Ergänzung zum Editorial

Zur Frage des Alkoholkonsums in Österreich im internationalen Vergleich

Ein genaues Ranking der einzelnen Ländern (Österreich an dritter Stelle) ist schlicht deshalb ein Humbug, weil die dafür herangezogenen Zahlen unvollständig oder nicht eindeutig zugeordnet sind. Das heißt: Die Zahlen beziehen sich zunächst einmal auf die der Finanz bzw. dem Zoll bekannten Mengen an Importen und Exporten. Nur wird hierbei all das nicht erfasst, was unter einer festgelegten (und nicht geringen Grenzmenge) liegt. Das allein kann das Ergebnis schon um einiges verfälschen. Gravierender dürfte im Falle Österreichs sein, dass bei den angenommenen konsumierten Trinkmengen nicht unterschieden wird, was die Inländer und die Touristen konsumieren. All das, was also unsere Gäste konsumieren (und es sind viele Gäste, die auch viel konsumieren!) wird in den österreichischen Pro-Kopf-Verbrauch hineingerechnet. Schließlich ist noch anzumerken, dass die Menge allein nicht unbedingt aussagekräftig ist bezüglich eines verantwortungsvollen Konsums. Ein häufiger, genussbetonter und maßvoller Alkoholkonsum kann in Bezug auf die Gesundheit besser sein als ein punktueller, aber dafür problematischer oder exzessiver Konsum.

Kurzum: Mehr als pauschal festzuhalten, dass Österreich zur großen Gruppe der Länder mit etwas höherem Alkoholkonsum gehört (im Vergleich zur anderen größeren Gruppe mit etwas niedrigerem Alkoholkonsum) ist angesichts der vorhandenen Daten eigentlich nicht möglich.

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News

Thailand: Tee-Anbau löst Mohnfelder ab

Im so genannten Goldenen Dreieck – dem Grenzgebiet zwischen Thailand, Laos und Myanmar – wird mehr Tee statt Mohn angebaut. Wo einst Männer mit kleinen, gebogenen Messern die grünen Mohnkapseln anschnitten, um wenig später den angetrockneten, klebrigen Rohopiumsaft abzuschaben, gedeiht heute der Tee.

Vor 50 Jahren sah es hier ganz anders aus. Damals wurde das Goldene Dreieck, ein Landstrich in der Grenzregion zwischen Thailand, Birma und Laos, zur wichtigsten Quelle für Opium und Heroin in der Welt. Die GIs, die in Vietnam kämpften, verlangten nach Drogen. Von dort breiteten sie sich schnell in die USA und nach Westeuropa aus. Das Goldene Dreieck lieferte permanent Nachschub. Das unwegsame, von Urwald bewachsene Gebiet entzog sich der Kontrolle des thailändischen Staates, Drogenbarone, bewaffnete Gangster und Rebellen hatten hier das Sagen.

Gegenwärtig wird Mohn laut offiziellen Schätzungen in Thailand nur noch auf einer Fläche von höchstens 800 Hektar angebaut. Dafür schlängeln sich nun ewig grüne Teesträucher in langen, ordentlichen Reihen an den steilen Berghängen empor. Dazwischen arbeiten Pflückerinnen in bunten Kleidern. Sie kommen aus den benachbarten Bergdörfern der Akha. Mit geübten Griffen reißen sie die jungen Teeblätter ab, immer zwei Blätter und die Spitze. Sie werfen die Blätter in große Körbe, die sie auf ihrem Rücken tragen. Für ein Kilo frische Teeblätter bekommen die Arbeiterinnen etwa 10 Bhat an Lohn, umgerechnet etwa 30 Eurocent. Eine gute Pflückerin kommt am Tag auf etwa drei Dollar: Damit kann sie ihre ganze Familie ernähren. "Ja, früher haben wir Schlafmohn angebaut", sagt eine Alte, die sogar beim Pflücken an einer selbst gedrehten Zigarette zieht – aus Tabak. "Aber irgendwann lohnte es sich nicht mehr, immer wieder kam die Armee und zerstörte die Mohnfelder."

Quelle: DIE ZEIT, 28.5.2015

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BRD: Alkohol in der Schwangerschaft – weiterhin ein großes Problem

Einer Umfrage zufolge wissen nur 44 Prozent der Deutschen, dass werdende Mütter, die Bier, Wein oder Schnaps trinken, bleibende Schäden bei ihrem Kind riskieren. Nach Daten des Robert-Koch-Instituts trinkt fast jede fünfte Frau in der Schwangerschaft Alkohol und riskiert damit, ein Kind mit bleibenden Schäden zur Welt zu bringen.

Schon kleine Mengen Alkohol während der Schwangerschaft können dem Ungeborenen schaden. Dennoch trinken nach Daten des Robert-Koch-Instituts zufolge fast 20 Prozent der schwangeren Frauen Alkohol. Nach Schätzungen werden in Deutschland jährlich 10 000 Babys mit alkoholbedingten Schädigungen (FASD) geboren, davon mehr als 2000 Jungen und Mädchen mit der vollen Ausprägung des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS), einer schwerwiegenden Behinderung.

Politiker von CDU und SPD sowie Betroffene Pflege- und Adoptiveltern fordern daher Warnhinweise auf Bier und Spirituosen. Der Warnhinweis müsste mindestens das halbe Etikett von Alkoholika bedecken, sagt die Vorsitzende von FASD Deutschland, Gisela Michalowski. "Die Aufklärung reicht bei weitem nicht aus."

Kinder mit alkoholbedingten Schädigungen bringen ihre Eltern, Erzieher und Lehrer regelmäßig an deren Grenzen. Sie laufen weg, haben Wutanfälle und halten Regeln nicht ein. Es ist wichtig, die Krankheit frühzeitig zu erkennen, um Hilfe, Förderung und Kontrolle zu etablieren, allerdings gibt es bisher viel zu wenige spezialisierte Ambulanzen und Beratungsstellen. Auch in Kindergärten und Schulen sollten die Besonderheiten von FAS und FASD bekannt sein. "Die Kinder lernen in Phasen gut, aber dann ist alles wie weggeblasen. Sie haben kein Nähe- und Distanzempfinden. Sie lernen nicht aus Erfahrung. Sie können Gefahren nicht abschätzen", so ein auf die Thematik spezialisierter Therapeut. Heilbar ist die Krankheit nicht. Das Zellgift Alkohol schädigt die Hirnentwicklung und oft auch andere Organe des Ungeborenen irreversibel. Allerdings kann die Entwicklung der betroffenen Kinder zum Beispiel durch Ergotherapie oder verhaltenstherapeutische Ansätze positiv unterstützt werden.

Quelle: sueddeutsche.de, 31.5. 2015

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USA: Entwicklung von synthetischen Opiaten gelungen

US-Forscher haben Bierhefe dazu gebracht, aus Zucker eine Schlafmohnsubstanz zu produzieren, die der Vorläufer vieler Opiate und anderer Arzneien ist. Indem die Wissenschafter die Hefe mit Enzymen der Zuckerrübe ausstatteten, erzeugten sie aus einem Glukose-Abkömmling den Schlafmohnbestandteil Reticulin, wie sie im Fachblatt "Nature Chemical Biology" berichten. Die weiteren Schritte - zu Morphin oder anderen Substanzen - sind nach ihren Angaben eher Formsache.

Das Produktionsverfahren dürfte freilich auch Regulierungsbehörden vor neue Herausforderungen stellen. Die bahnbrechenden neuen Erkenntnisse könnten die illegale Produktion vieler Drogen massiv erleichtern, warnen Experten. Sie fordern, die neuen Hefestämme zu überwachen und nur lizenzierten Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen. Manche halten das für schwierig: "Wenn das Wissen darum, wie man einen opiatproduzierenden Stamm erzeugt, erst einmal da draußen ist, kann das theoretisch jeder mit Grundkenntnissen in Molekularbiologie machen."

Quelle: derstandard.at. 18.5.2015

Links zu "Nature Chemical Biology":
Meldung:"Engineered yeast paves way for home-brew heroin"
Abstract: "An enzyme-coupled biosensor enables (S)-reticuline production in yeast from glucose"

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Ö: Poker wird als Glückspiel eingestuft - Aus für Salons.

Die Regierung will im Zuge der Steuerreform das Pokerspiel außerhalb von Spielbanken ab 2020 verbieten. Pokern darf dann nur mehr, wer ein Casino oder eine elektronische Lotterie betreibt. Das sind derzeit nur die Casinos Austria - und künftig allfällige neue Mitbewerber am Spielbankenmarkt.

Stimmt der Nationalrat dem Gesetzesvorschlag zu, erhalten die Casinos Austria und ihre neuen Spielbankenmitbewerber de facto also das Monopol auf Poker. Die neuen Konkurrenten sind jene, die die drei zusätzlichen Casinolizenzen für Wien und Niederösterreich zugesprochen bekommen haben: Novomatic und der deutsche Gauselmann-Konzern.

Einzig erlaubt bleiben soll der sogenannte Wirtshauspoker: Höchstens einmal im Quartal dürfen im Gasthaus maximal 100 Spieler um nicht mehr als 10 Euro pro Person spielen, heißt es im Gesetzesvorschlag, der am Dienstag den Ministerrat passiert hat.

Quelle: money.oe24.at, 16.6.2015

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EU: Zahl der Heroinkonsumenten zurückgegangen

Die Zahl der Heroinkonsumenten in Europa ist rückläufig. Die Zahl der neuen Heroinpatienten hat sich 2013 mit 23.000 Patienten gegenüber dem Höchstwert von 59.000 im Jahr 2007 mehr als halbiert. Insgesamt scheint es immer weniger Neueinsteiger in den Heroinkonsum zu geben, was sich nunmehr auf die Behandlungsnachfrage auswirkt.

Insgesamt werden die illegalen Drogen - speziell Cannabis und synthetische Drogen - immer "reiner". In den vergangenen zwölf Monaten haben 5,7 Prozent der Erwachsenen (15 bis 64 Jahre) in Europa Cannabis konsumiert, bei den jungen Erwachsenen (15 bis 34) waren es 11,7 Prozent. Der Anteil der Menschen, die innerhalb des letzten Jahres Amphetamine verwendete haben, liegt bei 0,5 Prozent (Erwachsene) bzw. einem Prozent (junge Erwachsene). Bei Kokain sind es in den beiden Altersgruppen ein Prozent bzw. 1,9 Prozent, bei Ecstasy 0,6 bzw. 1,4 Prozent. Damit zeigt sich auch, was viele Experten betonen: Drogenkonsum ist häufig ein passageres Phänomen bei jungen Menschen, das zumeist wieder verschwindet.

Weiterhin am gefährlichsten sind die Opioide. 0,4 Prozent der Erwachsenen (15 bis 64 Jahre) verwenden diese Substanzen (speziell Heroin etc.), was 1,3 Millionen problematischen Opioidkonsumenten in Europa im Jahr 2013 entspricht. Die positive Nachricht aus dem aktuellen EMCDDA-Jahresbericht: Rund 700.000 der Menschen mit problematischem Opiatkonsum befinden sich bereits in Substitutionsbehandlung (Methadon, Buprenorphin, retardierte Opiate zum Schlucken). Das sind gut 50 Prozent. Aber: 3,4 Prozent aller Todesfälle in der Altersgruppe zwischen 15 und 39 Jahren werden auf Drogen-Überdosierungen zurückgeführt.

Quelle: kleinezeitung.at, 4.6.2015

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Israel: Drogen schon vor 3000 Jahren gezielt hergestellt

Designerdroge klingt modern. Und doch sind synthetisch hergestellte Rauschmittel alles andere als ein Produkt aus der Neuzeit: Im Nahen Osten hat es sie bereits vor mehr als 3000 Jahren gegeben. Betrieben wurde diese Entwicklung von den Philistern. Sie lebten damals im Süden jener Region, die heute weite Teile von Israel umfasst. Das Volk der Philister beschäftigte sich aus verschiedenen Gründen mit Drogen. Soweit es um die Medizin ging, sollte durch die Halluzination die Schmerzfreiheit während schwerer Operationen sichergestellt werden. Auf religiösem Gebiet sollte der Rauschmittelkonsum zur Mystik beitragen. Für Feste und Feiern dienten die Drogen schließlich als Aufputschmittel. Und schließlich ging es darum, Gefangene durch die Einnahme bewusstseinsverändernder Substanzen zum Reden zu bringen.

Nahe der Kleinstadt Yavneh in Israel entdeckte der Archäologe Raz Kletter schon 2002 eine ungewöhnliche antike Feuerstelle, die zu einer Tempelanlage gehörte. Dass hier Drogen entwickelt und produziert wurden, konnte allerdings erst in jüngster Zeit nachgewiesen werden. Während die natürlichen biologischen Stoffe, die in diese Drogen eingingen, längst verrottet und verweht sind, ist es israelischen Forschern gelungen, Reststoffe von Halluzinogenen chemisch zweifelsfrei nachzuweisen. Projektleiter Dr. Devori Mandar vom Earth Science Institute der Hebrew University in Jerusalem berichtet, dass Moleküle von Drogen vor allem “in den winzigen Poren von Tongefäßen entdeckt” worden sind. Dorthin gelangten sie, weil die verschiedenen Wirkstoffe ursprünglich in Olivenöl gelagert wurden. Dieses Öl zog dann tief in Ton und Stein ein.

Besonders viele Wirkstoffe, die in die Drogen eingearbeitet wurden, kamen von Hyoscyamus-Pflanzen, einem stark blühenden Nachtschattengewächs, das im Nahen Osten häufig zu finden ist. Aus diesen Pflanzen wurden elf verschiedene Wirkstoffe gewonnen, die allesamt giftig sind. Den meisten dieser Wirkstoffe ist nebenbei zu eigen, dass sie auf den menschlichen Körper ähnlich einwirken wie Alkohol. Noch heute verwendet die Pharmaindustrie Wirkstoffe der Hyoscyamus-Pflanzen.

Neben diesen sind in die Tempel-Drogen vor allem auch Wirkstoffe eingegangen, die aus der Muskatnuss gewonnen wurden. Nachdem in Israel die Wirkstoffe der uralten Drogen nachgewiesen werden konnten, geht es den Forschern nun darum, die einzelnen Drogen und ihre Wirkungen so genau wie möglich zu rekonstruieren.

Quelle: ingenieur.de, 26.5.2015

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Flugverkehr: Ryanair verbietet Alkohol an Bord

Immer wieder kommt es auf Flügen zwischen Glasgow und Ibiza zu Zwischenfällen mit sogenannten "Unruly Passengers". Betrunkene pöbeln das Kabinenpersonal an, weigern sich, sich hinzusetzen oder belästigen Mitreisende.

Davon hat Ryanair nun genug. Wer auf der betroffenen Route fliegt, wird im Vorfeld informiert, dass der Konsum von Alkohol an Bord nicht erlaubt ist. Dazu zählen auch Getränke, die Passagiere im Duty-Free-Shop gekauft haben.

Beim Check-in wird sogar das Handgepäck kontrolliert, Schnaps, Wein oder Bier muss zusammen mit dem anderen Gepäck aufgegeben werden. Wer das Verbot zu umgehen versucht, wird des Flugzeugs verwiesen und bekommt auch sein Ticket nicht erstattet.

Auch die skandinavische Airline SAS hat deshalb ihre Alkoholregeln an Bord von Flügen innerhalb der EU verschärft, heißt es. Von nun an dürfen Passagiere "nur" noch maximal drei Drinks pro Flug ordern. Die Fluggesellschaft reagierte damit auf mehrere Vorfälle mit betrunkenen Gästen an Bord.

Quelle: derstandard.at, 17.6.2015

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USA: Suchterzeugende Substanz in E-Zigaretten?

Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass E-Zigaretten in gleichem Maße süchtig machen wie herkömmliche Zigaretten. Wissenschaftler der Harvard University haben Dokumente eingesehen, die Ende der 90er-Jahre im Zuge eines Rechtsstreits von Tabakkonzernen veröffentlicht wurden. Darin ist unter anderem von Versuchen bei Philip Morris die Rede, bei denen Light-Zigaretten den Geruch und Geschmack von stärkeren Zigaretten imitieren. Dies geschah durch die Zugabe der organischen Verbindung Pyrazin.

Die Forscher nehmen an, dass Pyrazin ein ähnliches Suchtverhalten wie Nikotin auslösen kann — und zwar deshalb, weil es dem Gehirn vortäuscht, ebendieses zu konsumieren. Beim Rauchen normaler Zigaretten wird im Gehirn der Botenstoff Dopamin stimuliert. Dopamin ist die Vorstufe von Adrenalin. Diese Erfahrung wird als positiv abgespeichert und das Gehirn verlangt erneut nach der Auslösung des Reizes. Da Pyrazin auch in E-Zigaretten enthalten ist, schätzen die Wissenschaftler ihren Suchtfaktor ähnlich hoch wie den des Tabakrauchens ein.

Quelle: wired.de, 12.6. 2015

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