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Mythos oder Medizin: Tötet Alkohol Gehirnzellen?

Jeder Rausch koste uns 10.000 Gehirnzellen, lautet die oft gehörte Warnung. Aber stimmt sie auch? Klüger macht Alkohol ganz bestimmt nicht. Das weiß jeder, der schon einmal mit höchster Konzentration versucht hat, betrunken ein seriöses Gespräch zu führen. Jeder, der nach dem Heimkommen schon mal mit dem Schlüssel alles an der Tür erstochert hat, nur nicht das Schloss. Oder auch jeder, der morgens schon mal mit der vagen Befürchtung aufgewacht ist, sich gestern doch ganz schön blamiert zu haben.

Das Gute daran: Verschwindet der Alkohol aus dem Körper, bleiben am Katertag zwar Kopfschmerzen und eine gereizte Magenschleimhaut. Das Sprechen aber, der Gleichgewichtssinn, die Konzentrationsfähigkeit und die Feinmotorik kehren zurück. Das Gehirn, das zeigt die Erfahrung, erholt sich offenbar schnell vom Alkohol. Büßt es trotzdem jedes Mal Tausende Nervenzellen ein?

Auf den ersten Blick erscheint die Theorie plausibel: Bei einer Fülle von mehr als 100 Milliarden Nervenzellen im Gehirn wäre es durchaus denkbar, dass wir bei jedem Rausch Stück für Stück ein bisschen dümmer werden, ohne es direkt zu merken. Hinzu kommt die Tatsache, dass Wissenschaftler tatsächlich schon beobachtet haben, dass bei schweren Alkoholikern die Hirnmasse schwindet. Trotzdem wissen die Forscher heute, dass der Alkohol doch sanfter zu den Nervenzellen ist, als oft befürchtet. Statt sie zu töten, stört er vor allem ihre Kommunikation.

Langsam im Kopf

Ob denken, bewegen oder auch nur atmen - nichts funktioniert ohne ein Feuerwerk in unserem Kopf, bei dem elektrische Impulse von Nerv zu Nerv hüpfen. Berührt etwa ein Tanzpartner die Hand, beginnt eine Kettenreaktion: Neuronen in der Haut aktivieren die Nachbarnervenzellen und diese wiederum die Nachbarnervenzellen, bis die Information über die Wirbelsäule ins Gehirn gesaust ist. Dann nehmen wir die Berührung wahr. Prompt folgt die Reaktion.

Vom Gehirn laufen die Impulse der Nerven zurück Richtung Hand, diesmal zur Muskulatur. Nach der Hand greifen? Sie wegschlagen? Das Feuerwerk im Kopf entscheidet. Damit dieses System funktioniert, dockt jede Durchschnittsnervenzelle an Tausende andere Zellen an. Als Kontaktmittel dienen Botenstoffe, die sie über einen winzigen Spalt zu ihren Nachbarn schickt. Das Wichtige, und hier kommt wieder der Alkohol ins Spiel: Es gibt zwei Arten von Botenstoffe, die hemmenden und die aktivierenden.

In diese Balance greift der Alkohol ein. Indem er dafür sorgt, dass die Nerven mehr hemmende und weniger aktivierende Botenstoffe ausschütten, bremst der Alkohol die Kettenreaktionen zwischen den Nervenzellen. Botschaften der Augen und Ohren dringen nicht mehr so leicht bis ins Bewusstsein vor, Befehle kommen nicht mehr so schnell bei den Muskeln an. Wir taumeln, denken langsamer, sehen schlechter, knüpfen keine Nervenverbindungen für neue Erinnerungen.

Moderate Trinker: Bessere Hirnleistung als Abstinenzler

Selbst die Enthemmung lässt sich auf diese Weise erklären. Die erste Region, die schon von geringen Alkoholmengen erreicht werde, sei das Zurückhaltungszentrum im Gehirn, heißt es in einem Infoblatt der American Association for the Advancement of Science. Betroffene würden gesprächiger und aufgeschlossener. Anschließend folgen Gehirnbereiche, die für Erinnerungen, Bewegungen oder das Schlafverhalten zuständig sind.

Verschwindet der Alkohol, gewinnen die Nervenzellen die Hoheit über ihre Kommunikation zurück. Bleibende Schäden tragen sie nicht davon, dafür sprechen neben Versuchen mit Tieren auch Studien zur Hirnleistung von moderaten Trinkern und Nichttrinkern. In der britischen Whitehall II Study mit mehr als 5000 Teilnehmern etwa schnitten selbst Menschen, die bis zu 30 Drinks pro Woche konsumierten, bei Denktests besser ab als Abstinenzler.

Warum das Hirn bei Alkoholikern trotzdem schwindet

Nur wer es mit Alkohol auf Dauer übertreibt, schadet schließlich - nach vielen anderen Organen in seinem Körper - auch seinem Gehirn. Grund dafür sind indirekte Folgen des Alkohols. Beim Wernicke-Korsakow-Syndrom etwa, das vor allem schwere Alkoholiker betrifft, sind die Betroffenen zum Teil so verwirrt, dass sie den Ausgang aus einem Raum nicht finden. Auslöser der Krankheit ist ein schwerer Vitamin-B1-Mangel.

Auch über eine kaputte Leber kann Alkohol dem Gehirn indirekt schaden. Wer zu oft und zu viel trinkt, provoziert eine Entzündung in der Entgiftungszentrale des Körpers. Dadurch kann es passieren, dass unter anderem zu viel Ammoniak durch die Blutbahn kreist, das den Nervenzellen im Gehirn im Gegensatz zum Alkohol direkt zusetzen kann.

Neben diesen beiden Gründen sprechen noch viele andere dafür, Alkohol nur in Maßen zu genießen - auch wenn die Nervenzellen vieles wegstecken. Und noch eins ist wichtig zu wissen: All die Ergebnisse beziehen sich auf die Körper Erwachsener. Ein Gehirn, das sich gerade erst bildet, reagiert viel empfindlicher auf die Droge, das ist unumstritten. Deshalb sollte sie für Schwangere, Kinder und Jugendliche Tabu sein.

Fazit: Alkohol tötet keine Gehirnzellen, sondern stört ihre Kommunikation untereinander. Dadurch verlangsamt er unser Denken, aber nur für die Zeit des Rauschs. Eine Ausrede, ab jetzt immer ungehemmt zu trinken, ist das trotzdem nicht. Auf Dauer schadet der Alkohol dem Hirn nämlich indirekt - zum Beispiel über eine kaputte Leber oder einen Vitamin-B1-Mangel.

Quelle: SPIEGEL ONLINE, 31.12.2016

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Colorado: Rätselhafte Kiffer-Krankheit nimmt zu

Es beginnt mit sich langsam steigernden Bauchschmerzen und Erbrechen – und endet regelmäßig mit ratlosen Ärzten. Die Krankheit nennt sich Cannabis-Hyperemesis-Syndrom (CHS), eine Art Marihuanavergiftung. Eine Studie hat jetzt untersucht, ob die Cannabislegalisierung im US-Bundesstaat Colorado die Zahl der Erkrankten erhöht hat. Das Ergebnis: Ja, die Fallzahlen stiegen deutlich. Waren 41 von 113.262 Notfällen vor 2009 CHS-Patienten, stieg ihre Zahl seit der Legalisierung auf 87 von 125.095 Patienten. Allerdings ist unklar, ob sich der Anstieg unter anderem auch dadurch erklären lässt, dass Erkrankte seit der Legalisierung häufiger ihren Marihuanakonsum angeben.

Heißes Duschen zur Linderung

Der US-Sender CBS News zitiert einen Betroffenen, der sich zwei Jahre lang von Arzt zu Arzt schleppte, bis er in einer Notaufnahme in Indianapolis endlich Hilfe fand. „Der Arzt fragte mich als Erstes, ob ich heiß dusche, um mich besser zu fühlen“, erzählt Lance Crowder. „Ich musste bei der Frage anfangen zu weinen, denn ich wusste: Er hat eine Lösung.“ Weil das Syndrom selten auftritt, gestaltet sich die Diagnose oft schwierig. Weshalb die Erkrankten so auf Cannabis reagieren, ist bislang unklar. Betroffen sind jahrelange starke Kiffer. Zunächst treten Bauchschmerzen und gelegentliches Erbrechen auf, bis sich die Schmerzen plötzlich drastisch steigern und mehrmals am Tag erbrochen werden muss. Im schlimmsten Fall kommt es zu Dehydrierung und Nierenversagen. Linderung verschafft aus unbekannten Gründen heißes Duschen – und wer mit dem Kiffen aufhört, fühlt sich schon nach einigen Tagen besser.

Seit 2009 wird der Besitz und Verkauf von Marihuana in Colorado nicht mehr geahndet, im November 2012 wurden Anbau, Verkauf und Besitz von kleinen Mengen per Volksabstimmung legalisiert.

Quelle: www.welt.de, 11.1.2017

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Cannabis: USA und Mexico im „Handelskrieg“

Mexiko steckt seit Jahren in einem aussichtslosen „Krieg gegen die Drogen“, der mehr als 100.000 Menschen das Leben gekostet hat. Unter anderem ist das Land ein großer Produzent von Cannabis, der den nordamerikanischen Markt versorgt. Seit der Konsum in vielen US-Bundesstaaten aber ganz oder zumindest zu medizinischen Zwecken legal ist, verändern sich auch Handel und Anbau in Mexiko. Wie die Zahlen der US-Grenzbehörde zeigen, ist der Bedarf nach mexikanischem Cannabis in den USA deutlich gesunken. Während 2011 noch 1,1 Millionen Kilo an der Grenze zwischen den beiden Ländern konfisziert wurden, ist diese Zahl im vergangenen Jahr auf rund 700.000 Kilo geschrumpft. Auch der Profit für die Händler und Kartelle ist in den Keller gerasselt: Laut NPR hat sich der Preis für ein Kilogramm mehr als halbiert. Grund dafür ist unter anderem die bessere Qualität der in den USA produzierten Ware. Während das Kraut in Mexiko auf Großplantagen wächst, wird in den USA kontrollierter Anbau ermöglicht. Dabei dürfte das legal angebaute Cannabis auch jene Staaten versorgen, in denen Cannabis gar nicht legal ist.

Handel mit härteren Drogen befürchtet

Für Befürworter der Cannabis-Legalisierung in Mexiko ergibt sich aus diesem Wandel Handlungsbedarf. Sie befürchten, dass ein durch den Markt erzwungener Verkaufsstopp von mexikanischem Cannabis in die USA Produzenten und Händler noch tiefer in die Kriminalität treiben könnte, etwa indem sie zum Handel mit gefährlicheren Drogen wie Kokain oder Amphetaminen übergehen könnten. Auch für den lokalen Markt sehen sie Konsequenzen: Der mit der Drogengesetzgebung befasste Senator Gil Zuarth äußerte gegenüber dem „Wall Street Journal“ die Befürchtung, dass die für die USA gedachte Ware den lokalen Markt überfluten könnte.

Vom Kriminellen zum Unternehmer?

Im Gegenzug würde die Legalisierung des Anbaus Kriminelle quasi von heute auf morgen in legale Unternehmen verwandeln, die gewinnbringend Geschäfte treiben können. Das für den Anbau benötigte Wissen sowie die Logistik für den Transport seien bereits vorhanden, sagt etwa Mike Vigil, ein ehemaliger Agent der US-Drogenbehörde Drug Enforcement Administration (DEA). Die mexikanische Regierung signalisierte Bereitschaft zu einer Liberalisierung der Gesetze. Seit Dezember des vergangenen Jahres ist der Anbau und Eigenverbrauch laut dem Obersten Gerichtshof für vier Kläger legal - ein Präzedenzfall. Im April legte Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto nach und forderte, dass die medizinische Nutzung von Cannabis erlaubt und die straffreie Menge für den Eigengebrauch künftig erhöht werden soll. Mitte Dezember stimmte der Senat mit 98 Prozent für ein Gesetz, dem zufolge der Anbau für medizinische und wissenschaftliche Zwecke zukünftig erlaubt ist. Keine Rede ist allerdings vom legalen Konsum als Genussmittel.

Mexiko spielte mit Gedanken an Export

Bereits 2012, kurz nach der erfolgten Legalisierung in Washington und Colorado, hatten mexikanische Politiker mit dem Gedanken gespielt, dass legaler Export mexikanischen Cannabis in die USA zum wirtschaftlichen Standbein des Landes werden könnte. Dass die USA das zulassen, ist aber unwahrscheinlich. Wie der designierte Präsident Donald Trump künftig mit der Drogenproblematik umgehen wird, bleibt vorerst ohnehin offen. Grundsätzlich sorgt die Haltung der USA und anderer Staaten im „Krieg gegen die Drogen“ immer wieder für herbe Kritik, unter anderem auch vom Friedensnobelpreisträger und kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos. Ihm zufolge ist es widersinnig, „einen Bauern einzusperren, der Cannabis anbaut, wenn inzwischen Anbau und Verbrauch in acht US-Bundesstaaten legal sind“.

Billig macht attraktiv – noch

Noch ist die Ware aus Mexiko auch in den US-Bundesstaaten ein Problem. Der Grund ist wiederum ihr Preis: Sie ist oft deutlich billiger als jene, die legal in den USA angebaut wird. Obwohl mexikanische Kartelle ihr Geld mittlerweile vor allem mit dem Handel von Kokain, Heroin, Amphetaminen und in anderen Bereichen machen, bietet Cannabis ein kontinuierliches, sicheres Einkommen. Kritiker glauben aber, dass dies nur noch eine Frage der Zeit ist. Die Preise würden bereits so stark sinken, dass der Verdienst pro Kilo „das Risiko nicht mehr wert ist“, so der bereits in Mexikos Geheimdienst tätige Sicherheitsexperte Alejandro Hope gegenüber dem „Wall Street Journal“. „In dem Moment, in dem der Handel mit Cannabis aus Mexiko unprofitabel wird, bricht er zusammen. Wir sind nicht weit davon entfernt“.

Quelle: ORF.at, 1.1.2017

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Ab 2030 jährlich acht Millionen Tabak-Tote

Bis 2030 wird die Zahl jener Menschen, die jährlich aufgrund von Tabakkonsum sterben, von aktuell sechs auf acht Millionen steigen. Dies geht aus einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO mit dem Nationalen Krebsinstitut der USA hervor, die am Dienstag in Genf veröffentlicht wurde. Laut Experten sterben zwischen 11.000 und 14.000 Österreicher an den Folgen des Rauchens.

Zudem kostet das Rauchen und Tabakkauen die Weltwirtschaft laut WHO eine Billion US-Dollar pro Jahr. Das entspricht etwa 950 Milliarden Euro. Die Summe verteilt sich auf die Behandlung raucherspezifischer Krankheiten und auf entgangene Produktivität durch Arbeitsausfälle.

Programme zur Eindämmung des Rauchens würden sich finanziell lohnen, heißt es in der Studie. Dazu gehören Preis- und Steuererhöhungen, Werbeverbote, Warnungen vor den Folgen des Rauchens und Entwöhnungsangebote. Auch Länder mit Tabakindustrien müssten bei einem Rückgang des Rauchens keine wirtschaftlichen Einbußen fürchten. Es bliebe genug Zeit, für Tabakbauern einen Lebensunterhalt mit anderen Produkten zu organisieren.

Quelle: NÖN.at, 10.1.2017

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Immer noch verbreitet: Alkohol in der Schwangerschaft

Fast jede zehnte Frau weltweit trinkt in der Schwangerschaft Alkohol. In Deutschland sind es im Schnitt sogar 26 von hundert Frauen - also mehr als jede Vierte. Das ist das Ergebnis der ersten weltweiten Studie zum Trinkverhalten in der Schwangerschaft und den gesundheitlichen Folgen für das Kind. Svetlana Popova vom Centre of Addiction and Mental Health in Toronto und Kollegen haben Daten aus fast 400 Studien ausgewertet. Erfasst wurde jeglicher Alkoholkonsum von Schwangeren - egal in welcher Menge. Fälle, in denen die Frauen noch nicht von ihrer Schwangerschaft wussten, rechneten die Forscher wenn möglich heraus. Zudem werteten die Wissenschaftler aus, wie häufig Trinken in der Schwangerschaft zu schweren Gesundheitsschäden beim Kind führt. Da es keine verlässliche Grenze gibt, bis zu der Alkohol für den Embryo unproblematisch ist, wird Schwangeren empfohlen, vollständig darauf zu verzichten. Laut Analyse trinken dennoch viele Schwange Alkohol. Verbreitet ist das Verhalten auch in Europa. Im Schnitt greift dort jede vierte Frau während der Schwangerschaft zu alkoholischen Getränken, berichten die Forscher im Fachmagazin "The Lancet Global Health".

Die fünf Staaten mit dem höchsten Anteil alkoholtrinkender Schwangerer sind laut Studie

  • Russland (37 Prozent)
  • Großbritannien (41 Prozent),
  • Dänemark (46 Prozent),
  • Weißrussland (47 Prozent)
  • und Irland (60 Prozent)

Quelle: SPIEGEL ONLINE, 18.1.2017

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Indien: Längste Menschenkette der Welt" gegen Alkohol

Im indischen Bundesstaat Bihar ist es verboten, Alkohol zu trinken. 32,5 Millionen Menschen unterstützten nun die Prohibitions-Politik der Regierung mit einer angeblich etwa 3.316 Kilometer langen Menschenkette Menschenkette. Rund 100 Millionen Einwohner zählt der indische Bundesstaat Bihar. Ein Drittel von ihnen soll am Samstag Hand in Hand eine Kette gebildet haben. Aufgerufen hatte der Ministerpräsident zu der Aktion – um eine umstrittene Entscheidung zu stützen.

Dies verkündete die Regierung im Bundesstaat Bihar, die die gegen Alkoholkonsum gerichtete Aktion organisiert hatte. "Menschen – darunter Bauern, Arbeiter, Frauen und Kinder – hielten einander 45 Minuten an der Hand, um ihre Unterstützung der Prohibitions-Politik der Regierung zu zeigen", hieß es vom Veranstalter-Team in Patna, der Hauptstadt des Bundesstaates im Osten Indiens.

Ziel der Aktion war es, eine seiner umstrittensten politischen Entscheidungen stützen: Seit April 2016 ist es den rund 100 Millionen Einwohnern von Bihar verboten, Alkohol herzustellen, zu verkaufen oder zu konsumieren. Das Bundesland und sein Ministerpräsident folgen damit einem Trend in Indien: Das Verbot von Alkohol – Prohibition genannt – ist in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Wahlkampfthema in den Bundesstaaten geworden, in deren Verantwortungsbereich der Umgang mit Alkohol liegt. Bihar ist der bisher größte Bundesstaat, der sich dazu entschlossen hat. In ihrem Wahlkampf hatten die Befürworter argumentiert, dass dies der einzige Weg sei, die Familien von trinkenden Männern vor dem Ruin zu retten. Auch häusliche Gewalt, Kriminalität, Unfälle und Krankheiten sollen so eingedämmt werden.

Gemischte Erfahrungen

Kritiker halten entgegen, dass es den Befürwortern lediglich um die Stimmen derjenigen gehe, denen sie angeblich helfen wollen, nicht um echte soziale Reformen. "Ein völliges Verbot passt nicht in eine liberale Demokratie", sagte Denzil Fernandes, Chef des Indian Social Institute. "Höhere Steuern und ein stärker geregelter Verkauf wären die bessere Lösung." Hinzu kommt, dass die bisherigen Erfahrungen mit der Maßnahme durchwachsen sind. Alkoholverbote gibt es auch in den Bundesstaaten Gujarat, Manipur und Nagaland. In allen drei Staaten sorgt ausufernder Schmuggel dafür, dass unter der Hand fast jeder Alkohol kaufen kann, der das möchte – und es sich leisten kann. Ärmeren droht die Gefahr, sich mit illegal gepanschtem Alkohol zu vergiften. Hunderte Menschen sind laut verschiedenen Berichten bereits gestorben. Bihar will eine solche Entwicklung mit drakonischen Strafen verhindern: Wer das Alkohol-Verbot umgeht, dem drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis und eine Strafe von bis zu einer Million Rupien (rund 13.800 Euro). Knapp 32.000 Menschen wurden bereits verhaftet und mehr als eine halbe Million Liter Alkohol beschlagnahmt.

Johnson Edyaranmula von der Suchtberatung Alcohol and Drug Information Centre kritisiert den radikalen Ansatz der Regierung. "Die indischen Trinkgewohnheiten sind problematisch, ein Drittel der Trinker fallen in die Kategorie des riskanten Konsums", sagte er. "Aber es braucht eine wohlüberlegte und auf mindestens zehn Jahre angelegte Kampagne, in die die lokalen Gemeinschaften einbezogen werden, um dieses Problem zu lösen." Ministerpräsident Kumar indes scheint entschlossen, weiter dem Weg absoluter Verbote zu folgen.

Quelle: derstandard.at, 23.1.2017

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Glücksspiel mit "Counter-Strike"-Skins überstieg 2016 fünf Mia Dollar

Das Glückspiel mit virtuellen Waffen-Designs (Skins) für den Shooter "Counter-Strike: Global Offensive" hat 2016 ein Volumen von fünf Milliarden Dollar angenommen, berichtet ESPN in einer ausführlichen Reportage zu dem Thema und stützt sich dabei auf Untersuchungen des Marktforschers Eilers & Krejcik Gaming and Narus Advisors. Skins im Wert von Milliarden wurden dem Bericht zufolge direkt für Wetten im E-Sports-Bereich verwendet, drei Milliarden gingen in Glücksspiele auf Webseiten, die "CS:GO"-Skins als Einsatz für Roulette, Würfelspiele und andere Gambling-Angebote akzeptieren. Wachsender Schattenmarkt Trotz Anstrengungen, das unregulierte und in einigen Ländern verbotene Glücksspiel mit diesen Skins ein zudämmen, konnte der Markt damit 2016 stetig wachsen. Seit vergangenen Oktober versuchte daraufhin die US-Glücksspielbehörde "Counter-Strike"-Hersteller Valve in die Pflicht zu nehmen und den Handel mit Skins technisch zu unterbinden – bislang erfolglos.

Quelle: derstandard.at, 24.1.2017

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