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Facebook: Alkohol- und Drogenkonsum gut ablesbar

Mit Postings und Likes auf Facebook können Nutzer mitunter um einiges mehr preisgeben, als ihnen vielleicht bewusst ist. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Addiction Recovery Research Center in den USA. Sie analysierten die Likes von elf Millionen Facebook-Usern sowie Status-Updates von 150.000 Accounts mittels Maschinenlernen und konnten mit hoher Genauigkeit ermitteln, welche Nutzer rauchen, Alkohol konsumieren oder Drogen nehmen.

Das von ihnen entwickelte System, so fasst Netzpolitik.org zusammen, erzielte in allen Erfassungskategorien eine Treffsicherheit von über 80 Prozent. In 86 Prozent aller Fälle wurde korrekt erkannt, dass eine Person Tabakprodukte konsumiert. Bei Alkoholkonsum lag man zu 81 Prozent richtig. Bei Sonstigen Drogen lag die Genauigkeit bei 84 Prozent.

Schlüsselwörter und Popkultur

Der Algorithmus achtete unter anderem auf Schlüsselwörter, die man aus Studien mit Menschen gewann, die infolge von Suchtmittelmissbrauch an Verhaltensstörungen leiden. Beachtet wurden auch kulturelle Korrelationen.

Demnach ist eine Vorliebe für den Film "V for Vendetta" ein möglicher Indikator für Alkoholkonsum, während Likes für Trickfilme eher das Gegenteil nahe legen. Zusammenfassend sehen die Wissenschaftler soziale Medien als gutes Feld, um mehr Erkenntnisse über suchtmittelbedingte Verhaltensprobleme zu sammeln. Ihre Arbeit kann auch als Bestätigung früherer Forschungen gesehen werden, bei denen ebenfalls von der Facebook-Nutzung Rückschlüsse auf den Umgang mit Alkohol und Drogen gezogen wurden.

Quelle: Der Standard, 31. Mai 2017

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BRD: 4% der Jugendlichen computerspiel- oder internetabhängig?

Die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat im Februar 2017 den Teilband „Computerspiele und Internet“ ihrer regelmäßig durchgeführten Studienreihe „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland“ mit Ergebnissen aus der letzten Erhebung im Jahr 2015 veröffentlicht. Dabei kommt sie für 12- bis 25-Jährige zum Ergebnis, dass bei 78,1% eine unproblematische Nutzung, bei 17,9% eine problematische Nutzung und bei 4,0% ein computerspiel- oder internetbezogene Störung vorliege, wobei die Werte für die letzten beiden Kategorien bei den 12- bis 17-Jährigen höher sind als bei den 18- bis 25-Jährigen. Bei den Jüngeren haben sich die Werte gegenüber 2011 erhöht, bei den Älteren sind sie gleich geblieben.

[Erhoben wurden die Werte mit einem Screening-Instrument namens „Compulsive Internet Use Scale“ (CIUS), das aus 14 Fragen mit je 5 Antwortmöglichkeiten zur jeweiligen Häufigkeit besteht. Bei 20-29 (der maximal 56) Punkte wird von „problematischem Verhalten“ gesprochen, ab 30 Punkten von „Störung“.]

Quelle: BZgA

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Kolumbien: Kampf gegen den „Schnee“ von morgen

In den USA ist ein immenser Anstieg beim Konsum von Kokain zu verzeichnen. Zugleich erlebt der Coca-Anbau in Kolumbien einen nie dagewesenen Boom. Aus dem jährlichen Bericht des US-Außenministeriums geht hervor, dass die beiden Fakten miteinander in Zusammenhang stehen. Demzufolge haben getestete Proben amerikanischer Straßendealer ergeben: 90 Prozent des Kokains stammt aus Kolumbien.

Die Zahl der Kokain-Nutzer ist rapide angestiegen: von offiziell genannten 601 000 Personen im Jahr 2013 auf 968 000 im Jahr 2015. Immer mehr junge Amerikaner probieren die weiße Droge, heißt es in der jüngsten nationalen Studie zu Drogenkonsum und Gesundheit. 2015 starben laut dem Bericht 7400 Menschen an einer Überdosis Kokain, mehr als in den zehn Jahren zuvor.

Zugleich wachsen die Anbauflächen für Kokain in Kolumbien sprunghaft, Berechnungen der US-Regierung zufolge zuletzt um 18 Prozent. 2016 waren damit 188 000 Hektar Land mit Coca-Büschen bepflanzt. Nicht einmal zu Zeiten des kolumbianischen Drogenbosses Pablo Escobar, der den Handel in den 1970er Jahren industrialisierte, wurden derart viele Sträucher dieser Nutzpflanze angebaut. Entsprechen schnellte die Kokain-Produktion im Jahr 2016 in die Höhe – Schätzungen der US-Regierung zufolge um 37 Prozent auf 710 Tonnen. Da zwischen Anbau und Verkauf schätzungsweise zwei bis drei Jahre vergehen, befürchten Experten, dass die große Lieferung noch kommt – die Kokain-Welle also gerade erst anrollt. Das übergroße Angebot führt schon jetzt dazu, dass die Preise sinken und das weiße Pulver für immer mehr Menschen erschwinglich wird. Der Anbau läuft auf Hochtouren, so dass die Bauern kaum mit dem Ernten hinterherkommen.

Seit 2000 haben die USA der Regierung in Bogotá mehr als zehn Milliarden Dollar für den "Plan Colombia" geschickt, um mit Kolumbiens Hilfe die Drogengeschäfte einzudämmen. Doch im Jahr 2017 scheint es, dass der "war on drugs", der Krieg gegen die Drogen, den die USA seit mehreren Jahrzehnten führen, ein Kampf ist, den man nicht gewinnen kann. Die Ernte-"Erfolge" sind auch darauf zurückzuführen, dass die kolumbianische Regierung seit 2015 keine Pflanzenvernichtungsmittel mehr per Flugzeug über den Anbaugebieten versprüht. Als Begründung dafür wird die Sorge vor einem erhöhten Krebsrisiko durch das Herbizid Glyphosat genannt.

Die Santos-Regierung hat erkannt, dass es neue Wege braucht, um Kolumbien vom Coca zu befreien. Neuerdings erhalten Bauern Geld dafür, wenn sie statt Coca-Pflanzen einfach Gemüse anbauen. Bis zu 32 Millionen kolumbianische Pesos (etwa 10 000 Euro) Förderung sollen Familien in einem Zeitraum von zwei Jahren erhalten, heißt es. Regierungsvertreter ziehen derzeit über die Dörfer und versuchen die Coca-Bauern von dem neuen Plan zu überzeugen. Das Geld soll allerdings nur dann fließen, wenn das gesamte Dorf frei von Coca-Pflanzen ist. Experten glauben, dass die Drogenbanden sich sonst gar nicht erst aus einer betroffenen Gegend zurückziehen. Die Zahlungen erhalten übrigens auch Bauern, die ohnehin kein Coca anbauen. Das soll Streit unter den Landwirten verhindern. Sollten wie erwartet 70 000 Familien in das Regierungsprogramm einsteigen, würde das Programm die Regierung pro Jahr etwa 450 Millionen Euro kosten. Noch ist völlig unklar, wie Kolumbien diese Summen aufbringen wird. Womöglich kann das Land im Rahmen des "war on drugs" wieder einmal auf finanzielle Hilfe aus den USA hoffen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 18. Mai 2017

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WHO: vorschnelle Pathologisierung von intensiver Online-Nutzung?

Weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit stellen die einflussreiche American Psychological Association (APA) und die World Health Organisation (WHO) die Weichen dafür, offiziell das eigenständige Krankheitsbild "Online-Spielsucht" einzuführen. Bei der APA heißt das Internet Gaming Disorder (IGD), bei der WHO etwas umständlich: "gaming disorder, predominantly online". Beide Organisationen habe erhebliche Definitionsmacht, wenn es um Krankheitsbilder geht. Was in ihren Listen mit Verbindlichkeitscharakter als Störung definiert wird, kann behandelt werden. Was für die Anbieter medizinischer und psychologischer Dienstleistungen vielleicht noch wichtiger ist: Es kann dann mittelfristig auch abgerechnet werden. Eine substanzielle neue Risikogruppe für Online-Erkrankungen wäre erschlossen.

Viele Experten befürchten allerdings, dass die Vorstöße der APA und WHO nur der Anfang einer weitreichenden Pathologisierung alltäglichen Verhaltens und speziell der Mediennutzung Jugendlicher sein könnte. Tatsächlich werden in Fachkreisen bereits Facebook-, Twitter- und Social-Media-Sucht diskutiert, die Kriterien für Online-Spielsucht könnten analog angewandt werden. Online-Spielsucht wird als eigenständige, spezifische Störung definiert, also nicht als Erscheinungsform der klassischen Glücksspielsucht. Allerdings sind viele Charakteristika dieser neuen Störung dem Glücksspiel und suchtartigen Automatenspiel entlehnt worden.

Im sogenannten "Diagnostic & Statistical Manual of Mental Disorders" der APA wird die Online-Spielsucht noch als Phänomen aufgeführt, das unter besonderer Beobachtung steht. Dieses Klassifikationssystem der APA ist eminent wichtig, da es als offizielle Leitlinie einen Standard für die einflussreiche amerikanische Fachgesellschaft darstellt. Weltweite Gültigkeit hat die "International Classification of Diseases" der WHO. Deren elfte Auflage befindet sich noch in einer "Beta"-Version. Dort wird das Krankheitsbild allerdings schon geführt, im Begleittext werden u.a. Verbote entsprechender Inhalte, Einschränkungen von Werbung sowie Warnsymbole auf Verpackungen angedacht, ähnlich wie für Alkohol oder Tabak.

Einspruch aus der Wissenschaft

Gegen die überstürzte Einführung der Online-Spielsucht formiert sich in der Wissenschaft inzwischen erheblicher Widerstand. Ein substanzieller Teil der Forscher im Feld (der Autor dieses Beitrags eingeschlossen) zweifelt an der Existenz eines solchen Krankheitsbildes und warnt in einem offenen Debattenpapier vor den Gefahren einer Pathologisierung alltäglicher Mediennutzung.

Tatsächlich ist die empirische Grundlage für die Online-Spielsucht dürftig: Die APA selbst verweist auf "viele Arbeiten" aus "asiatischen Ländern" - eine Argumentation, bei der sich (vermutlich nicht nur) Experten wundern. Offenbar wurden neuere Studien aus namhaften Journals wie z.B. Addiction oder Journal of Behavioral Addictions nicht berücksichtigt, die ein widersprüchliches Bild zeichnen und aus unterschiedlichen Kulturräumen und Ländern stammen.

Von einem Konsens unter den Forschern im Feld ist man jedenfalls weit entfernt. Einige groß angelegte Studien konnten nur wenige Betroffene nachweisen, die Kriterien einer Krankheit erfüllen, und selbst diese scheinen kaum Probleme mit ihrem Zustand zu haben. Zudem ist dieser Zustand nicht zeitstabil: Ganz banal verlieren viele Extremspieler nach einer gewissen Zeit die Lust am "Zocken", weil andere Dinge im Leben wichtiger werden. Manche Studien haben zwar größere Problemgruppen gefunden, bis hin zu substanziellen zweistelligen Prozentanteilen - doch diese Arbeiten haben die Schwelle für die Online-Spielsucht so niedrig angesetzt, dass mit diesem Maßstab praktisch jede menschliche Verhaltensform als Sucht durchgehen könnte.

Die Kritik an den Vorstößen von APA und WHO kommt jedoch nicht nur von Experten, die wie Ferguson Computerspiele vehement verteidigen und die Kodifizierung einer Online-Sucht generell ablehnen. Viele Wissenschaftler im Feld sehen ungezügelte Mediennutzung - gerade unter Jugendlichen - durchaus als gesellschaftlich relevantes Problem an. Doch auch diese sind über den Prozess und seine bisherigen Ergebnisse irritiert, zum Beispiel der britische Psychologe Mark Griffiths. Er gilt als einer der weltweit führenden Forscher zu Glücksspiel, exzessiver Online-Nutzung und Spielsucht. In einem kürzlich veröffentlichten Diskussionspapier beschreiben Griffiths und seine Co-Autoren die aktuelle Debatte als "Chaos und Konfusion".

Sie äußern grundlegende Vorbehalte gegenüber den Kriterien, die von der APA angelegt werden, und dem ihrer Meinung nach unklaren 'Objekt' beziehungsweise Auslöser der Sucht: Sind die Betroffenen "süchtig" nach der Online-Nutzung, den Videospielen, spezifischen Genres oder etwas anderem? Und warum haben dann die allermeisten anderen Spieler keine Probleme mit diesen Angeboten? Entsteht das Problem nicht vielmehr aus einem Zusammenspiel von mangelnder Orientierung und sozialer Situation, Persönlichkeit und dazu passendem Medienangebot?

Diese Fragen müssten im Rahmen einer offenen und kritischen Diskussion angegangen werden, fordern Griffiths und Kollegen – und sie stehen damit keineswegs alleine da. In der Tat befürchten viele Experten, dass gar keine ernsthafte wissenschaftliche Debatte mehr geführt werden soll, unter Abwägung aller Ergebnisse und abweichender Meinungen. Vielmehr wirkt vieles so, als wolle eine Hardliner-Fraktion in der APA und der WHO mit politischen Mitteln ihre Überzeugungen weltweit durchsetzen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 17. Mai 2017

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Syrien: Wer Krieg führt, setzt auch Drogen ein

Der Bürgerkrieg in Syrien hat das illegale Geschäft mit Captagon, einem Amphetamin-Derivat, angefeuert. Krieger des so genannten Islamischen Staats (IS) schlucken die Droge, um sich aufzuputschen. Auch die Truppen des Machthabers Bashar al-Assad greifen zu dem Mittel, um den Krieg durchzustehen. Drei Tabletten pro Tag sei seine Ration gewesen, berichtet ein Soldat, der für den syrischen Machthaber kämpfte, der „Welt“.

Captagon ist ein Markenname eines Arzneimittels, das als Anti-Depressivum und zur Behandlung von ADHS eingesetzt wurde. Bei regelmäßiger Einnahme bleibt der Schlaf aus, die Droge wirkt aufputschend. In den 1980er-Jahren war Doping mit Captagon in der deutschen Bundesliga verbreitet. Seit es 1986 vom UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung in die Liste der gefährlichen Drogen aufgenommen wurde, ist es in vielen Ländern als illegaler Suchtstoff eingestuft.

Alle Bürgerkriegsfraktionen bedienen sich der Drogen und verdienen an ihnen. Durch die erhöhte Nachfrage nach der „Jihadistendroge“, wie Captagon auch genannt wird, hat die Zahl der Labors in Syrien selbst zugenommen. Das Kriegschaos erleichtert den Drogenhandel, der in Syrien angeblich hunderte Millionen Dollar pro Jahr bringt, schätzen Experten. Auch hier dürfte der IS kräftig mitmischen: Mit den Drogengeldern werden angeblich Waffenkäufe finanziert. Handfeste Belege gibt es dafür nicht, doch laut Experten liegt eine Verbindung auf der Hand.

Nun scheint das offenbar lukrative Business auch nach Europa überzuschwappen. In den vergangenen Monaten haben sich Berichte über Captagon-Funde gemehrt. Während 90 Prozent der Amphetamine noch vor wenigen Jahren im Libanon, an der Grenze zu Syrien, hergestellt wurden und von dort aus den Weg in die reichen Emirate fanden, ist heute Syrien zu einem Produktionsland geworden. Die Droge ist einfach herzustellen, man braucht weder viel Platz noch Know-How oder aufwendige Maschinen, um Captagon zu mischen und in Tablettenform zu pressen. Europa dürfte als Drehscheibe für syrisches Amphetamin in die Golfemirate dienen. Erst dieses Woche machte die Zollbehörde in Frankreich Details über einen riesigen Fund am Flughafen Roissy bei Paris bekannt: Rund 135 Kilogramm des Aufputschmittels wurden auf Frachtflügen entdeckt. Auch in Griechenland wurden in einem Warenhaus 635.000 Amphetamin-Pillen sichergestellt. Sie waren angeblich für Kämpfer verschiedener Milizen im Nahen Osten bestimmt gewesen.

Internationale Organisationen berichten schon seit Jahren von der weiten Verbreitung von Amphetaminen im Mittleren Osten. In anderen Teilen der Welt spielt Captagon fast keine Rolle. Allein in Saudiarabien, wo auf Drogenhandel die Todesstrafe steht, werden pro Jahr Millionen an Captagon-Tabletten beschlagnahmt. So lange die Nachfrage am Golf hoch ist, wird der Drogenhandel weiterhin verlässlich Geld in die Kassen aller Kriegsparteien spülen, heißt es in einer Studie eines US-Think-Thanks.

Quelle: Die Presse, 31. Mai 2017

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Antidepressiva: nicht harmlos und zu oft verschrieben?

Einfach, schnell und effektiv: So scheinen viele Ärzte und Patienten mit Depressionen den Griff zu Antidepressiva zu rechtfertigen. Doch deren Wirkung ist zunehmend umstritten.

Heute leiden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit mehr als 300 Millionen Menschen an Depressionen – ein sprunghafter Anstieg, der seinen Grund vor allem darin hat, dass psychische Störungen mittlerweile häufiger als früher als solche erkannt werden. Eine Linderung ihres seelischen Leids suchen Betroffene zunehmend in Medikamenten. Einer OECD-Statistik von 2015 zufolge stieg die Zahl der Verschreibungen von Antidepressiva von 20 Tagesdosen je 1000 Einwohner im Jahr 2000 auf 53 Tagesdosen in Jahr 2013. Natürlich fallen darunter auch Verschreibungen für andere psychische Störungen wie Panikattacken, Angst-, und Zwangsstörungen. Doch ein großer Teil der Medikamente soll Patienten aus dem dunklen Loch einer Depression heraushelfen.

Oft sind es dabei nicht Psychiater selbst, die zum Rezeptblock greifen, sondern Hausärzte oder Internisten. Laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) wird heute rund ein Drittel aller Psychopharmaka von Hausärzten verschrieben. Zwar gibt es Experten, die es begrüßen, dass sich auch die Hausärzte zunehmend um psychisch Kranke kümmern. Doch Kritiker befürchten, dass die Fachkenntnis der Hausärzte bisweilen nicht ausreicht, um eine Depression von einer schwierigen Lebensphase zu unterscheiden. Gerade unter Zeitdruck könnten sie so schnell einmal ein Rezept ausstellen, um ihre Patienten nicht mit leeren Händen aus der Praxis zu entlassen.

Antidepressiva würden zu leichtfertig verschrieben, davon ist der Psychiater Tom Bschor überzeugt, Chefarzt der Abteilung Psychiatrie der Schlosspark-Klinik Berlin. "Und sicherlich trägt zur Verordnungshäufigkeit erheblich bei, dass Antidepressiva zu einem großen Teil von Allgemeinärzten und anderen nichtpsychiatrischen Ärzten verordnet werden." Ähnlich sieht es Gerald Gartlehner, Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie und Cochrane Österreich an der Donau-Universität Krems. "Vielen Ärzten scheint nicht klar zu sein, dass die Medikamente alles andere als harmlos sind", sagt Gartlehner.

"Antidepressiva sind leider keine Medikamente, die besonders gut wirken, und man muss sie sehr lange einnehmen", so Gartlehner. In seinen eigenen Metaanalysen haben sich Antidepressiva lediglich bei Menschen mit schwerer Depression als potent erwiesen. "Und nur rund 60 Prozent der Patienten sprechen überhaupt darauf an", sagt er. Bei den restlichen 40 Prozent müsse man die Therapie wechseln oder ergänzen.

Quelle: www.spektrum.de, 1.Mai 2017

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Social Media: Jugendliche sorgen selbst für Regeln

Die New York Times berichtet in einem Artikel aus dem Jänner 2017 über mehrere Studien, die sich mit der Nutzung digitaler Medien durch Jugendliche beschäftigen. Interessant ist dabei u.a., dass diese sich selbst (oft unausgesprochene) Regeln dafür geben, welche Art, Anzahl und Inhalte von Fotos „ok“ sind, und welche als „angeberisch“ oder „nervig“ gelten. Die Untersuchungen zeigen, dass sich Jugendliche der Herausforderungen durchaus bewusst sind, die sich aus dem permanenten öffentlichen Zur-Schau-Stellen ergeben.

Quelle: New York Times online, 1.Mai.2017

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Österreich: 2016 wurden 1,61 Mia € verspielt oder verwettet

Der Markt für Glücksspiel und Sportwetten wuchs 2016 um 3,8 Prozent, womit sich der Trend zu höheren Wetteinsätzen fortgesetzt hat.

Österreich als Land der Spieler: Seit 2013 wuchsen die Brutto-Spielerträge (Einsätze abzüglich Gewinnausschüttungen) bei Glücksspiel und Sportwetten um 10,5 Prozent, im Vorjahr erreichten sie 1,61 Milliarden Euro.

Das stärkste Plus verzeichneten Online-Anbieter. Im Online-Glücksspiel erhöhten sich demnach die Brutto-Spielerträge seit 2013 um 47 Prozent, alleine im Vorjahr waren es plus 21,5 Prozent. Bereits mehr als ein Viertel aller Spiel- und Wetterträge kommen von Internet-Plattformen, vorwiegend mit Firmensitz im Ausland.

Laut den Beratern ist der Anstieg im Online-Gaming auch auf die strengere gesetzliche Regelung bei Spielautomaten zurück zu führen. Von dieser hätten auch die Spielbanken profitiert. So wuchsen die Brutto-Spielerträge in den heimischen Casinos im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf 224 Millionen Euro an.

Quelle: Kleine Zeitung, 6. Juni 2017

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