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Rauchstopp selbst in der Schwangerschaft schwierig

Tabaksucht ist oft stärker als alle guten Vorsätze. In einer randomisierten klinischen Studie im Britischen Ärzteblatt schafften es die meisten Schwangeren trotz Unterstützung von Nikotinpflastern nicht, sich und das Kind vor den Folgen des Rauchens zu schützen. Schwangere gefährden durch das Rauchen nachhaltig die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes. Neben der Gefahr von intrauterinen Wachstumstörungen haben neuere Studien auch auf mögliche Spätwirkungen hingewiesen: Dazu gehört ein erhöhtes Risiko, im Kindesalter an Asthma zu erkranken, als Jugendlicher anfälliger für psychiatrische Erkrankungen zu sein und später selbst nikotinabhängig zu werden. Die Schwangerschaft gilt eigentlich als gute Gelegenheit, um mit dem Rauchen aufzuhören. Nikotinersatztherapien werden als unterstützende Maßnahme empfohlen. Die Effektivität ist jedoch umstritten und eine Meta-Analyse der Cochrane Collaboration kam jüngst zu dem Ergebnis, dass eine Wirkung nicht belegt ist. Jetzt kann auch eine vom französischen Gesundheitsministerium finanzierte randomisierte Studie keine Wirkung feststellen. Dabei hatten Ivan Berlin vom Hôpital Pitié-Salpêtrière in Paris und Mitarbeiter die Nikotinersatztherapie relativ hoch dosiert. Während frühere Studien in der Regel nur bis zu 15 mg Nikotin verabreichten, erhielten die Schwangeren in der Studie bis zu 30mg. Die Dauer der Nikotinersatztherapie war nicht wie in früheren Studien auf maximal 8 Wochen beschränkt. Die Frauen konnten die Nikotinpflaster bis zur Geburt anwenden. Alle Frauen erhielten außerdem eine unterstützende Beratung. Dennoch gelang es nicht, die Abstinenzrate zu steigern. Von den 203 Frauen, die der Nikotinersatztherapie zugelost wurden, schafften es nur 11 (5,5 Prozent) bis zur Entbin¬dung abstinent zu bleiben. Im Vergleichsarm, in dem die Pflaster kein Nikotin enthielten, waren es nur 10 von 199 Schwangeren (5,1 Prozent). Die meisten Schwangeren wurden schon früh rückfällig.

Quelle: aerzteblatt.de, 12.3.2014

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Alkoholreduktion als Behandlungsziel für Hausärzte

Selbst alte Hasen – sprich gestandene Wissenschaftler – lassen sich manchmal noch überraschen. "Auch ich hab das damals geglaubt, vertreten und publiziert: Das Ziel muss die Alkoholabstinenz sein! – Zumindest so lange bis wir Daten haben, die uns zeigen, dass auch die Reduktion funktioniert", erinnert sich Prof. Dr. Karl Mann, einer der führenden deutschen Suchtexperten, gegenüber Medscape Deutschland. Und jetzt? "Jetzt haben wir diese Daten tatsächlich, das ist eine sehr spannende Sache", sagt der stellvertretende Direktor des Mannheimer Zentralinstituts für seelische Gesundheit im Gespräch auf dem Europäischen Psychiatriekongress (EPA) 2014 in München. Seine Hoffnung ist, dadurch sehr viel mehr Menschen mit Alkoholproblemen zu erreichen – unter den geschätzt 2 Millionen in Deutschland vielleicht 30% anstelle der bislang nur 10%. Und vor allem: Die Behandlung der Alkoholabhängigkeit wird damit aus seiner Sicht zu einer neuen Domäne des Hausarztes.

Quelle: Medscape, 3.3.2014

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NL: Studie - wer früher raucht, kifft später mehr

Ein Forschungsteam aus den Niederlanden hat Zusammenhang untersucht, ob ein früher Einstieg in das Zigarettenrauchen oder den Alkoholkonsum das Risiko erhöht, einen problematischen Cannabiskonsum zu entwickeln.

Anja Huizink und ihr Team haben dazu die Daten einer Längsschnittstudie ausgewertet, die das Konsumverhalten von mehr als 1.000 Jungen und Mädchen über einen Zeitraum von 10 Jahren erfasst hat. Zum Zeitpunkt der Ersterhebung waren die Teilnehmenden durchschnittlich 11 Jahre alt, bei der letzten Befragung 19.

Rauchen als signifikanter Risikofaktor

Insgesamt waren etwa 10 Prozent der Teilnehmenden der Studie bei der letzten Befragung cannabisabhängig oder hatten zumindest einen problematischen Cannabiskonsum entwickelt. Die statistische Analyse hat zudem aufgedeckt, dass jene Jugendliche, die im Alter von 11 Jahren mindestens einmal geraucht hatten, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit später einen problematischen Cannabiskonsum entwickelten als Gleichaltrige, die nicht geraucht haben. Besonders hoch war das Risiko bei den Jugendlichen, die es nicht nur beim Probierkonsum beließen, sondern im Laufe der Pubertät weiter rauchten.

Der frühe Konsum von Alkohol hatte hingegen keine signifikanten Auswirkungen auf den späteren Cannabisgebrauch. Selbst wenn der Alkoholkonsum im Laufe der Pubertät aufrechterhalten wurde, erhöhte dies nicht das Risiko, später eine Cannabisabhängigkeit zu entwickeln. Bei der Auswertung der Daten wurden auch andere relevante Faktoren berücksichtigt, die Einfluss auf die Entwicklung eines problematischen Cannabiskonsums haben können. So wurde beispielsweise der Substanzkonsum im Freundeskreis, die familiäre Situation, das Vorliegen bestimmter Verhaltensprobleme und nicht zuletzt auch das Geschlecht der Jugendlichen mit in die Auswertung einbezogen. Der frühe Einstieg in den Tabakkonsum blieb trotz Berücksichtigung der genannten Punkte ein signifikanter Risikofaktor.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen daher, dass in der Prävention des problematischen Cannabiskonsums verstärkt darauf geachtet werden müsse, den Einstieg in das Rauchen möglichst zu verhindern.

Quelle: drugcom.de, 21.3.2014

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LSD-Studie mit gutem Verlauf

Ein Schweizer Psychiater hat die weltweit erste Patientenstudie mit LSD abgeschlossen. Fast 40 Jahre lang war LSD für die Forschung tabu. 2007 erhielt Peter Gasser die Erlaubnis, Patienten mit der Droge zu behandeln, nun hat er Ergebnisse veröffentlicht. Der psychoaktive Stoff erwies sich als wirksam und komplikationsfrei. Eine Anwendung ist dennoch nicht in Sicht. Ein Beitrag hierzu kann in der ZEIT nachgelesen werden: www.zeit.de/2014/13/lsd-droge-studie.

Quelle: DIE ZEIT 13/2014, 26. 3.2014

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USA: Schlägt “Big Tobacco” nun zurück?

Kann es sein, dass der Erfindungsreichtum des Menschen der Zigarettenindustrie trotz aller rechtlichen Einschränkungen und des Booms der e-Zigarette ein Comeback ermöglicht? Versucht wird es zumindest. In New York wurde ein neues Produkt für Raucher/innen präsentiert, welches eine hybride Kombination von herkömmlichem Tabak und Technologie à la e-Zigarette ermöglicht.

Eine kleine, schwarze Röhre mit einer Batterie und diversen Elektronikteilen: In eines der Enden dieses Utensils steckt der Konsument eine Art Miniaturzigarette aus in Papier gewickeltem Tabak. Auf Knopfdruck wird ein Mechanismus aktiviert, der den Tabak auf eine Hitze bringt, die hoch genu gist, um das enthaltene Nikotin in Dampf freizusetzen aber nicht hoch genug, um Rauch zu erzeugen.

Quelle: Wall Street Journal, 3.3.2014

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GB: „Sauft Euch an, Proleten! Uns doch egal“

Am Beginn stand ein vermeintlicher PR-Geniestreich von Tory-Generalsekretär Grant Shapps. Er schrieb am Mittwoch auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter zu den Ministeuersenkungen bei Bier (ein Penny weniger pro Pint) und Bingo (Halbierung der Steuer für Bingohallenbetreiber): „Bingo! Die Bingosteuer und die Bierabgabe gekürzt, damit hart arbeitende Menschen mehr von den Dingen tun können, die sie mögen“, versehen mit der Aufforderung, man möge die Nachricht verbreiten. Das war am Donnerstag zweifellos geschehen - allerdings schwerlich so, wie Shapps sich das vorgestellt hat.

Die Kombination aus schöngeredeter Steuerlast - mit weiterhin harten Einsparungen vor allem im Sozialbereich - und der Darstellung der „hart arbeitenden Menschen“ als tumbe Masse, die außer Biertrinken und Bingospielen nichts interessiert, war bei vielen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Innerhalb von Stunden kursierten massenhaft Fotomontagen und verfremdete Versionen von Shapps’ Twitter-Posting, die ihn und die britische Regierung zum Gespött des Landes machten.

Vor allem Imitationen von Shapps’ Bingo-Sujet machten zu Dutzenden wie ein Lauffeuer die Runde, entweder die Schnöselattitüde persiflierend („He da, Du da! Wie geht es Deinem Whippet? Fein, Fein. Weitermachen“), mit satirischen Gegenvorschlägen („Die Schwan-Verspeisen-Steuer und Arme-Leute-Erschießen-Abgabe gesenkt, damit abgehobene Stereotypen mehr von den Dingen tun können, die sie mögen“) oder mit satirischem Klartext („Sauft Euch an, Proleten! Uns doch egal“). Einige ließen Shapps’ Oberzeile stehen und änderten den Rest: „Vertrinkt und verspielt Eure Pennies, Ihr ekliger Arbeiterklassen-Abschaum“ etwa, oder subtiler: „Damit hart arbeitende Menschen mehr von den Dingen tun können, von denen wir glauben, dass sie sie mögen.“ Auch elaborierte Montagen machten die Runde, etwa eine „nostalgische“ schwarz-weiße Verfremdung von Shapps’ Tweet: „Bingo! Steuern auf Bingohallen & Bier um einen Penny gesenkt. Um Dir und Deiner Alten zu helfen. Weil wir immer noch glauben, dass wir 1961 haben.“

Mit der vermeintlich genialen Bingo-Kampagne verärgerten die Torys nicht nur „hart arbeitende Menschen“, sondern auch den Koalitionspartner Liberalen-Parteichef Nick Clegg befand überhaupt, Shapps’ Idee sei „blödsinnig“ gewesen. Die oppositionelle Labour-Partei kann wiederum ihr Glück über das Wahlkampfgeschenk nicht fassen: Deren Finanzsprecher Chris Leslie fand die Werbekampagne "ziemlich erstaunlich. „Was gäbe es für einen besseren Weg, um zu zeigen, dass man abgehoben ist?“ „Abgehoben“ war jenes Adjektiv, das laut einer kürzlich durchgeführten landesweiten Umfrage die meisten Briten mit Premier Cameron spontan assoziieren. Selbst Torys greifen sich aber an den Kopf. „Wir schauen so aus, als würden wir auf die Leute herabschauen“, zitierte die britische „Daily Mail“ (Internet-Ausgabe) am Donnerstag ein Parteimitglied, das namentlich nicht genannt sein wollte. Wie mehrere britische Medien unabhängig voneinander am Donnerstag berichten, kann die konservative Parteiführung trotzdem nicht erkennen, was an ihrer Kampagne auszusetzen wäre - und will sie fortsetzen.

Quelle: ORF.at, 20.3.2014

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CH: Werbewirksamkeit von Tabak-Sponsoring

Die täglich 50 000 Besucher am größten Deutschschweizer Open-Air-Festival in Frauenfeld sind jung, sogar sehr jung. In der Besucherumfrage 2013 gaben 21,4 Prozent an, unter 18 Jahre alt zu sein, weitere 60,1 Prozent waren zwischen 18 und 24 Jahre alt. Der Veranstalter fragte auch, welche Sponsoren den Besuchern am besten gefallen haben.

Das Resultat lässt Gesundheitsexperten schlucken: Am zweithäufigsten nannten die Befragten die Zigarettenmarke Marlboro. Der Auftritt des Zigarettenherstellers Philip Morris war rund 81 Prozent der Besucher aufgefallen – ein absoluter Spitzenwert. Der Hauptsponsor Migros erzielte nur 10 Prozent mehr. Besonders das Partyzelt «Marlboro Beat Platform» hatte es den Besuchern angetan: 36,2 Prozent bezeichneten es als das Beste überhaupt. Wer ein Blick auf Bilder aus der «Beat Platform» wirft, sieht ein sehr junges Publikum.

Geht es nach Gesundheitsminister Alain Berset (SP), können die Zigarettenhersteller noch lange mit ihren Partyzelten an Open Airs um neue Jungraucher werben. Sein Entwurf für das neue Tabakproduktegesetz will zwar Werbung auf Plakaten, im Kino, in Zeitungen und in elektronischen Medien verbieten. Doch beim Sponsoring von Anlässen macht der Westschweizer Magistrat eine große Ausnahme: Nur Veranstaltungen mit «internationalem Charakter» und «grenzüberschreitender Wirkung» sollen kein Geld mehr von Tabakfirmen akzeptieren dürfen. Die Schweizer Open Airs mit ihrem jungen Publikum fallen laut Recherchen der «Neuen Zürcher Zeitung» nicht unter diese Kategorie.

Quelle: Basellandschaftliche Zeitung, 19.4.2014

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USA: „Palcohol“ - kommt nun der Alkohol in Pulverform?

Alkohol in der Tüte: Ein amerikanisches Unternehmen hat ein Pulver entwickelt, mit dem man aus Wasser Drinks machen kann. "Palcohol" könnte zu einer günstigen Alternative für Festivalgänger werden.

Wodka oder Rum - aber auch Cocktails wie Mojito, Cosmopolitan oder "Powderita" können gemixt werden. Das "Palcohol" genannte Pulver wurde schon vor einiger Zeit von der zuständigen US-Behörde für den Markt zugelassen, jetzt ist Lipsmark damit an die Öffentlichkeit gegangen.

Das Unternehmen hat "Palcohol" vor allem für Sportler und Reisende entwickelt - für Menschen also, die keine alkoholischen Getränke in Glasflaschen transportieren wollen oder können. Aber vor allem die Möglichkeit, das Pulver mit auf Konzerte oder Festivals zu nehmen und sich dann mit einem Wasser einen günstigen Drink zu machen, hat die Fantasie vieler beflügelt. Dieser illegale Gebrauch wird nicht beworben - insgeheim dürfte Lipsmark aber auch damit rechnen. Schnell war auch die Idee geboren, das Pulver zu schniefen und damit Alkohol pur in die Blutbahn zu schleusen. Davon raten die Macher - wenig überraschend - allerdings ab. Sie wollen es auch erschweren: "Palcohol" ist in so viel Pulver aufgelöst, dass man eine halbe Tasse schniefen müsste, um einen Unterschied zu bemerken.

Nach der Zulassung werden derzeit die nötigen Patente gesichert. Im Herbst soll das Pulver dann zunächst in den USA auf den Markt kommen. Ob und wann es "Palcohol" auch in deutschen Läden zu kaufen gibt, ist noch nicht klar.

Quelle: BR Online, 19.4.2014

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