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Studie: Verringert Cannabis den Intelligenzquotienten?

Über dreißig Jahre hinweg haben Forscher an rund tausend Neuseeländern studiert, wie sich der Intelligenzquotient von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter entwickelt. In der Regel stieg er leicht an, um später konstant zu bleiben. Doch bei den Studienteilnehmern, die mindestens drei Jahre lang regelmäßig Joints geraucht hatten, sank der IQ um bis zu sechs Punkte. Er stieg auch nicht wieder an, wenn sie den Konsum eingestellt hatten (PNAS online, 27. 8. 12).
Dass der Konsum von Haschisch oder Marihuana schädliche Folgen haben kann, wurde schon mehrfach nachgewiesen. Hanfkonsum kann bei intensivem und langjährigem Konsum das zentrale Nervensystem und das Arbeitsgedächtnis schädigen. Unter Heranwachsenden verdoppelt sich durch Cannabiskonsum das Risiko, später eine Psychose zu entwickeln (BMJ, 22. 3. 11). Langjähriger, starker Konsum (mehr als fünf Joints pro Tag über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren) führt nachweisbar zum Schrumpfen bestimmter Hirnregionen, die für Gedächtnis und Gefühlsverarbeitung verantwortlich sind (Archives of General Psychiatry, Juni 2008).

Soweit die im deutschsprachigen Raum verbreitete Presseinformation. Bei sorgfältiger Lektüre der Studie ergibt sich allerdings kein ganz so eindeutiges Bild. Die AutorInnen der Studie schreiben im Originaltext:

The study's results must be interpreted in the context of its limitations. First, although we were able to rule out a set of plausible alternative explanations for the association between persistent cannabis use and neuropsychological functioning, such as premorbid neuropsychological deficit and hard-drug and alcohol dependence among persistent cannabis users, our data cannot definitively attest to whether this association is causal. For example, there may be some unknown 'third' variable that could account for the findings. The data also cannot reveal the mechanism underlying the association between persistent cannabis dependence and neuropsychological decline.

Quelle: Frankfurter Allgem. Sonntagszeitung vom 02.09.2012

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Spanien: Euro-Vegas in der spanischen "Wüste"

Madrid erhielt den Standort-Zuschlag für ein spektakuläres Freizeitparkprojekt: "Eurovegas", die gewaltige auf europäischem Boden geplante Vergnügungslandschaft des US-Milliardärs Sheldon Adelson stellt rund 250.000 Jobs in Aussicht. Doch so groß die Freude bei Vergnügungsparkanhängern auch sein mag, es gibt auch kritische Stimmen. Man beute Ressourcen aus, um eine Fabrik für Spielsüchtige zu schaffen. Zudem gestehe man dem US-Milliardär unhaltbare Sonderkonditionen zu, etwa in steuerlicher Hinsicht oder in Bezug auf das hart erkämpfte Rauchverbot. Hier erwägt der spanische Staat eine Ausnahmegenehmigung vom ansonsten generell gültigen Gesetz, welches das Rauchen in geschlossenen öffentlichen Räumen verbietet.

Quelle: Kleine Zeitung vom 13.09.2012

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Türkei: Der Kampf der Islamisten gegen den Alkohol

Auf der Straße Alkohol zu trinken ist in der Türkei verboten und die Behörden erhöhen den Druck gegen Alkohol und dessen Konsum beständig.
Fortwährende Steuererhöhungen sind ein Einflussfaktor. Die billigste Sorte kostet 1,15 Euro. Steuern auf Bier stiegen von 18 Prozent im Jahr 2002 auf mehr als 60 Prozent 2009. Der Preis für Raki, das wohl traditionellste alkoholische Getränk der Türkei, hat sich von 2002 bis heute nominell mehr als verdreifacht.
Gesetzliche Verschärfungen gegen Alkohol führten zu Werbeverboten für Alkohol, Event-Veranstalter müssen vor jeder einzelnen Veranstaltung, auf der Alkohol ausgeschenkt werden soll, eine spezielle Genehmigung beantragen. Weihnachts- und Osterbasare der internationalen Schulen in Istanbul dürfen keinen Alkohol mehr ausschenken. Im Juli verhängten die Behörden ein Alkoholverbot für ein zweitägiges internationales Rockkonzert an der Bilgi-Universität - eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung und auf persönlichen Druck durch Erdogan. "Sie wollen unsere Jugend alkoholabhängig machen", wütete er, ohne zu verraten, wer "sie" denn seien.
Abseits von Istanbul und der Touristenküste ist es oft gar nicht so einfach, überhaupt an Alkohol zu kommen. Der Alkoholkonsum in der Türkei ist zwar weiterhin gering, da gut 65 Prozent der Türken aus religiösen Gründen gar nicht trinken. Dennoch verdoppelte sich der Alkoholverbrauch laut behördlichen Angaben von 2003 bis 2009 auf gut eine Milliarde Liter.

Quelle: Die Welt vom 03.09.2012

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BRD: Alkoholabhängige sterben im Schnitt 20 Jahre früher

Eine Langzeitstudie von Greifswalder und Lübecker Wissenschaftlern hat ergeben, dass Alkoholabhängige wesentlich früher als Nicht-Abhängige sterben. Demnach starben Frauen, die alkoholabhängig waren, durchschnittlich mit 60 Jahren, Männer mit 58 Jahren. "Keiner der verstorbenen Alkoholabhängigen hatte das durchschnittliche Lebensalter von 82 Jahren für Frauen und 77 Jahren für Männer erreicht", sagte der Leiter der Studie, der Greifswalder Epidemiologe Ulrich John. Für die Studie wurden die Gesundheitsdaten von 4070 Patienten ausgewertet, von denen insgesamt 153 als alkoholabhängig diagnostiziert worden sind. Davon konnten 149 über 14 Jahre beobachtet werden. Verglichen mit der jeweils gleichaltrigen Normalbevölkerung war die Sterberate von Alkoholikerinnen um das 4,6-Fache erhöht - die von männlichen Alkoholikern immerhin um das 1,9-Fache.

Quelle: Die Welt vom 17.10.2012

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Spirituosen: Mit Wodka-Zuckerwatte gegen Krise

In den USA boomen neue Geschmacksrichtungen. Hersteller drängen nach China, wo traditioneller Schnaps beliebt ist.
Einen Grund zum Feiern gibt es immer. Und in schlechteren Zeiten wird nicht unbedingt mit edlen Tropfen angestoßen. Allein in Großbritannien seien in den letzten Jahren acht billige Nachahmprodukte eines namhaften deutschen Kräuterlikörs auf den Markt gekommen.
Markenhersteller kommen also unter Druck - und damit auch ihre Kreativabteilungen. Speziell in den USA überschwemmen sie mit immer neuen Geschmacksrichtungen den Markt. So bietet der Hersteller Pinnacle in den USA mehr als 30 Wodka-Geschmackssorten - von Torte, Zuckerwatte und Marshmallow bis Doppelter Espresso. Und selbst die weltweite Nummer fünf der Spirituosenmarken - Jack Daniel's - bietet seinen Tennessee Whiskey neuerdings auch mit Honig verfeinert an. Die neuen Produkte sollen die Absatz- und Umsatzzahlen stützen. Zudem werden die US-Geschäfte derzeit verstärkt mit Dumpingpreisen angekurbelt.
Die weltgrößten Hersteller holen sich ihre Wachstumsraten aber längst aus Asien. Die Nummer eins, der britische Konzern Diageo (Marken wie Johnny Walker, Smirnoff, Baileys), ebenso wie die Franzosen Pernod Ricard. Diageo hat im Vorjahr knapp elf Milliarden Pfund umgesetzt. Konkurrenz Pernod Ricard (Labels wie Ricard, Wodka Absolut und Martell) hält bei 8,2 Milliarden Euro. Beide schreiben Milliardengewinne. Und die Großkonzerne schlucken weiter kleinere Marken, um den Bars die gesamte Palette - von Rum über Gin bis Wodka - aus einer Hand aufzutischen.

Quelle: Kurier vom 24.09.2012

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EU: Immer weniger Raucher/innen - außer in Russland

Nach offiziellen Angaben der Behörden rauchen zirka 44 Millionen Personen in Russland. In keinem Land raucht ein größerer Anteil der Bevölkerung: Bei den Männern sind es gut 60 Prozent, bei den Frauen stieg der Anteil seit dem Zerfall der Sowjetunion von 7 auf heute 22 Prozent. Die gestiegenen Zahlen erklären sich aber nicht nur mit jungen Frauen. Als erheblich wurde auch die Zunahme der Raucherinnen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren bezeichnet. Bei den Männern ist der Prozentsatz noch bedeutend höher.

Premierminister Dmitrij Medwedew will nun die Annäherung an europäische Standards. Seine Regierung bereitet ein Gesetz vor, das Rauchen in Restaurants, Hotels, Universitäten und Bahnhöfen verbietet. Die Umsetzung der Neuregelung soll etappenweise geschehen. Geplant ist, dass das Rauchverbot am 1. Januar 2015 in Kraft tritt.

Das Gesundheitsministerium will die Tabaksteuer bis 2015 mehr als verzehnfachen. Schließlich sterben pro Jahr 400 000 Russen an den Folgen des Rauchens. Wie Ministerpräsident Medwedew bei der Vorstellung des Gesetzesprojekts ausführte, sterben in Russland jährlich 400 000 Personen an den Folgen von Tabakkonsum. Wie das russische Gesundheitsministerium vorrechnet, würde der Staat bereits bei einer Reduktion der Raucherquote um 10 Prozent Kosten von jährlich umgerechnet mindestens 4 Milliarden Franken einsparen können. Bis es allerdings so weit ist, können am geplanten Anti-Raucher-Gesetz noch diverse Änderungen angebracht werden. Das Gesetzespaket wurde nun der Staatsduma zur Beratung vorgelegt.

Kontrolliert wird der russische Zigarettenmarkt von ausländischen Firmen, zu ihnen zählen British American Tobacco, Imperial Tobacco, Japan Tobacco und Philip Morris. Eine Firma des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney hatte in den neunziger Jahren westliche Tabakfirmen wie BAT bei ihrer Expansion nach Russland beraten. Die Zigarettenlobby hat bereits ihren Widerstand gegen die geplanten Gesetzesänderungen angekündigt.

Anders als in Russland ist der Tabakkonsum in der EU weiter rückläufig. Der Marlboro-Hersteller Philip Morris International hat im dritten Quartal 2,2 Mrd. Dollar (1,7 Mrd. Euro) Gewinn gemacht. Das ist ein Minus von 6 Prozent gegenüber 2011. Philip Morris lieferte 8,1 Prozent weniger Zigaretten in der Europäischen Union aus. Vor allem Italiener, Franzosen, Portugiesen und Spanier hielten sich zurück. Auch beim Nachbarn Schweiz ist die Tendenz eindeutig: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) veröffentlichte am Montag erste Resultate des neuen Suchtmonitorings Schweiz. Dieses zeigt unter anderem, dass der Tabakkonsum seit zehn Jahren abnimmt. Knapp ein Viertel der Bevölkerung in der Schweiz raucht noch. Vor zehn Jahren konsumierte noch jeder Dritte Tabakwaren. Auch das Passivrauchen geht zurück. Waren im Jahr 2002 noch 35 Prozent der Bevölkerung dem Passivrauch ausgesetzt, sind es heute 5 Prozent. Trotzdem bleibe "der Tabakkonsum die Hauptursache für vermeidbare frühzeitige Todesfälle", schreibt das BAG. Das Suchtmonitoring Schweiz basiert auf einer repräsentativen Befragung zum Thema Sucht und Konsum psychoaktiver Substanzen.

Quellen: Der Spiegel vom 22.10.2012; Neue Zürcher Zeitung Nr. 244 vom 19.10.2012; Salzburger Nachrichten vom 19.10.2012; Neue Zürcher Zeitung Nr. 236 vom 10.10.2012

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BRD: Jugendliche trinken etwas weniger Alkohol

In Deutschland betrinkt sich jeder siebte Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren einmal im Monat schwer. Das ist zwar weniger als vor vier Jahren, damals war es noch jeder Fünfte, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung am Montag in Berlin berichtete. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte, die Erfolge der vergangenen Jahre dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass etwa im Jahr 2010 an die 26 000 junge Menschen unter 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden mussten. Riskanter Alkoholkonsum gehe durch alle Schichten. Knapp ein Drittel der Kinder und Jugendlichen trinke einmal in der Woche Alkohol, bei den Achtzehn- bis Fünfundzwanzigjährigen seien es gut 80 Prozent.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.09.2012

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NL: Gähnende Leere in den Coffee-Shops

Seit dem ersten Mai ist es in den drei südniederländischen Südprovinzen Limburg, Nord-Brabant und Zeeland verboten, Cannabis an Ausländer zu verkaufen. Die Coffee-Shops - jene typisch niederländischen Kneipen, in denen Verkauf und Konsum weicher Drogen seit über 40 Jahren geduldet wird - sind dort in Klubs mit registrierten Mitgliedern verwandelt worden. Aufgenommen wird nur, wer ein Leumundszeugnis präsentieren und mit einem Auszug aus dem Bevölkerungsregister beweisen kann, dass er oder sie in der jeweiligen Gemeinde wohnt. Wer diese Hürden genommen hat, bekommt einen Kleber auf die Rückseite der Identitätskarte, die bei jedem Besuch gezeigt werden muss.

Die Touristen bleiben aus

Die neuen Regeln haben im Süden des Landes zu einem Exodus geführt. Ausländische Cannabis-Touristen (ins kleine Maastricht kamen vorher mehr als eine Million von ihnen pro Jahr) bleiben aus, und die Einheimischen meiden die Drogen-Kneipen: Sie wollen sich nicht registrieren lassen.

Dafür drehen auffallend viele junge Männer auf Vespas ihre Runden auf dem breiten Boulevard an der Maas. Es sind Straßenverkäufer, die ihr Kokain- und Heroin-Sortiment kurzerhand mit Gras erweitert haben, womit es auf dem Markt nun keinen Unterschied mehr gibt zwischen harten und weichen Drogen. Dabei war man hinter den Deichen immer so stolz auf die getrennten Märkte: Die tolerierten, weichen Drogen gibt es im Coffee-Shop, die harten, illegalen auf der Strasse.

Trotz der negativen Erfahrungen im Süden will der Justizminister Ivo Opstelten das Gesetz im Januar landesweit einführen. Auch wenn viele Gemeindepräsidenten inzwischen Widerstand leisten, weil sie die neuen Regeln bloß als ein weiteres, sinnloses Instrument zur Verschärfung der einst so toleranten Weiche-Drogen-Politik sehen. Am lautesten rebelliert Amsterdam. "Es ist die Lösung für ein Problem, das wir nicht haben", sagte die Sprecherin von Bürgermeister Eberhard van der Laan. Von den jährlich sechs Millionen Touristen besucht etwa ein Viertel einen der 222 Coffee-Shops. Mit nennenswerten Schwierigkeiten ist dies selten verbunden, weil die ausländischen Gäste - im Gegensatz zu den Cannabis-Tagestouristen in Maastricht - meist mehrere Nächte in der Hauptstadt verbleiben.

Alle Hoffnungen der Stadtpräsidenten und der Coffee-Shop-Besitzer sind nun auf die neue Regierung gesetzt. Ob diese die lauten Proteste erhört, wird sich zeigen. Dass Hardliner Ivo Opstelten seinen Posten als Justizminister behalten will, stimmt die Drogen-Lobbyisten nicht sehr optimistisch.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung vom 21.10.2012

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Quellenangaben zum Beitrag (Glücks)Zahlenspiele

  • Jahresumsatz der Glücksspielindustrie 2008
    Quelle: Jens Kalke, Sven Buth, Moritz Rosenkranz, Christian Schütze, Harald Oechsler, Uwe Verthein, Glücksspiel und Spielerschutz in Österreich, Empirische Erkenntnisse zum Spielverhalten der Bevölkerung und zur Prävention der Glücksspielsucht, erschienen im Lambertus Verlag, Freiburg, 2011. (unter Bezugnahme auf Regioplan 2009a), S. 89
     
  • Jahresumsatz Casinos Austria und Novomatic 2011; Glückspiel-Einnahmen des Bundes 2011; Einnahmen und Ausgaben des Bundes aus dem Glücksspiel (2011); Tirol: Landeseinkünfte und -ausgaben
    Quelle: Parlamentarische Anfragebeantwortung der Stabstelle für Suchtprävention und Suchtberatung vom 3. September 2012 (12049/AB XXIV. GP) (unter Bezugnahme auf die schriftliche parlamentarische Anfrage Nr. 12241/J vom 3. Juli 2012 der Abgeordneten Dr. Harald Walser
     
  • Gewinnwahrscheinlichkeit "Euromillionen"
    Quelle: Quelle: Jens Kalke, et al (siehe oben), S. 83
     
  • Haushaltsausgaben Glückspiel pro Jahr in Österreich
    Quelle: Quelle: Jens Kalke, et al (siehe oben), S. 90
     
  • Interview mit Johann F. Graf
    Quelle: trend 7/2007
     
  • Verleihung des Professoren-Titels
    Quelle: AutomatenMarkt, 4.6.2003

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