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Bulimie: Geleitete Selbsthilfe im Internet ist erfolgreich

Rund 200.000 Österreicherinnen erkranken einmal im Leben an einer Essstörung, aber nur sechs Prozent begeben sich - wegen der großen Hemmschwelle - in die Betreuung einer psychiatrischen Einrichtung. Eine aktuelle Studie an der Universitätsklink für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien zeigt, dass ein Therapie-Erfolg bei Bulimia nervosa auch über geleitete Selbsthilfeprogramme im Internet möglich ist.

Zu Beginn der geleiteten Selbsthilfe via Internet oder Buch erfolgt eine psychiatrische Untersuchung und der Aufbau einer therapeutischen Beziehung mit der PsychologIn, die die PatientInnen bei der Bearbeitung des Selbsthilfeprogrammes unterstützt. Danach läuft alles auf elektronischem Weg.
Am Beginn einer Bulimia nervosa (BN) steht oft eine Diät, aus der die überwiegend jungen Frauen in ein krankhaftes Essverhalten schlittern. Patientinnen mit Bulimia nervosa sind normalgewichtig, empfinden sich selbst aber als zu dick und versuchen daher, weniger zu essen. "Das Diäthalten kann zu Heißhungerattacken führen, die Mädchen erleiden einen Kontrollverlust und essen ungehemmt. Als kompensatorische Maßnahmen führen die jungen Frauen absichtlich Erbrechen herbei oder versuchen mit Hilfe von Abführmitteln der Gewichtszunahme entgegenzusteuern.

In der im British Journal of Psychiatry soeben erschienenen Studie, die gemeinsam mit der Parkland-Klinik in Bad Wildungen (Deutschland) durchgeführt wurde, wurde an 155 Patientinnen die Wirksamkeit der geleiteten Selbsthilfe über das Internet-Programm "Salut BN" mit dem mehrfach evaluierten Selbsthilfebuch "Die Bulimie besiegen" verglichen.
Das Resultat: Die Erfolgsquote ist gleich hoch. Unmittelbar nach der sieben Monate dauernden Selbsttherapie waren beim Internet 46 Prozent und beim Buch 48 Prozent der Patientinnen in Remission, das heißt, die Symptome hatten deutlich nachgelassen. Die Quote blieb auch bei der Follow-Up-Untersuchung 18 Monate später stabil. Wagner: "Bei einer Face-to-Face-Therapie ist die Erfolgsrate ähnlich."
Die Selbsthilfeprogramme basieren auf Elementen aus der kognitiven Verhaltenstherapie und enthalten Module zu Motivation, Monitoring des krankhaften Essverhaltens und dessen Veränderung, Vermittlung von Problemlösungsstrategien, kognitive Umstrukturierung, Selbstbehauptungstraining und Rückfallprävention.
Viele Patientinnen, die nach dem Selbsthilfeprogramm noch eine ausgeprägte Symptomatik zeigten, begaben sich im Anschluss aus eigener Motivation in zusätzliche Psychotherapie: 41 Prozent jener, die via Internet betreut wurden, und 27 Prozent der Patientinnen, die mit dem Buch gearbeitet haben, nahmen eine anschließende Face-to-Face Therapie in Anspruch.

Gerade das Internet kann in diesem Bereich Fluch oder Segen sein. Als Fluch werden von Experten die sozialen Netzwerke bezeichnet. Im Internet gibt es Hunderte von Seiten, Foren und Gruppen, in denen austauschen, sich gegenseitig für Abnehmerfolge loben und anfeuern und Tipps geben können. Auch Melanie kennt solche Gruppen: "Zum Schluss war ich mit vielen solcher Mädchen übers Internet befreundet. Wir kannten uns nur im Netz. Wir haben uns gegenseitig Fotos gepostet, gelobt, wenn eine von uns abgenommen hat. Und natürlich haben wir die Fotos auch heimlich mit unseren Bildern verglichen -und uns damit weiter in den Wahnsinn getrieben." Die Magersucht wird dort als Lebensideal dargestellt und verharmlost. Hervorstehende Knochen gelten als Ziel, dass man erreichen muss. Ist man Mitglied einer solchen Gruppe, stellt sich das Wirgefühl ein; man fühlt sich sicher, verstanden und auf dem richtigen Weg.

Quelle: Neue Kärntner Tageszeitung vom 31.3.2013

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USA: Tabak nur unter dem Ladentisch

Zigaretten sollen in New York nach dem Willen von Bürgermeister Michael Bloomberg künftig unter dem Ladentisch verschwinden. Der Politiker will Geschäften verbieten, Tabakwaren öffentlich anzubieten. Zigaretten sollen nur dann herausgeholt werden, wenn sie verlangt werden. New York, das schon das Rauchen in allen Parks und an den Stränden verboten hat, wäre die erste Stadt in den USA mit solch einem Gesetz.
Bloomberg sieht seinen Vorschlag als Beitrag für mehr Gesundheit - gerade bei Jugendlichen: "Wenn die Zigaretten öffentlich angeboten werden, lässt dies das Rauchen als einen ganz normalen Zeitvertreib erscheinen. Das lädt junge Leute ein, es doch mal zu versuchen."

Quelle: Vorarlberger Nachrichten vom 30.3.2013

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Glücksspiel: Der Staat gewinnt immer

Zypern will über die Legalisierung von Glücksspiel neue Steuern lukrieren und so sein Budgetproblem lösen. Eine Taktik, die Staaten und Herrscher in der Geschichte schon oft erfolgreich anwandten.

Chrysostomos II., Erzbischof und Oberhaupt der einflussreichen zypriotischen orthodoxen Kirche, hat die Idee zwar bereits verurteilt. Dennoch dürfte sich Nikos Anastasiadis, der Präsident des wirtschaftlich angeschlagenen kleinen EU-Mitgliedslandes im östlichen Mittelmeer, schlussendlich durchsetzen - und Zypern künftig auch im griechischen Süden ein Kasino haben. Dies soll den Tourismus ankurbeln und Steuereinnahmen bringen. Steuern, die das Land dringend zur Sanierung des Staatshaushalts braucht, nachdem das bisherige Geschäftsmodell (Schwarzgeld vermögender Ausländer zu zypriotischen Banken locken) in den vergangenen Wochen mit einem lauten Knall implodiert ist.

Was auf den ersten Blick wie die abstruse Idee eines in die Ecke gedrängten Kleinstaates wirkt, ist historisch betrachtet aber gar nicht so ungewöhnlich. So griffen Staaten oder Herrscher auf der Suche nach neuen Steuerquellen in der Geschichte immer wieder nach dem Glücksspiel - und erließen für die oftmals verbotenen, in der Illegalität aber immer betriebenen Spiele Lizenzen oder Konzessionen. Und wie in Zypern führten mitunter auch singuläre Ereignisse zur plötzlichen Erlaubnis von Glücksspielen. "So wurde etwa in Preußen 1763 das Zahlenlotto eingeführt. Grund dafür waren die massiven Schulden aus dem eben zu Ende gegangenen Siebenjährigen Krieg", sagt Manfred Zollinger vom Institut für Wirtschaftsgeschichte an der WU Wien.

Alte Würfel. Das Spiel mit dem Glück reicht bereits bis zum Anbeginn der Menschheitsgeschichte zurück. Die ersten Würfel werden auf rund 5000 vor Christus datiert. Dabei handelte es sich jedoch noch nicht um Würfel im heutigen Sinn. Geworfen wurden damals Sprunggelenksknöchelchen von Ziegen oder Schafen, wie archäologische Funde ergeben haben. Doch bereits im mesopotamischen Reich (3000 v. Christus) gab es den heutigen sechsseitigen Würfel. Und Glücksspiele.

Diese erfreuten sich auch im Römische Reich großer Beliebtheit. Unklar ist laut Zollinger jedoch, inwieweit der Staat sich damals bereits in Form von Steuern an den Einnahmen des Glücksspiels beteiligt hat. Auf jeden Fall profitierten die römischen Herrscher aufgrund der Devise "Brot und Spiele" indirekt vom Glücksspiel (der römische Dichter Juvenal kritisierte mit diesem Schlagwort übrigens das mangelnde Politikinteresse seiner Landsleute nach dem Ende der Republik). So waren etwa Wetten ein integraler Bestandteil von Gladiatorenkämpfen oder Wagenrennen.

Dieser verhältnismäßig liberale Zugang zum Glücksspiel änderte sich jedoch mit der Christianisierung des Römischen Reiches. Denn die Kirche verdammte die Spiele als unmoralisch und verwerflich. Dies, obwohl sich in der Bibel kein einziger direkter Bezug zum Glücksspiel finden lässt. Und indirekt kommt es eher in einem positiven Zusammenhang vor: So wird etwa in der Apostelgeschichte Matthias als Nachfolger des Verräters Judas Ischariot per Losentscheid zum neuen zwölften Apostel gewählt. Begründet wird die Ablehnung der Kirche jedoch mit anderen Bibelstellen. So heißt es etwa bei Timotheus 6,10: "Denn die Geldgier ist eine Wurzel allen Übels."

Die christliche Religion ist hier nicht allein mit ihrer Ablehnung gegen das vordergründig leicht verdiente Geld. So wird das Glücksspiel auch im Judentum oder dem Buddhismus abgelehnt. Am eindeutigsten positioniert sich in dieser Frage jedoch der Islam. So heißt es im Koran (Sure 5:90) "Ihr Gläubigen! Wein, das Losspiel, Opfersteine und Lospfeile sind Gräuel und Teufelswerk."

Verbote.
Diese einhellige Ablehnung durch die Religionen führte dazu, dass das Glücksspiel in Regionen oder zu Zeiten, in denen der Glaube eine starke Rolle im Leben der Menschen spielte, starken Restriktionen oder überhaupt generellen Verboten unterworfen war. Dies trifft auch heute noch in vielen Ländern der islamischen Welt oder manchen Teilen der USA zu. In Europa war dieses generelle Verbot des Glücksspiels vor allem im Hochmittelalter ausgeprägt, als so gut wie nirgendwo legal gespielt werden durfte und es für Spieler auch hohe Strafen geben konnte.

Dies änderte sich jedoch in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Und wieder war es das liebe Geld, das anfangs vor allem die Stadtstaaten Oberitaliens dazu brachte, nach und nach Lizenzen an Betreiber von Spielhäusern zu vergeben. "Diese Staaten hatten erstmals eine größere Verwaltung und Bürokratie. Daher benötigten sie neue Einnahmequellen, um das zu finanzieren", sagt Zollinger. Hinzu kamen Kriege, die im auch immer öfter mit bezahlten Söldnerheeren ausgefochten wurden. Im Lauf der Zeit wurden solche Lizenzen auch in Österreich, Frankreich, Deutschland oder Großbritannien vergeben.

Die Abgaben konnten dabei entweder fixe Lizenzgebühren sein oder sich nach dem prozentuellen Umsatz richten. Auch die Zahl und Art der betroffenen Spiele nahm ständig zu. So ersetzten die im 14. Jahrhundert aus Asien importierten Spielkarten vor allem bei der europäischen Oberschicht zunehmend die Würfelspiele. Aber auch Schach galt über Jahrhunderte als Glücksspiel, das zwar oft in Kombination mit Würfeln, aber in jedem Fall um Geld gespielt wurde. "Es gab damals eigentlich kaum ein Spiel, bei dem nicht um Geld gespielt wurde", sagt Zollinger. So etwa auch das heute in vielen europäischen Ländern bei Kindern beliebte Gänsespiel.

Senatorenlotto. Neben Würfel- oder Kartenspielen in Spielhäusern trat ab dem 15. Jahrhundert auch eine weitere Form des Glücksspiels auf - die Lotterie. Und diese Form eignete sich für die Staaten noch viel besser zur Besteuerung. Als Geburtsstunde des modernen Lottos gilt dabei das Jahr 1643. Damals wurden in Genua die Senatoren von den Bürgern bestimmt. In der Regel standen dabei zwischen 90 und 110 Kandidaten zur Auswahl, von denen fünf gewählt wurden. Schon bald entstand ein reger Wettbetrieb auf die Senatorenwahl, den die Stadt Genua schlussendlich monopolisierte. Diese Form der Lotterie breitete sich in der Folge in ganz Europa aus und wurde etwa in Österreich im Jahr 1752 unter Maria Theresia eingeführt - natürlich mit einer ordentlichen Steuer versehen. Und auch heute noch wird das Spiel "5 aus 90" unter dem Namen Zahlenlotto hierzulande angeboten.
Das Verhältnis der Mächtigen zum Glücksspiel blieb jedoch weiterhin ambivalent. So brachte es zwar schöne Steuereinnahmen oder konnte genutzt werden, um eigene finanzielle Verpflichtungen zu begleichen (Ludwig XIV. vergab etwa statt Pensionen für verdiente Mitglieder des Hofstaates Kasinolizenzen). Dennoch führten die weiter bestehende Ablehnung durch die Kirche sowie die sozialen Folgen durch Spielsüchtige immer wieder dazu, dass Lotterien oder Kasinos wieder geschlossen wurden. "Es hing halt davon ab, ob es sich ein Herrscher leisten konnte, auf das Glücksspiel zu verzichten", sagt Zollinger.
Verhältnismäßig repressiv wurde in Europa der Zugang zum Glücksspiel im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ein Umstand, der auch den Aufstieg von Monte Carlo begünstigte. Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es jedoch wieder eine deutliche Zunahme des legalisierten Glücksspiels. Oft wurden so soziale Einrichtungen finanziert, für die der Staat sonst nicht genügend Geld aufbringen konnte. Denn eine Regel gilt seit Anbeginn: Glücksspiel ist für die Spieler in der Regel ein Verlustgeschäft.

Wahrscheinlichkeit.
So liegt die Wahrscheinlichkeit beim heimischen "6 aus 45", drei richtige Zahlen zu tippen, lediglich bei etwas mehr als zwei Prozent, für einen Sechser liegt dieser Wert sogar nur bei 0,0000123 Prozent. Wer sich mit Wahrscheinlichkeitsrechnung beschäftigt wie Harald Rindler, Dekan am Institut für Mathematik der Universität Wien, kann Glücksspiel also nur als "Zeitvertreib, der während der Ziehung ein paar Minuten Spannung bringt" sehen. Dennoch ist auch beim Lotto nicht alles Zufall - etwa das System "6 aus 45". Denn dieses bringt genau 8.145.060 mögliche Kombinationen. In einem Land mit rund acht Millionen Einwohnern ist somit die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zwar regelmäßig einen Sechser gibt, aber auch nur selten mehr als einen. "So bleibt die Motivation bei den Spielern hoch", sagt Rindler.
Dass die Motivation zum Spielen ungebrochen ist, zeigen die Zahlen aus einer Studie der EU. So wird in Europa pro Jahr ein Bruttospielertrag (Einsätze minus ausgezahlte Gewinne) in der Höhe von etwa 55 Milliarden Euro erzielt. Der Großteil davon fließt an die Staaten mittels Steuern. Gut illustrieren dies die Zahlen des heimischen Lottos seit dem Start im Jahr 1986: So setzten die Österreicher seither 34 Milliarden Euro ein. 20,2 Milliarden Euro gingen als Gewinne an die Spieler zurück. 5,3 Milliarden Euro wurden für die Verwaltung der Lotterien, Provisionen der Annahmestellen, Sporthilfe und den Gewinn der Lotterien verwendet. Der wahre Gewinner war jedoch der Staat: Dieser lukrierte über die Besteuerung 8,5 Milliarden Euro.

Quelle: Die Presse vom 7.4.2013

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BRD: Alkoholismus kostet 27 Milliarden

Legale Drogen verursachen viel mehr gesellschaftliche Probleme als harte. Expert/innen dringen auf eine restriktivere Politik - vor allem beim Umgang mit Bier, Wein und Schnaps. Alkohol verursacht laut dem aktuellen "Jahrbuch Sucht 2013" jedes Jahr rund 74.000 Todesfälle - in Gestalt etwa von Leberzirrhose, Magen- und Brustkrebs. Übertroffen wird Alkohol unter den Genuss- und Suchtmitteln nur von Tabak. Der fordert jährlich 100.000 bis 120.000 Tote. Auch wenn man sie von der individuellen Gefahr nicht vergleichen kann: Auf das Konto illegaler Drogen wie Heroin, Kokain und Amphetamine gehen "nur" weniger als 1000 Todesfälle. Der volkswirtschaftliche Schaden ist bei Alkoholismus am größten.

27,2 Milliarden Euro kostet die Sucht die Deutschen, rund zweieinhalb Prozent der Wirtschaftsleistung. Eingeschlossen die medizinische Versorgung, Arbeitsausfälle, Frühberentungen, Erwerbsunfähigkeit. Oder: 300 Euro pro Bundesbürger kostet die Alkoholsucht, 600 Euro, wenn die Folgen für das Arbeitsumfeld einbezogen sind. Zehn Millionen Tabakabhängige gibt es, dazu 3,3 Millionen Alkoholiker, 1,4 Millionen Medikamentensüchtige (vor allem abhängig von Benzodiazepinen) sowie 380.000 Menschen mit gesundheitsschädlichem Cannabiskonsum.

In Deutschland vergehen im Schnitt 15 Jahre, bis professionelle Hilfe Alkoholabhängige erreicht, bei den Konsumenten von illegalen Drogen und Tabak sind es zwölf bzw. 23 Jahre. Jahre, in denen sich die Sucht verfestigen kann.

"Völlig vergessen wird, dass auch schon ein gesundheitliches Risiko besteht, wenn man noch nicht süchtig machende Mengen trinkt", sagt DHS-Vertreterin Bartsch. Tolerabel sind - regelmäßig getrunken - 0,3 Liter Bier oder knapp 0,2 Liter Wein pro Tag (Frauen) und 0,5 Liter Bier oder 0,3 Liter Wein (Männer). Das markiert die Grenze, bei der auch das empfindlichste Organ noch keinen Schaden nimmt.

Quelle: Die Welt vom 4.4.2013

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USA: Drunkorexia?

Neue, an US-Colleges offenbar immer weiter verbreitete Krankheit, die auf einer einleuchtenden Erkenntnis beruht: Alkohol macht zwar die Menschen schön, aber leider immer nur die anderen. Man selber bekommt davon fleckige Haut, schlechten Atem und - bei anhaltendem Abusus - einen Bierbauch. Denn Alkohol enthält blöderweise Kalorien, und auch wenn nichts dagegen spricht, sich hin und wieder besinnungslos zu betrinken, spricht natürlich alles dagegen, dabei dick zu werden. Deshalb hat sich in nämlichen College-Kreisen die denkbar einfache Gegenstrategie durchgesetzt, tagsüber jene Kalorien einzusparen, die man nachts runterzuschlucken gedenkt; alternativ wird auch vorbeugend ins Fitnessstudio gegangen. In mehreren Studien konnte bereits ein signifikanter Zusammenhang zwischen überdurchschnittlicher Diät- bzw. Fitnessaktivität und übermäßigem Alkoholkonsum unter US-Studenten festgestellt werden.

Quelle: profil vom 29.3.2013

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CH: Ständerat beschließt für alkoholische Getränke

Überraschend hat der Schweizerische Ständerat am Mittwoch mit einer knappen Mehrheit von 19 zu 18 Stimmen die Einführung von Mindestpreisen für alkoholische Getränke beschlossen. Begründet wird dies mit der Prävention von Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen und auch mit einer Stärkung der Schweizer Spirituosenhersteller, die teurer produzieren als die ausländische Konkurrenz. Wirtschaftsverbände bezeichnen den Schritt als unverhältnismäßig. Gemäss jenem Gesetzesartikel im Alkoholhandelsgesetz soll der Bundesrat Mindestpreise für alkoholische Getränke festlegen. Ein Mindestpreis von gegen 20 Franken für eine Flasche Wodka sei nun denkbar. Während sich der Ständerat zu allgemeinen Mindestpreisen bereit zeigte, lehnte er ein Verbot von Sonderangeboten in Lokalen ("Happy Hours" oder "Flat-Rate-Partys") ab.

Kein Alkohol nach 22 Uhr: Mit einer deutlichen Mehrheit von 30 zu 10 Stimmen wurde ein Verkaufsverbot von Alkohol im Detailhandel nach 22 Uhr angenommen. Wieder wurde mit dem Schutz der Jugend argumentiert. Das Thema geht nun an den Nationalrat weiter, der gewisse Punkte explizit genauer prüfen soll. So will der Ständerat bei Verstößen gegen den Jugendschutz in Gastronomie und Detailhandel (Testkäufe) nicht das Personal bestrafen, sondern die Unternehmen.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung vom 22.03.2013

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Wein und Möbel aus dem Therapiezentrum

In Europas größtem Drogen-Rehabilitationszentrum bei San Marino wird nicht nur Wein angebaut. Aus alten Fässern werden seit kurzem Objekte, die von internationalen Top-Designern entworfen wurden.

Auf dem Gelände der Comunità San Patrignano herrscht Rauchverbot. Umso erstaunlicher, dass zum Mittagessen Wein gereicht wird. Und zwar keineswegs nur den Besuchern, sondern auch den gesamten 1300 Insassen des größten Drogen-Rehabilitationszentrums Europas, die man hier nur Ragazzi, also "Jungs und Mädchen" nennt. Der Wein spielt für in dieser Einrichtung eine ganz besondere Rolle, zum einen, weil er den Ragazzi helfen soll, den Unterschied zwischen Genuss und Abhängigkeit zu begreifen. Und zum anderen, weil sein Anbau und seine Erzeugung von großer symbolischer Bedeutung für die Gemeinschaft sind. In der Tat genießen die Weine von San Patrignano einen hervorragenden Ruf, werden von den wichtigsten Weinführern prämiert und stehen sinnbildlich für die Exzellenz aller Produkte, die in den zahlreichen Manufakturen und Werkstätten des Rehabilitationszentrums erzeugt werden.

Die Autofahrt über das mehrere Hektar große Areal von der Weinkellerei zur Tischlerei führt vorbei an der Pferde- und Hundezucht der Gemeinschaft, an der Bäckerei, der Käserei, den Rinder- und Schweineställen, der Schule und dem Kindergarten für die 75 Kinder, die hier leben. Rund um das Gebiet erstrecken sich die sanften Hügel des Vor-Apennins, fast alle davon bepflanzt mit Reben.

Ein Teil der 600.000 Flaschen Wein, den die Gemeinschaft jährlich erzeugt, reift in Barriques, aus Frankreich stammenden Fässern aus Eichenholz, die dem Wein mehr Körper, zusätzliche Aromen und Geschmacksnoten verleihen sollen. Im Durchschnitt hat eine Barrique nach drei Jahren ausgedient, danach wird sie üblicherweise entsorgt. In San Patrignano werden sie seit vergangenem Jahr nicht mehr weggeworfen, sondern in die Tischlerei gebracht und in Möbel verwandelt. Einige der bekanntesten und besten Designer der Welt konnten für das Projekt, Möbel aus Fassdauben zu entwerfen und sie in der Tischlerei von San Patrignano herstellen zu lassen, gewonnen werden. Unter den mehr als 30 Designern finden sich berühmte Namen wie etwa Karim Rashid, Angela Missoni, Elio Fiorucci, Paolo Pininfarina, Antonio Citterio und Matteo Thun. Die Entwürfe der Designer reichen von Tischen, Stühlen und Hockern über Chaiselongues, Lampen und Leuchten bis hin zu Schaukeln und Schaukelpferden. "In erster Linie gefiel mir der soziale Aspekt der Initiative", begründet der Architekt und Designer Matteo Thun seine Teilnahme, "und in einer zweiten reizte mich die Wiederverwertung des Materials."

Enrico Sipione (35), einer der Patienten, ist mit 16 Jahren mit seinen Eltern aus Italien ins pfälzische Frankenthal gezogen. "Nachdem ich mehrmals wegen Drogenkonsums verhaftet wurde, stellten mich die dortigen Behörden vor die Wahl: entweder Entzug oder Knast - so kam ich hierher. Es hat einige Zeit gedauert, um aufgenommen zu werden, die Warteschlangen sind lang, über vier Monate habe ich jeden Tag angerufen, irgendwann hat es dann geklappt", erzählt der gebürtige Sizilianer, der seine dreijährige Therapie in wenigen Wochen abschließen und danach wieder in seinem angestammten Beruf als Maurer arbeiten wird. "Doch, man kann auch in San Patrignano als Maurer arbeiten", sagt Sipione, "aber für die Therapie ist es besser, wenn man nicht bei seinem angestammten Beruf bleibt, sondern etwas Neues erlernt und erfährt." Die Arbeit mit Holz gefalle ihm sehr gut, und von dem Projekt der umgewidmeten Barriques spricht er geradezu mit Begeisterung. "Der symbolische Wert der Sache ist sehr stark, in San Patrignano werden Fässer, die einst Wein enthielten, nicht entsorgt, sondern verwandelt und beginnen danach ein neues Leben - also gewissermaßen wie wir alle hier", sagt Sipione.

Quelle: Der Standard vom 12.4.2013

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Österreich: Alkohol greift auch die Knochen an

Junge männliche Alkoholiker haben ein erhöhtes Osteoporoserisiko. Das wiesen Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck (Klinik für Biologische Psychiatrie) bereits im Jahr 2010 nach. In einer Folgestudie konnten Dr. Peter Malik und sein Team andererseits nun auch belegen, dass bereits nach achtwöchiger Abstinenz eine deutliche Verbesserung des Knochenstoffwechsels feststellbar ist. Der Suchtexperte rät bei erhöhtem Alkoholkonsum zur Messung der Knochendichte - vor allem, wenn zusätzliche Risikofaktoren wie zum Beispiel Rauchen vorliegen.

Quelle: Kronen Zeitung vom 10.4.2013

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Norwegen: Rauchen von Heroin soll entkriminalisiert werden

A Quiet Revolution: Drug Decriminalisation Policies in Practice Across the Globe

Für speziell Interessierte – eine englische Publikation mit einem „globalen“ Überblick zur Thematik:

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