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Glücksspiel in Österreich: Freispiel für Winwin

Bereits seit drei Jahren findet sich im heimischen Glücksspielgesetz ein Passus, wonach alle Spielautomaten an das Bundesrechenzentrum angebunden werden sollen. Die Maßnahme wurde beschlossen, um sicherzustellen, dass die Spielerschutzmaßnahmen eingehalten, Manipulationen verhindert und die Steuern korrekt abgeführt werden. Vollzogen wird die Regelung aber noch immer nicht.

Eine ausstehende Verordnung des Finanzministeriums soll nun mit August 2013 in Kraft treten. Alle Automaten werden freilich auch dann nicht an angeschlossen sein. Für die Lotterien, an denen der Staat indirekt beteiligt ist, enthält die Verordnung nämlich eine Sonderregelung. Sie haben für bestehende Spielautomaten eine Übergangsfrist bis 2015 bekommen. Konkret geht es um 833 Video Lotterie Terminals, die an 13 Winwin-Standorten betrieben werden. VLT sind im Grunde normale Spielautomaten. Einziger Unterschied: Der Zufallsgenerator befindet sich nicht in jedem Gerät, sondern in einem zentralen Server.

Bei den Lotterien will man nicht von einer "Extrawurst" sprechen und argumentiert, dass die Umstellung nicht von einem Tag auf den anderen möglich sei. Aus finanzieller Sicht ist die Fristerstreckung freilich ein großer Vorteil. Das Automatenspiel ist jedenfalls ein Wachstumsmarkt. Winwin konnte den Umsatz im Vorjahr um 15,6 Prozent auf 458 Millionen Euro steigern. Auch die Ausbeute pro Automat wurde in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert. 2009 lag der Umsatz pro VLT noch bei 462.000 Euro, im Vorjahr waren es bereits fast 550.000 Euro.

Quelle: Der Standard vom 22.5.2013

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Studie: Alkohol in der Pubertät prägt das Trinkverhalten

Wer im Alter zwischen 12 und 14 Jahren das erste Mal Alkohol konsumiert, erhöht sein Risiko, auch später im Leben mehr und öfter zur Flasche zu greifen. Das berichten Wissenschaftler um Miriam Schneider und Rainer Spanagel vom Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. Ihre Ergebnisse werden erst in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift Alcoholism: Clinical & Experimental Research veröffentlicht, sind aber schon jetzt in einer Kurzfassung einsehbar. Die Forscher hatten das Schicksal von 283 jungen Leuten verfolgt. Das Besondere an ihrer Studie ist, dass sie in jungem Alter begann und die Probanden mehrere Jahre lang begleitete. Darüber hinaus führten die Wissenschaftler Studien an Ratten durch.

"Das Belohnungssystem des Gehirns verändert sich während der Pubertät stark", erklärt der Pharmakologe Spanagel. Es arbeite in dieser Phase besonders intensiv. "Deshalb ist das Gehirn während der Pubertät in einem sehr empfänglichen Zustand für jede Art von Belohnung." Es reagiere in diesem Lebensalter somit auch besonders intensiv auf Drogen, welche über das körpereigene Belohnungssystem wirken. Die mit dem Alkohol verbundenen Glücksgefühle könnten Auswirkungen auf den Alkoholkonsum im ganzen weiteren Leben haben, so Spanagel.

Die meisten jungen Menschen probieren zum ersten Mal Alkohol, wenn sie in die Pubertät kommen. Erstaunlicherweise schützt aber offenbar nicht nur ein späterer Beginn vor einem ungezügelten Konsum, sondern auch ein früherer Griff zur Flasche. Junge Menschen, die schon vor dem zwölften Lebensjahr Erfahrungen mit Bier oder Wein gesammelt haben, neigen den Mannheimer Ergebnissen zufolge weniger zu einem erhöhten Konsum als jene, die in der Pubertät begannen. Oft wird ja davon gesprochen, dass sich der Hang zum Alkohol um so ungünstiger entwickelt, je früher junge Menschen die ersten Trinkerfahrungen machen. Die Mannheimer Daten aber liefern Hinweise, dass die Entwicklungsphase eine noch viel wichtigere Rolle spielt als der Zeitpunkt des ersten Kontakts allein. Deshalb fordert Miriam Schneider, Präventionsprogramme stärker auf Pubertierende zuzuschneiden.

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 18.5.2013

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Russland: Heroin vom Hindukusch

Russland sieht eine Drogenwelle aus Afghanistan auf sich zurollen, wenn Amerikaner und Nato-Staaten die Mehrheit ihrer Kampftruppen bis Ende 2014 vom Hindukusch abgezogen haben und es bis dahin nicht gelingt, das Land zu stabilisieren und wirtschaftlich voranzubringen. Zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Russen sind drogenabhängig, 90 Prozent dieser Abhängigen konsumieren Heroin aus Afghanistan. Dort werden 95 Prozent des weltweit konsumierten Heroins produziert. Wie viel Tonnen des Rauschgifts Russland auf der sogenannten Nordroute durch das postsowjetische Zentralasien jährlich erreichen, ist zwar umstritten. Die Angaben schwanken zwischen 10 und 75 Tonnen. Sicher ist, dass in Russland jedes Jahr 30 000 Süchtige an den Folgen des Konsums der gefährlichen Ware vom Hindukusch sterben.

In einer Studie der New Yorker Forschungseinrichtung "East-West-Institute" hieß es jüngst, dass zwischen 2009 und 2010 etwa 90 Tonnen hochkonzentrierten Heroins, das entspräche einem Viertel der geschätzten afghanischen Produktion, nach Zentralasien geschleust worden seien. Drei Viertel dieser Menge sollen den russischen Drogenmarkt erreicht haben. Ein geringer Teil sei möglicherweise von Russland aus weiter nach Europa geschmuggelt worden, heißt es in der Studie. Dies wird von der russischen Drogenbehörde jedoch bestritten. Diese hat zugleich vorgerechnet, dass die afghanische Heroinproduktion seit dem Beginn der amerikanischen Militärintervention von 2001 um das Dreißig- bis Vierzigfache gestiegen sei und dass die Anbauflächen von Schlafmohn im vergangenen Jahr noch einmal um 20 Prozent vergrößert worden seien. Im laufenden Jahr sei mit einer Rekordernte von zwischen 7000 und 8000 Tonnen Rohopium zu rechnen, die zu maximal 800 Tonnen Heroin in höchster Konzentration verarbeitet werden könnte. Das würde mit den eingelagerten Reserven von schätzungsweise 60 000 Tonnen auf Jahre hinaus ausreichen, den russischen Markt über Zentralasien zu beliefern und über die Balkanroute Heroin auch nach Westeuropa zu bringen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11.6.2013

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Amerika: Vom Drogenkrieg zu einer neuen Drogenpolitik

Zum ersten Mal hat an einer Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) eine substanzielle Debatte um die Ablösung des gescheiterten Repressionsmodells durch eine differenzierte Drogenpolitik stattgefunden.

In einer 20-Punkte-Erklärung wird festgehalten, dass Lösungen des Drogenproblems im Kampf gegen das organisierte Verbrechen unter den Gesichtspunkten der öffentlichen Gesundheit und Prävention, der Erziehung, der sozialen Gerechtigkeit und der Menschenrechte, der Stärkung der Institutionen und der lokalen und nationalen Entwicklung gesucht werden müssen. Die Behandlung und Rehabilitierung von Süchtigen seien als Alternative zu deren Kriminalisierung zu fördern, es seien ferner Anstrengungen nötig zur Senkung des Angebots illegaler Drogen wie auch der Nachfrage danach.

Das Meinungsspektrum unter den Regierungen reicht von der Liberalisierung des Konsums und Regulierung von Produktion und Handel aller Drogen über differenzierte Strategien der Entkriminalisierung bis zum Festhalten am Status quo des allgemeinen Drogenverbots. Unangefochten ist lediglich, dass die Drogensucht vermehrt als Problem der öffentlichen Gesundheit statt nur als Delikt behandelt werden soll. Die USA hatten Anfang letzten Jahres die Initiative des guatemaltekischen Präsidenten Pérez zu einer Diskussion ohne jegliche Vorurteile und unter Einschluss der Drogenlegalisierung noch brüsk abgelehnt. Sie schickten jetzt mit Staatssekretär Kerry und dem Drogenbeauftragten des Weißen Hauses, Gil Kerlikowske, ihre Schwergewichte nach Antigua und zeigten sich offen für die Debatte. Kerry gab freilich zu bedenken, dass Teil einer integralen Drogenpolitik auch die Bekämpfung des illegalen Geschäfts mit repressiven Mitteln sein müsse.

Unter den Experten - unter ihnen jene, die für die OAS einen im Mai veröffentlichten Bericht mit diversen Szenarien verfasst haben - zeichnet sich ein Konsens darüber ab, wie eine koordinierte neue Drogenpolitik aussehen und stufenweise verwirklicht werden könnte. Der erste Schritt wäre demnach die Entkriminalisierung des Konsums und des Besitzes beschränkter Mengen von Drogen. So würden Justiz und Strafvollzug von Unmengen von Bagatellfällen entlastet und Mittel frei werden, die für Behandlung und Prophylaxe eingesetzt werden könnten.

Danach wäre die Regulierung zu erwägen, also die kontrollierte Legalisierung der Herstellung und des Verkaufs von Cannabis, das weltweit den Grossteil des Drogenkonsums ausmacht und erwiesenermaßen nicht schädlicher ist als Tabak. Vorbilder für eine solche Regulierung sind, vor allem in Westeuropa, vorhanden. Die Auswirkungen auf illegales Geschäft, Korruption und Gewaltpegel könnten studiert werden. Sicher würde das organisierte Verbrechen Milliardengewinne einbüssen, während der Staat neue Steuerquellen erschließen könnte.

Wirkungsvolle Strategien und Maßnahmen, die sich bei Cannabis bewährten, könnten schließlich auch auf härtere Drogen übertragen werden. Mindestens bei der kontrollierten Abgabe von Drogen oder Ersatzstoffen gibt es ja auch bereits langjährige Erfahrungen, zum Beispiel mit Heroinsüchtigen in der Schweiz.

Im Fall des in Lateinamerika dominierenden Kokain steht ebenfalls ein differenziertes Vorgehen zur Debatte. Die kontrollierte Produktion von Kokablättern und die Herstellung von einfachen Koka-Erzeugnissen (Tee, Salben usw.), die in den Andenländern seit je ohne Schaden für die Volksgesundheit konsumiert werden, sollte überall legalisiert werden. Der große individuelle und soziale Schaden aus dem Konsum von Kokainpaste in verschiedenen Formen - Crack und Ähnlichem - wäre zu reduzieren. Schließlich sollte die Regulierung des Kokains erwogen werden, da es weniger Schaden anrichte als die Paste-Produkte.

Natürlich bergen die neuen Konzepte Risiken. Diese werden freilich nach Ansicht der meisten Experten weit übertroffen vom Gewinn, der erzielt wird, wenn das Drogengeschäft dem Wirkungsfeld des organisierten Verbrechens ganz oder teilweise entzogen werden kann. Die in Teilen Lateinamerikas weit vorangeschrittene Unterhöhlung der staatlichen Strukturen durch Gewalt und Korruption ist wohl nur so zu bremsen, ebenso die Finanzmacht der Drogenmafia, die mittels Geldwäscherei und Aneignung sauberen Besitztums in die legale Wirtschaft einsickert.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung vom 8.6.2013

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Europa: Drogen - nicht mehr aber unberechenbarer

Allenthalben häufen sich die Meldungen in den Medien, dass Europa von einer Flut neuer Drogen überschwemmt wird. Tatsache ist allerdings, dass diese Substanzen erstens in der Regel chemisch minimal veränderte Varianten bekannter Substanzen sind und zweitens sehr punktuell auftauchen. Die meisten davon verschwinden nach kurzer Zeit auch wieder vom Markt.

"Die neuen psychoaktiven Substanzen sind heute die Herausforderung. Bei den bekannten Drogen ist die Situation in Österreich und in Europa weitgehend stabil. Heroin stagniert sogar. Es werden nicht mehr Substanzen konsumiert, aber der Konsum findet mit viel mehr Risiko statt", sagte am Dienstag Wiens Drogenkoordinator Michael Dressel.

Im vergangenen Jahr tauchten in Europa 73 neue Substanzen auf, vier davon in Österreich. Die Forschung weiß darüber kaum Bescheid. Es sind vor allem Substanzen mit amphetaminähnlicher (aufputschend) oder THC-ähnlicher Wirkung (entspannend). Das Risiko ist nicht einzuschätzen.

Quelle: Salzburger Nachrichten vom 26.6.2013

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BRD: Weniger Alkohol an Jugendliche verkauft

Immer seltener verkaufen Tankstellenshops verbotenerweise Alkohol und Tabakwaren an Jugendliche. Das zeigt eine Serie von Testkäufen, welche das Blaue Kreuz im Auftrag der Erdöl-Vereinigung durchgeführt hat. Von den Anfang 2013 getesteten Betrieben verkauften im Durchschnitt 12 Prozent illegal Alkohol an Jugendliche, wie die Erdöl-Vereinigung schreibt. Beim Tabak waren es 14 Prozent. 2011 verkaufte noch fast jede dritte Tankstelle illegal Alkohol an Jugendliche. Bei den ersten Testkäufen im 2006 fiel beinahe die Hälfte der Verkaufsstellen durch. Regionen, in denen schon seit einigen Jahren Testkäufe durchgeführt werden, schnitten deutlich besser ab als andere. In Zürich zum Beispiel fielen beim Kampagnenstart vor sieben Jahren noch 40 Prozent der Tankstellen durch, dieses Jahr waren es 10 Prozent. Die Testkäufe wurden zwischen Ende Januar und Ende April in 19 Kantonen durchgeführt. Insgesamt wurden 852 Testkäufe für Alkohol und 722 für Tabakwaren getätigt.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung vom 7.6.2013

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Tabak: WHO will weltweites Werbeverbot

Die Tabakwerbung trägt laut einer neuen Studie die Hauptschuld daran, dass so viele junge Menschen mit dem Rauchen beginnen. Aus diesem Grund forderte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Blick auf den Weltnichtrauchertag am gestrigen Freitag ein weltweites Verbot jeglicher Tabakwerbung.

Für die Untersuchung beobachteten Forscher rund 1300 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren zweieinhalb Jahre lang. Zu Beginn der Studie rauchten sie nicht. Nach zehn Kontakten mit Tabakwerbung erhöhte sich das Risiko des täglichen Rauchens um 30 Prozent. Den jungen Leuten wurde dabei Werbung für verschiedene Zigarettenmarken in Zeitschriften und auf Plakaten vorlegt - und Werbung für andere kommerzielle Produkte wie Süßigkeiten oder Outdoor-Bekleidung.

Laut WHO-Angaben sterben weltweit pro Jahr fast 6 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, darunter mehr als 600.000 Nichtraucher wegen Passivrauchen. Zigaretten enthalten viele giftige und krebserzeugende Schadstoffe. Lungenkrebs, Herz-Kreislauf- und andere tabakbedingte Atemwegserkrankungen können tödlich enden.

Quelle: Kronen Zeitung 1.6.2013

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CH: 100 Franken Strafe für Cannabiskonsum statt Anzeige

Erwachsene Kiffer müssen ab Herbst 2013 nicht mehr mit einer Anzeige rechnen: Wer mit einem Joint erwischt wird, kommt mit einer Ordnungsbuße von 100 Franken davon. Der Bundesrat hat die Revision des Betäubungsmittelgesetzes auf den 1. Oktober in Kraft gesetzt. Mit der Neuerung für Mengen bis 10 Gramm würden Polizei und Justiz entlastet und Kosten gespart, schreibt das Bundesamt für Gesundheit. Für Jugendliche, die Cannabis konsumieren, gilt diese Gesetzesrevision nicht. Sie werden weiterhin in einem ordentlichen Jugendstrafverfahren beurteilt.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung 3.6.2013

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