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Gastronomie: Nichtraucherschutz wird meist nicht eingehalten

Eine aktuelle quantitative Erhebung in 314 Gastbetriebe im 7. Wiener Gemeindebezirk zum Thema Nichtraucherschutz in der Gastronomie wurden habe nun unerwartet Brisanz erhalten, sagte Studieninitiator Peter Tappler, Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen. Ausgegangen sei man nämlich davon, dass die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden, aber das sei nicht er Fall. Gerade die "Nichtraucher/Raucher-Betriebe" hätten katastrophal abgeschnitten. 98,9 Prozent dieser Lokale verstoßen laut Studie gegen das Tabakgesetz, so hielten etwa zwei Drittel die vorgegebene Trennung zwischen den Bereichen nicht ein, meist stehe die Tür offen, in einigen Fällen fehle sie ganz.

Es gehe sowohl um den Nichtraucher- als auch um Arbeitnehmerschutz, so Hans-Peter Hutter von Ärzte für eine Gesunde Umwelt. Passiv-Raucher atmen über den "Nebenstromrauch" hunderte Schadstoffe in vielfach höherer Konzentration ein als die Raucher selbst.

Von den ausgewiesenen Raucherbetrieben erfüllen 43,2 Prozent die Vorgaben nicht, 25 der insgesamt 81 überprüften Raucherlokale waren größer als 50 Quadratmeter. Da diese Überschreibung nur in Ausnahmefällen erlaubt ist, gehen die Autoren der Studie davon aus, dass der Nichtraucherschutz auch hier verletzt wird.

Quelle: OÖN, 9.12.2013
Forschungsbericht: "Nichtraucherschutz in der Gastronomie"

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Afghanistan: Das Land produziert mehr Opium denn je

Schon im Frühjahr hatte die Uno mit einer Rekordernte von Opium in Afghanistan gerechnet. Genaue Zahlen waren noch nicht bekannt, aber man wusste schon, dass die Fläche, auf der Schlafmohn angebaut wird, im Jahr 2013 deutlich höher liegen würde als im Jahr zuvor.
In diesem Jahr wurde in Afghanistan auf insgesamt 209.000 Hektar Schlafmohn angebaut, eine Fläche fast so groß wie das Saarland (in Österreich entspricht die Fläche etwa dem Bundesland Vorarlberg). Damit übertrifft sie die Anbaufläche von 1997, als sie ein Rekordhoch von 193.000 Hektar erreichte. Die erzielte Menge liegt jetzt bei 5500 Tonnen und ist eine Zunahme um 49 Prozent im Vergleich zu 2012, heißt es in dem Uno-Bericht.
Selbst in Regionen, wo Anbaugebiete auf staatliche Anordnung zerstört wurden, stieg die Anbaufläche, weil einfach andernorts Felder für Schlafmohn genutzt wurden. Bei der Bekämpfung des Drogenanbaus wurden dieses Jahr 143 Menschen getötet, 41 mehr als 2012.

Damit ist Afghanistan für 80 Prozent der weltweiten Opiumproduktion verantwortlich. Die Uno-Experten werteten den immer noch hohen Weltmarktpreis für Opium als den Hauptgrund für die Zunahme. Ein Kilogramm brachte 145 Dollar ein. Aber auch der bevorstehende Abzug der internationalen Truppen sowie die Wahlen im kommenden Jahr könnten die Bauern dazu getrieben haben, aus Angst vor einer ungewissen Zukunft auf das gewinnträchtige Opium zu setzen. Auf diese Weise versuchten sie, jetzt noch so viel Geld wie möglich zu verdienen. Insgesamt fiel die Zahl der opiumfreien Provinzen von 17 auf 15; insgesamt zählt Afghanistan 34 Provinzen.
Der Afghanistan-Chef von UNODC, Jean-Luc Lemahieu, sagte, auch die internationale Gemeinschaft stehe in der Verantwortung: Man dürfe nicht vergessen, dass von dem illegalen Geschäft weniger als zehn Prozent in Afghanistan blieben. "Mehr als 90 Prozent der Profite werden außerhalb von Afghanistan gemacht", sagte Lemahieu. "Kein Land sollte bei der Lösung solch enormer Probleme allein gelassen werden."

Quelle: Spiegel Online, 3.12.2013
UNODC: Afghanistan Opium Survey 2013

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BRD: Preisabsprachen angesichts Umsatzrückgang beim Bier

Der deutsche Biermarkt ist seit Jahren rückläufig. 2012 war der Absatz laut Statistischem Bundesamt mit rund 96,5 Mio. Hektolitern auf die niedrigste Menge seit der Wiedervereinigung gesunken. Die Branche liefert sich einen harten Konkurrenzkampf und konnte angesichts der sinkenden Nachfrage in den vergangenen zehn Jahren kaum Preiserhöhungen durchsetzen, während Energiekosten und die Preise für Hopfen und Gerstenmalz deutlich zulegten.

Nun bestraft das Kartellamt deutsche Brauer wegen Preisabsprachen. Fünf deutsche Brauereien – Bitburger, Krombacher, Veltins, Warsteiner und die Privatbrauerei Ernst Barre – haben sich zwischen 2006 und 2008 bei den Bierpreisen abgesprochen, urteilte die Behörde an diesem Montag. Das sei zum Schaden der Verbraucher gewesen, denn die hätten höhere Preise für Flaschen- und Fassbier hinnehmen müssen. Den Kunden sei jährlich ein Schaden von 432 Millionen Euro entstanden. 106,5 Millionen Euro Strafe müssen die Unternehmen nun zahlen...

Quellen: Finanznachrichten.de, ZEITonline 13.1.2014

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Straßenverkehr: Handys gefährlicher als Alkohol

Der Druck bzw. Sog in Richtung allgegenwärtiger Erreichbarkeit und pausenlosen Kommunikation hat messbare Folgen. Jeder vierte Fußgängerunfall ist im Vorjahr von einem abgelenkten Autofahrer verursacht worden. Das zeigt eine VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Damit ist Ablenkung der Autofahrer die häufigste Ursache von Unfällen zwischen Pkw und Fußgänger. Im Vorjahr passierten in Österreich 4.347 Verkehrsunfälle mit Fußgängern. Davon waren 3.281 Unfälle zwischen Fußgänger und Pkw. Damit sind Pkw der häufigste Unfallgegner von Fußgängern.

Handy als Risiko

Auffallend ist, dass durch abgelenkte Autofahrer 16 Mal so viele Fußgängerunfälle verursacht werden wie durch Alko-Lenker. Alkohol am Steuer ist heute gesellschaftlich geächtet. Dieses Bewusstsein fehlt aber leider beim Telefonieren am Steuer. Vielen ist nicht bewusst, wie gefährlich das Telefonieren oder SMS schreiben beim. Telefonierende Autofahrer reagieren so schlecht wie Alko-Lenker mit 0,8 Promille. Der VCÖ forderte, dass Handy am Steuer ein Vormerkdelikt wird.

Quelle: kurier.at, 16.12.2013

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USA: Marihuana-Aktien – Boom oder Crash?

Colorado ist seit dem Neujahrstag der erste Bundesstaat in den USA, in dem Marihuana an Personen ab 21 Jahren frei verkauft werden darf. Achtzehn Staaten und Washington, D.C., erlauben den Gebrauch von Marihuana zu Therapiezwecken, und elf lassen den Verkauf über Ausgabestellen zu, wie die Nichtregierungsorganisation National Conference of State Legislatures (NCSL) in Denver mitteilte. Die nationale Legalisierung könnte Bloomberg Industries zufolge womöglich eine 35 bis 45 Milliarden Dollar schwere Branche schaffen. Nun schießen die Aktien von Firmen aus der Cannabis-Branche durch die Decke. Doch die Aufsichtsbehörden warnen vor Betrügern.

Seit Colorado als erster Bundesstaat in den USA den Verkauf von Marihuana als Genussmittel legalisiert hat, reißen sich Spekulanten um Anteile an Unternehmen mit einem Bezug zur Cannabis-Pflanze. Nach Einschätzung von Bruce Perlowin, Chief Executive Officer der Firma Hemp – die seit Jahresbeginn auf ein Kursplus von rund 104 Prozent kommt –, suchen die Anleger nach "dem nächsten Microsoft".

Die Aktie des Unternehmens Advanced Cannabis, das Räumlichkeiten und Anlagen an lizenzierte Cannabis-Pflanzer vermietet, ging am Freitag mit 6,65 Dollar aus dem Handel, verglichen mit 3,25 Dollar Ende 2013 – ein Plus von mehr als 100 Prozent. Growlife, das Innenausstattungen für Pflanzer verkauft, zog von 15 Cent zum Jahresende im Hoch sogar auf rund 47 Cent an. Bei GreenGro Technologies beläuft sich das Plus auf knapp 410 Prozent. Der Kurs des Dienstleisters für Ausgabestellen medizinischen Marihuanas zog zeitweise sogar um mehr als 1700 Prozent an.

Doch es gibt auch skeptische Stimmen unter den Experten, die zur Vorsicht mahnen.
"Die Menschen flippen aus. Sie denken, sie haben den Heiligen Gral gefunden, und recherchieren nicht", sagt Frank Ingarra, leitender Händler von NorthCoast Asset Management in Greenwich, Connecticut. "Es könnte ein oder zwei geben, die überleben, aber bei solchen Verrücktheiten haben sich schon viele Leute die Finger verbrannt. Der Durchschnittsinvestor sollte sich das doppelt überlegen."

Die US-Finanzaufsicht Financial Industry Regulatory Authority (Finra) warnte die Anleger im August vor womöglich betrügerischen Anbietern von Aktien im Zusammenhang mit Gras und verwandten Dienstleistungen. Schwindler würden die Aktien erst anpreisen und dann im Rahmen eines sogenannten Pump-and-dump-Betrugs verkaufen, hieß es in der E-Mail. Firmen wurden nicht genannt.

Quelle: Die Welt, 13.1.14

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Wien: „Game over“ für Glücksspielautomaten außerhalb von Casinos

Das neue Jahr könnte jenes sein, in dem das Glücksspiel mit einzelnen Spielautomaten und -kabinen außerhalb von Kasinos aus Wien verschwindet. Rein rechtlich müsste es zumindest so sein – denn mit Dezember 2014 wird das sogenannte kleine Glücksspiel in Wien verboten.

Glücksspiel ist in Österreich an ein staatliches Monopol geknüpft, das die Republik durch die Vergabe von Lizenzen an private Unternehmen wie die Casinos Austria vergibt. Ausgenommen davon ist das kleine Glücksspiel. Das betrifft Automaten die – einzeln, also zum Beispiel in Lokalen aufgestellt – bei einem maximalen Einsatz von einem Euro einen maximalen Gewinn von tausend Euro in Aussicht stellen. Für solche Automaten dürfen die Bundesländer entscheiden, ob sie Konzessionen erteilen wollen – und sich mit Abgaben auf die Automaten ein signifikantes „Körberlgeld“ verdienen.

Derzeit tun das neben der Bundeshauptstadt auch Niederösterreich, die Steiermark, Kärnten und neuerdings auch das Burgenland und Oberösterreich; Salzburg, Tirol und Vorarlberg haben sich gegen eine Legalisierung entschieden.

Wien hat sich vor zwei Jahren zum Ausstieg aus dem kleinen Glücksspiel entschlossen, diesem Laster nicht noch länger zu frönen: Nachdem sich im Mai 2011 auf Antrag der rot-alternativen Sektion acht der SPÖ-Parteitag für ein Verbot des kleinen Glücksspiels ausgesprochen hatte, schwenkte die SPÖ-Spitze widerwillig, aber doch auf die Linie des grünen Juniorpartners ein, der schon lange ein Verbot forderte: Das Wiener Automatengesetz wird nicht mehr verlängert, womit alle rund 4800 Konzessionen in der Stadt mit Dezember 2014 auslaufen. Das wird mehrere Folgen haben: Zuallererst wird sich ein veritables Finanzloch im Budget der Stadt Wien bemerkbar machen: Rund 55 Millionen Euro kommen durch die Automatenabgabe Jahr für Jahr herein. Außerdem dürfte durch das Ende des kleinen Glücksspiels die Zahl der leer stehenden Betriebsflächen steigen – viele Lokale können nur dank des Entgelts im niedrigen Tausenderbereich überleben, das ihnen Automatenfirmen dafür überweisen, ihre Geräte im Lokal aufstellen zu dürfen.

Komplett verschwinden werden Spielautomaten aus Wien auch mit Ende 2014 nicht: Im selben Jahr werden nämlich die Bundeslizenzen für drei neue Kasinostandorte in der Hauptstadt und im niederösterreichischen Umland vergeben – jeweils mit bis zu 500 Automaten. Bei hunderten Automaten in einem Raum sei die Kontrolle einfacher als bei auf viele einzelne Lokale verteilten Geräten. Das Interesse an den Kasinostandorten in und um Wien ist groß: Neben den Casinos Austria und der Novomatic haben sich auch die austrokanadische Century Casinos sowie die deutsche Gauselmann-Gruppe mit der Schweizer Casino Baden um die Lizenzen beworben.

Quelle: Die Presse 29.12.2013

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USA: 50 Jahre Tabakkontrolle - 8 Millionen tote Raucher weniger

New York. Tabaksteuern, Aufklärung oder Rauch-Stopp-Programme haben in den vergangenen 50 Jahren etwa acht Millionen Menschen in den USA vor einem vorzeitigen Raucher-Tod bewahrt.

Weltweit sei der Anteil der Raucher in der Bevölkerung deutlich gesunken, berichten US-Forscher in mehreren Studien, die im Fachblatt "JAMA" veröffentlicht worden sind. Trotz dieser Erfolge sei das Rauchen ein zentrales Problem des Gesundheitswesens. Die absolute Zahl der Raucher sei seit den 1980er Jahren weltweit sogar gestiegen.

In Deutschland nimmt die Zahl der Raucher nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) seit gut zehn Jahren stetig ab. Rauchen ist ein Risikofaktor unter anderem für Krebs, chronische Atemwegsleiden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

1964 veröffentlichten Experten einen ersten umfassenden Bericht zu den Auswirkungen des Rauchens auf die Gesundheit. Als Folge dieses Berichts wurden in den USA in den nächsten Jahren von staatlicher und privater Seite zahlreiche Maßnahmen initiiert, die die Menschen vom Rauchen abhalten oder zum Aufhören bewegen sollten. Dazu gehörten zum Beispiel die Erhöhung der Tabaksteuern, der Erlass von Gesetzen zum Nichtraucher-Schutz und die Einführung von Marketing-Beschränkungen.

Die Wissenschaftler um Theodore Holford von der Yale School of Public Health (New Haven/US-Staat Connecticut) untersuchten in ihrer Studie, wie sich diese Maßnahmen auf die Zahl der durch das Rauchen bedingten Todesfälle ausgewirkt haben. Sie ermittelten dazu zunächst das Verhalten von Rauchern vor 1964, also ohne den Einfluss von Kontrollmaßnahmen. Dazu gehörten zum Beispiel wie viele Menschen überhaupt rauchten und wie viele Zigaretten sie täglich konsumierten.

Unter Berücksichtigung von epidemiologischen Daten und den vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Einfluss des Rauchens auf die Gesundheit ermittelten sie die Zahl der zu erwartenden Todesfälle durch Tabakkonsum. Die Ergebnisse verglichen die Forscher anschließend mit den tatsächlichen Zahlen zu den Todesfällen seit der Einführung der Kontrollmaßnahmen nach 1964. So konnten sie den positiven Einfluss der Tabakkontrolle herausrechnen.

Das Ergebnis: Zwischen 1964 und 2012 sind in den USA 17,7 Millionen Menschen gestorben, weil sie geraucht hatten. Wären keine Steuerungsmaßnahmen eingeführt worden, wären noch 8 Millionen Menschen mehr gestorben, darunter etwa zwei Mal so viel Männer wie Frauen, berichten die Wissenschaftler. Die Tabakkontrolle habe zudem die Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung erhöht.

Auch heute rauchten noch fast ein Fünftel der erwachsenen US-Bürger und Hunderttausende Menschen sterben jährlich vorzeitig aufgrund des Rauchens. Die Einführung der Tabakkontrolle sei eine Erfolgsgeschichte im Gesundheitswesen, aber es bedürfe anhaltender Anstrengungen, um Tabak-bedingte Erkrankungen und Todesfälle zu eliminieren, schreiben die Wissenschaftler.

Weltweit sei die Zahl der Raucher sowie die Zahl der täglich gerauchten Zigaretten seit 1980 sogar gestiegen, berichten Forscher um Marie Ng vom Institute for Health Metrics and Evaluation an der University of Washington (Seattle/US-Staat Washington). Aufgrund des Bevölkerungswachstums sei der Anteil der Raucher an der Bevölkerung jedoch gesunken. Die Forscher hatten für 187 Länder Daten zum Rauchverhalten der Bürger zwischen 1980 und 2012 ermittelt.

Quelle: General-Anzeiger Bonn, 7.1.2014

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Alkohol, Medikamente, Drogen: Zahl der süchtigen Senioren steigt

Rund 400.000 Menschen in Deutschland, die über 60 Jahre alt sind, haben ein Alkoholproblem. Mindestens viermal so viele Senioren, weit mehr als eine Million, gehen ebenso problematisch mit Medikamenten um. Dazu zählen Senioren, die noch in den eigenen vier Wänden leben, ebenso wie Bewohner von Altenheimen.

Experten beobachten, dass die Zahl der Abhängigen gerade bei Älteren derzeit steigt. Sie deuten dies als die Spätfolgen gesellschaftlicher Veränderungen: "Menschen, die heute 60 bis 65 Jahre alt sind, gehören zur ersten Generationen, die plötzlich Pillen gegen jede Form von körperlichen Beschwerden und Befindlichkeitsstörungen hatte. Die davor kannten zum Beispiel keine Schmerzmittel. Da gehörte Schmerz zum Leben dazu und musste ausgehalten werden", erklärt der Mediziner Dirk Wolter, der in einer Klinik in Dänemark eine gerontopsychiatrische Station leitet. "Medikamentenabhängigkeit im Alter gab es daher früher kaum. Die ist für uns erst seit Ende der achtziger Jahre ein zunehmendes Problem."

Auch Alkohol- und Drogenprobleme sind in Teilen ein modernes Phänomen. "Während die Kriegsgeneration mit Alkohol noch zurückhaltend war, kam die 68er-Generation sogar mit Aufputschmitteln und Marihuana in Kontakt. Noch heute gehen sie entspannter mit solchen Substanzen um - sind aber inzwischen Rentner", sagt der Psychologe Arnulf Vosshagen, der in Essen die Ambulanz der Fachklinik Kamillushaus leitet. Auch die Situation von Senioren sei heutzutage nicht leicht, sagt er. Wenige könnten sich auf tragfähige Beziehungen zu Mitmenschen stützen. Die Familie lebt oftmals in der Welt verstreut. Und auch die Rente wird knapper. Andere bringt vor allem der Lebenswandel im Ruhestand aus dem Gleichgewicht. "Das Alter ist genauso eine schwere Aufgabe wie die Pubertät. Denn auch dies ist eine Krisenzeit: Das Berufsleben endet, nahestehende Menschen sterben. Man selbst wird gebrechlicher und verliert Stück für Stück seine Selbständigkeit", erklärt Vosshagen. Einige stillen dann ihre Trauer mit Alkohol und Pillen. Dabei rauben gerade diese den Senioren den letzten Rest an Unabhängigkeit im Leben.

Genauso gefährlich sind Schlaftabletten: "Vor allem Benzodiazepine werden Älteren in zu großen Mengen oder über zu lange Zeiträume verschrieben und von ihnen eingenommen", sagt Gerontopsychiater Wolter. Die Betroffenen glauben, ohne diese Mittel nicht mehr schlafen zu können und schlucken sie weiter, weil sie beim Absetzen unangenehme Empfindungen haben. Da der Körper auch Arzneimittel nicht mehr so schnell verarbeiten kann, sammeln sich die Substanzen an und vergiften die Menschen schleichend. "Viele von ihnen können dann nicht mehr klar denken, sind wackelig auf den Beinen, ihre Stimmung ist gedämpft", sagt Wolter. Am Leben nehmen sie kaum noch teil.

Häufig werden die Folgen des übermäßigen Alkohol- oder Tablettenkonsums von Angehörigen, Pflegekräften oder Hausärzten mit normalen Alterserscheinungen verwechselt. "Die Betroffenen haben Schlafstörungen, ziehen sich zurück, sind nachlässig mit ihrer Körperhygiene. Das kann bei älteren Menschen normal sein", sagt der Psychologe Vosshagen. Aber wenn es schon früh im Alter und intensiver als üblich einsetze, könnten dies Anzeichen für ein Konsumproblem sein.

Quelle: Spiegel online, 26.11.2013

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