Der meteorologische Sommer ist schon vorbei, und nächste Woche beginnt in Tirol auch wieder die Schule. In dieser Ausgabe von sucht+prävention blicken wir auf die etwas ruhigere Zeit zurück, bevor vor uns mit neuem Schwung in den wie gewohnt sehr aktiven Herbst werfen. – Wir wünschen eine angenehme Lektüre.
Es tut sich was bei uns im Team. – In Kürze: Harald Golser geht in Pension; Simone Heller übernimmt von Harald den Fachbereich „Arbeitswelt“; und Rebecca Brunner kommt hinzu und übernimmt von Simone den Fachbereich „Schule“.
Ein Abschied: Harald Golser
Nach beeindruckenden 17 Jahren bei kontakt+co im Fachbereich „Arbeitswelt“ haben wir am 1.9. unseren geschätzten Kollegen Harald Golser in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.
Seine fachliche Kompetenz, sein Engagement und seine verlässliche Art haben unser Team über viele Jahre hinweg geprägt. Doch vor allem wird er uns wegen seiner freundlichen und offenen Art, seinem Humor und seiner Hilfsbereitschaft sehr fehlen.
Lieber Harald, wir danken dir von Herzen und wünschen dir für den neuen Lebensabschnitt Gesundheit, Freude und viele schöne Momente!
Harald Golser und Teilnehmer:innen bei seinem letzten betriebsübergreifenden pib-Seminar
Ein Neuanfang: Rebecca Brunner
Seit dem 1.7.2025 verstärkt Rebecca Brunner das Team von kontakt+co. Die Erziehungswissenschaftlerin mit jahrelanger Erfahrung im Bereich der offenen Jugendarbeit wie auch als Trainerin für kontakt+co wird ab Herbst den Fachbereich „Schule“ übernehmen.
Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!
Rückblick: Brick by Brick
„Brick by Brick – Was hält dich stark?“
Kreativworkshop beim Jugendbewerb des Roten Kreuz Tirol
Beim diesjährigen Jugendbewerb des Roten Kreuz Tirol am 14. Juni wurde ein besonderer Akzent auf psychosoziale Gesundheit und Selbstfürsorge gelegt. Im Rahmenprogramm hatten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, sich im Workshop „Brick by Brick – Was hält dich stark?“ von kontakt+co kreativ mit ihren persönlichen Kraftquellen auseinanderzusetzen.
Mit viel Begeisterung gestalteten die Teilnehmenden Schuhkartons als Symbol ihrer individuellen Stärken, Werte und Unterstützungsfaktoren im Alltag. Aus vielen bunten, einzigartigen „Bausteinen“ entstand so ein gemeinsames Kunstwerk – ein sichtbares Zeichen dafür, wie wichtig es ist, sich selbst zu stärken und gleichzeitig Teil einer unterstützenden Gemeinschaft zu sein.
Denn jede:r bringt etwas mit, das uns gemeinsam trägt: Freundschaft, Familie, Hobbys, Vertrauen oder das Gefühl, gebraucht zu werden. So wurde nicht nur gebastelt, sondern auch reflektiert, geteilt und zusammengehalten. Der Workshop zeigte eindrucksvoll, wie viele kleine Beiträge ein großes Ganzes ergeben – eine Gesellschaft, die sich gegenseitig stärkt und schützt.
Rückblick: Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende
Am 21. Juli fand im Innsbrucker Waltherpark ein sehr würdevolles Gedenken an verstorbene drogengebrauchende Menschen statt. Dabei fanden sich Angehörige, Freundinnen und Freunde, Weggefährt:innen, Betreuer:innen und Therapeut:innen ein, um bei passender musikalischer Begleitung neben dem mobilen Denkmal mit Schuhen befüllte Topfpflanzen zu platzieren, Namen auf Papierblumen zu schreiben und bei einer österreichweiten Gedenkminute innezuhalten. Davor und danach blieb Zeit für Gespräche. Organisiert wurde das Gedenken vom Drogenarbeitskreis Tirol, Teil der begleitenden Medienarbeit war ein Partezettel in der Tiroler Tageszeitung.
Aus dem Raucherkammerl: Tabaksticks, E-Zigaretten, CBD-Stängel
Im Juli hat eine Novelle des Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetzes – TNRSG den Nationalrat passiert. Diese setzt EU-Recht bzgl. aromatisierter Tabaksticks um, indem sie im TNRSG an verschiedenen Stellen die Wortfolge "erhitztes Tabakerzeugnis" einfügt.
Währenddessen waren österreichische Medien im Sommer auch von Berichten über brennende Recyclinganlagen geprägt, wobei als Brandauslöser häufig (z.B. in Lienz) Batterien/Akkus genannt werden, darunter auch die in Einmal-E-Zigaretten. Aus unserer Sicht sind diese Produkte, die speziell von jungen Menschen konsumiert werden, naturgemäß vorrangig aus suchtpräventiver Sicht abzulehnen, aber da wohl die wenigsten User:innen nach dem Konsum die weiterhin funktionsfähigen Akkus ausbauen und z.B. für die Beleuchtung ihres Weihnachtsbaums weiterverwenden, spricht auch aus Gründen des Umweltschutzes und des Brandschutzes einiges für deren Verbot.
Aprops Regelungen zu E-Zigaretten: In Frankreich lassen sich neben (Zigaretten‑)Rauchverbots-Schildern auch Vape-Verbots-Schilder finden (hoffentlich ist das Verb "vapoter" von der Académie française freigegeben …):
Und noch ein Kurzbericht aus Frankreich zum Thema Rauchwaren: Gesichtet wurden dort Packungen mit 20 Röllchen, die allerdings nicht Tabak, sondern CBD-haltigen Hanf mit < 0,3% THC enthalten:
In Österreich fällt Cannabis mit weniger als 0,3% THC seit 22. Juli unter das Tabakmonopol (!) und darf nur mehr in Trafiken abgegeben werden. Ob und, wenn ja, in welcher Darreichungsform dieses zur Zeit in Tiroler Trafiken verkauft wird harrt noch der Recherche.
Für die Ohren: Podcast-Rundschau Jugendliche und Social Media
Gleich mehrere hörenswerte Podcasts haben sich im Sommer der Diskussion um Altersgrenzen oder Verbote von Social Media / Internetplattformen für Kinder/Jugendliche gewidmet:
Ars Boni 583: Kinderrechte mit dem Wiener Kinder- und Jugendanwalt Sebastian Öhner
Falter Podcast 1441: Soll man das Internet für Kinder verbieten? mit dem Gesundheitsforscher Christoph Pieh (Donau-Uni Krems), der Pädagogin Barbara Buchegger (Saferinternet.at) und der Journalistin Anna Goldenberg (Falter)
Aus der Forschung: ESPAD kurzgefasst
Die European Union Drug Agency (EUDA) hat vor dem Sommer über die Ergebnisse der aktuellen Runde der ESPAD-Studie (European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs) berichtet. Kernaussage dabei:
» While substance use among 15–16-year-old students in Europe continues its long-term decline, new behavioural and health risks are on the rise. The latest findings from the European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs (ESPAD), released today, flag growing concerns over increasing e-cigarette use, the non-medical use of pharmaceutical drugs, and a sharp uptick in online gaming and gambling among teenagers. The findings also reveal a noticeable increase in risky behaviours among girls across several areas. «
Den vollen Pressetext sowie Links zu Kernaussaugen und der ESPAD-Studie selbst gibt's hier:
Bei Cannabiskonsum wird oft an Jugendliche und junge Erwachsene gedacht, und in der Tat ist die Altergruppe der 20- bis 25-Jährigen die mit den vergleichsweise höchsten Konsumraten. – Aus den USA liegen jetzt aber Zahlen zum aktuellen Cannabis-Konsum der Über-65-Jährigen vor:
» Sieben Prozent der Erwachsenen ab 65 Jahren gaben 2023 an, im letzten Monat Cannabis konsumiert zu haben. Das ergab eine Analyse der Daten der National Survey on Drug Use and Health (NSDUH), … "Dies ist das erste Mal, dass wir den aktuellen Cannabis-Konsum in dieser Altersgruppe untersuchen konnten. Zuvor konnten wir nur den Konsum im vergangenen Jahr betrachten, da die Zahlen für den aktuellen Konsum zu gering waren", sagt Benjamin Han, Gerontologe an der University of California San Diego … «
Zum Vergleich: Die österreichische "Repräsentativerhebung zu Konsum‐ und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial" (2020) nennt im Tabellenteil einen Wert von 0,2% bei den Über-65-Jährigen zum Konsum in den letzten 30 Tagen; oder anders: viel zu gering, um sinvoll gemessen zu werden.
Dass Cannabis jedoch für ältere Menschen in Österreich nicht ungefährlich sein kann zeigt eine andere Meldung im Standard:
» Eine 92-jährige Kärntnerin ist am Dienstagabend bewusstlos ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem sie Drogen konsumiert hatte. … Sie hatte einen Keks gegessen, den ihr 54-jähriger Enkel zuvor geschenkt bekommen hatte – dabei hatte es sich jedoch um einen Haschkeks gehandelt, teilte die Polizei in einer Aussendung mit. «