danach sind Umsätze und Beschäftigtenzahlen im bayerischen Gastgewerbe nach der Einführung des verschärften Nichtraucherschutzgesetzes im Jahr 2010 sogar teilweise gestiegen.

Quelle: aerzteblatt.de, 01.03.2012

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Britische Regierung will Alkohol stark verteuern

Die britische Regierung will Mindestpreise für alkoholhaltige Getränke festsetzen, um Ausschreitungen zu vermindern und die Gesundheitskosten zu senken, die auf Alkoholkonsum zurückgehen. Der britische Premierminister David Cameron sagte, die Regierung wolle eine "Trinkkultur umkehren", die im vergangenen Jahr zu einer Million gewaltsamer Straftaten unter Alkoholeinfluss und 1,2 Millionen Krankenhausaufnahmen geführt habe. Nach Angaben Camerons ist das "binge drinking", also mutwillige Besäufnisse, "keine Randerscheinung, sondern ein Phänomen, bei dem die Hälfte allen in diesem Land konsumierten Alkohols getrunken wird". Die Gewalt und die Kriminalität, die dadurch verursacht werde, bänden Ressourcen in den Krankenhäusern, erzeugten Chaos auf den Straßen und verbreiteten Angst in vielen Wohnvierteln. Die Regierung will die Preise für Alkoholika nicht durch einen neuen Steueraufschlag heben, sondern den Herstellern und Händlern einen Mindestabgabepreis vorschreiben. Auf diese Weise sollen vor allem billige Alkoholika verteuert werden, etwa der in Zwei- oder Dreiliterflaschen angebotene Cider (Apfelwein), der als das günstigste Alkoholgetränk in Großbritannien gilt. Die vorläufigen Absichten zielen darauf, für jede Einheit Alkohol einen Preis von mindestens 40 Pence (50 Cent) vorzuschreiben. Eine Halbliterdose starken Ciders, die bislang für rund einen Euro angeboten wird, würde demnach fast doppelt so viel kosten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.03.2012

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Frankreich: Alkoholtestgerät in jedem Auto ab Juli Pflicht

Mit 1. Juli 2012 muss jeder Auto- und Motorradfahrer in Frankreich ein Alkotestgerät mitführen. Die Einwegtests sind um zwei bis fünf Euro in ganz Frankreich in Supermärkten, Apotheken und bei Tankstellen erhältlich. Bei Verkehrskontrollen muss der Autofahrer das Testgerät vorweisen. Wer keines mitführt, muss laut ÖAMTC mit einer Strafe von elf Euro rechnen. Die Regelung betrifft auch Urlaubsreisende.

Hintergrund: In Frankreich gilt wie in Deutschland die Promillegrenze 0,5, dennoch ist Alkohol bei 31 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle die Ursache. In Deutschland, wo ebenfalls eine Promillegrenze von 0,5 besteht, sind 9,4 Prozent aller tödlichen Unfälle auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen, in Großbritannien sind es siebzehn Prozent. Einfache chemische Einweg-Tester kosten ein bis zwei Euro, sie sind in Apotheken sowie in Bars und Tabakgeschäften erhältlich. Elektronische Geräte sind dagegen mit mindestens 100 Euro deutlich teurer.

Kritiker der Regelung weisen darauf hin, dass man Alkoholsüchtige mit der Maßnahme nicht erreiche. Verlangt werde außerdem das Mitführen eines ungebrauchten Alkoholtesters soll dieser auch benutzt werden, muss man also immer mindestens zwei Tester an Bord haben. Elektronische Wegfahrsperren, die dann wirkten, wenn im Atem des Fahrers zu viel Alkohol gemessen werde, seien sinnvoller. Das Benutzen vor jedem Losfahren ist dabei notwendig, der schwedische Hersteller Volvo bietet solch ein System schon an. Nach einem unbestätigten Bericht der Tageszeitung "Libération" soll sich Innenminister Claude Guéant bei der EU-Kommission in Brüssel für den obligatorischen Einsatz solcher "Alko-Locks" einsetzen. Richter in Frankreich können Wiederholungstätern ihren Einsatz heute schon vorschreiben.

Quellen: Kurier vom 23.03.2012 | Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.03.2012 | Die Welt vom 07.04.2012

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Schottland: Weniger Frühgeburten nach Rauchverbot

Zu den günstigen Folgen des Rauchverbots für die öffentliche Gesundheit zählt auch ein Rückgang der Frühgeburten. Dies zeigen die Erfahrungen aus Schottland, die jetzt in PloS Medicine (2012; 9: e1001175) vorgestellt wurden.
Das Smoking, Health and Social Care Bill verbietet seit dem 26. März 2006 das Rauchen in allen öffentlich zugänglichen Gebäuden und am Arbeitsplatz. Entgegen anfänglichen Befürchtungen hat sich das Gesetz als außerordentlich erfolgreich erwiesen. Die Exposition mit Passivrauch der Bevölkerung ist deutlich gesunken, berichtet Jill Pell vom Institute of Health & Wellbeing der Universität Glasgow. Die Feinstaubkonzentration (PM 2,5) ging innerhalb von 2 Wochen sogar um 86 Prozent zurück.
Die Befürchtungen, dass die Menschen jetzt vermehrt in Privaträumen rauchen, was die Kinder mehr als zuvor belastet hätte, haben sich nicht bewahrheitet. Auch die Exposition von Schwangeren hat abgenommen. Eine Auswirkung konnte Pell jetzt durch die Analyse des Scottish Morbidity Record (SMR2) ermitteln. Diese Datenbank speichert die Entlassungsdiagnosen von Frauen, die in einer Klinik entbunden wurden. Bei Aufnahme in der Klinik waren die Frauen auch gefragt worden, ob sie derzeit oder früher einmal geraucht haben. Laut Pell ist der Anteil der aktiven Raucherinnen unter den Gebärenden seit Einführung des Antirauchergesetzes von 25,4 Prozent auf 18,8 Prozent gesunken. Parallel ist auch die Zahl der Frühgeburten um relativ 11,72 Prozent und die Zahl der zu kleinen Kinder (Small for Gestational Age, SGA) um 4,52 Prozent gesunken.
Bei den sehr kleinen Kindern (very Small for Gestational Age, VSGA) kam es zu einem Rückgang um 7,95 Prozent. Die Zahlen stammen aus einer Multivariatanalyse, die eine Reihe anderer Erklärungen ausschließt. Die Reduktionen waren signifikant und für Pell gibt es keinen Zweifel an der Kausalität.

Der Rückgang setzte übrigens bereits drei Monate vor dem Rauchverbot ein. Auch dies ist für Pell keine Überraschung. Frühere Studien hatten gezeigt, dass seit Januar 2006 die Verordnungen an Nikotinersatzpflastern zugenommen hatten. Viele Schotten hatten schon vor Beginn des Rauchverbots Abstinenzversuche unternommen.

Quelle: rme/aerzteblatt.de vom 7. März 2012

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Schweiz: Nur noch Geldbuße bei kleinen Mengen Cannabis

Wer von der Polizei beim Kiffen erwischt wird, soll künftig nur noch mit einer Geldbuße bestraft werden. Wer allerdings mehr als 10 Gramm Cannabis auf sich trägt, wird nach wie vor angezeigt. Das Ordnungsbußensystem gilt außerdem nur für erwachsene Kiffer.
Erwachsene Kiffer sollen künftig nicht mehr angezeigt werden, wenn sie von der Polizei erwischt werden. Es gibt nur noch eine Geldstrafe, und diese beträgt 200 Franken, was den Zusatzaufwand der Polizei abdecken soll.
Dies soll aber nur für Kiffer gelten, die nicht mehr als 10 Gramm Cannabis bei sich tragen. Bei Unsicherheiten oder Unklarheiten kann die Polizei nach wie vor auf das ordentliche Strafverfahren ausweichen. Dies hat der Nationalrat am Mittwoch nach einer emotionalen Debatte beschlossen. Die Vorlage muss nun noch vom Ständerat diskutiert werden.

Aufbruch oder Angst

Bei der vorliegenden Teilrevision des Betäubungsmittelgesetzes geht es um ein neues Sanktionsregime, das Polizei und Justiz entlaste - ohne dass die Substanz Cannabis legal werde. Die Politik könne vor der Tatsache, dass in der Schweiz bis zu 500'000 Personen gelegentlich oder regelmäßig kifften, nicht die Augen verschließen. Das Ordnungsbußenmodell verringere zumindest den ganzen administrativen Aufwand, den die 33'000 Strafanzeigen pro Jahr mit sich bringen.

Quelle: NZZ Online vom 7. März 2012

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