Hitze. Sommer. Schulschluss. Ferien. Urlaub. – Das sind einige der Assoziationen, die uns spontan so einfallen, während die letzten Veranstaltungen über die Bühne gehen und eine etwas langsamere, etwas ruhigere und hoffentlich erholsame Zeit vor uns liegt. Bevor wir in den Sommermodus schalten laden wir Sie aber noch zum Schmökern in dieser Ausgabe von sucht+prävention ein. – Wir wünschen eine anregende Lektüre & freuen uns über Feedback.
Das Team von kontakt&co
30 Jahre kontakt&co
Geburtstagskuchen
„Wenn einer in sein dreißigstes Jahr geht, wird man nicht aufhören, ihn jung zu nennen.“
— Ingeborg Bachmann, Das dreißigste Jahr
30 Jahre. Drei Jahrzehnte. So lange gibt es in Tirol eine Fachstelle für Suchtprävention, so lange ist kontakt&co mit seinen Compagnons in Tirol tätig zur Förderung von Verhaltensweisen und Gestaltung von Lebensbedingungen, die Sucht verhindern und Ressourcen stärken.
Am 23.6.2026 fand anlässlich des Jubiläums eine gut besuchte Pressekonferenz in den Räumlichkeiten von kontakt&co statt. Am Podium standen Barbara Strele (Leiterin von kontakt&co), Landesrätin Cornelia Hagele (als politisch Verantwortliche unseres Auftrags- und Fördergebers Land Tirol) und Thomas Wegmayr (Geschäftsführer unseres Trägers, des Landesverbandes des Roten Kreuzes Tirol) den interessierten Journalist:innen Rede und Antwort. Die Pressekonferenz und die begleitende Presseaussendung wurden in den Tiroler Medien breit rezipiert.
Dr.in Angelina Brotherhood, GÖG
Zu einem runden Geburtstag gehört eine runde Feier, und eine ebensolche hat am 29.6.2026, dem letzten Tag der ersten Hitzewelle dieses Sommers, im Haus der Begegnung stattgefunden. Gemeinsam mit unseren Wegbegleiter:innen und Partner:innen lauschten wir dem Vortrag von Dr.in Angelina Brotherhood vom Kompetenzzentrum Sucht an der Gesundheit Österreich GmbH, die in einer knappen Stunde prägnant den Stand der Forschung in der Präventionswissenschaft zusammenfasste und klar benannte, was wirkt und was nicht.
Nach der Pause (und einem abkühlenden Regenguss) wurden interaktiv Assoziationen zu Suchtprävention und Wünsche an und für kontakt&co gesammelt.
Plaudern am kalten Buffet
Den Abschluss bildete der suchtpräventiv obligatorische Genussteil – ein kaltes Buffet und Zeit zum Austauschen, Plaudern, Erinnern und Ideen spinnen …
Rückblick: Tox-Stammtisch
Wir haben am 1. Tox-Stammtisch „Moderne Drogen- und Alkoholanalytik in Klinik und Praxis“ für die Region West der Medizinischen Universität Innsbruck teilgenommen. Es war sehr interessant und spannend, neues Hintergrundwissen zu erwerben.
Rückblick: Elternabend Virgen
Irina Pötscher vom Verein „Virgen Gemeinsam Aktiv“ mit ihrem Team und die Gemeinde Virgen haben einen rundum gelungenen Elternabend organisiert. Die Teilnehmerinnen (ungegendert, weil leider nur ein Vater dabei war) haben sich bereits eine Stunde vor Beginn des Vortrags getroffen, es gab Getränke, Knabberzeugs und Kekse, und es wurde angeregt geplaudert. Auch im Anschluss blieben die meisten beisammen stehen, es wurde diskutiert und es wurden Erfahrungen und Tipps ausgetauscht. Dazu lief gute Musik und auch ein Gläschen Wein oder ein Radler wurden getrunken. Ach ja, und worum ging’s? Ums Smartphone natürlich. Oder ging’s darum, dass weit über 20 Menschen einen feinen Abend hatten, sich austauschten, einander ein bisschen ihr Leid klagten, Verständnis erhielten und signalisierten, lachten und die Anregungen aus einem Vortrag diskutierten, der nicht nur den Teufel an die Wand malte … Und die Jugendlichen? Die fuhren stundenlang auf ihren E-Bikes durchs Dorf und machten mit leeren Getränkedosen die Geräusche von Motor-Cross-Maschinen nach.
Anregungen für den Umgang mit dem Smartphone in der Familie, erarbeitet vom Katholischen Familienverband, safer internet und kontakt&co:
Mitte Juni hat – diesmal in Graz – ein weiterer Durchgang des Europäischen Präventions-Curriculums (EUPC), einer Initiative der EU-Drogenagentur (EUDA) zur Verbreitung der Kenntnisse über wissenschafts- und evidenzbasierte Suchtprävention in ganz Europa, stattgefunden. Beteiligt waren auch diesmal wieder (einmal als Teilnehmer, einmal als Trainer) 2 Mitarbeiter von kontakt&co. Damit ist unser gesamtes Team EUPC-zertifiziert.
In Österreich wird das EUPC als Kooperationsprojekt der Gesundheit Österreich GmbH und der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Suchtvorbeugung angeboten. Das nächste Seminar ist für Oktober in Salzburg geplant.
Europäischer Drogenbericht 2026
Anfang Juni hat die EU-Drogenagentur (EUDA) den Europäischen Drogenbericht 2026 veröffentlicht. In ihrer Presseaussendung fokussiert sie v.a. auf den „Konsum eines immer vielfältigeren Spektrums von Substanzen" und neue psychoaktive Substanzen (NPS), die mengenmäßig in Österreich jedoch kaum eine Rolle spielen, betont aber auch die zunehmende Bedeutung von Einmal-E-Zigaretten, die auch in Österreich zu beobachten ist.
Im Gegensatz zu früheren Ausgaben gibt es im heurigen Bericht kein Suchtpräventionskapitel mehr, nur einen kleinen allgemeinen Absatz im einleitenden Überblicksabschnitt haben wir gefunden …
Social Media und Verbote
In Österreich soll „mit Beginn des nächsten Schuljahres, also im September 2026” ein wie auch immer geartetes Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige in Kraft treten (Stand Jänner) bzw. hat die Bundesregierung erklärt: „Ziel sei ein Gesetzesentwurf bis Ende Juni, eine "Begutachtung für die breite Öffentlichkeit" über den Sommer und ein anschließender Gesetzesbeschluss im Parlament im Herbst. In Kraft treten könnte die neue Regelung damit Anfang 2027” (Stand Mai); wenn wir nichts übersehen haben, dürfte es mit diesem Zeitplan etwas knapp werden. – Aber es gibt Neuigkeiten aus anderen Ländern:
Wie Der Standard, The Guardian, der ORF und Die Zeit Ende Juni übereinstimmend berichten, verwenden über 85% der Unter-16-Jähringen in Australien nach wie vor Social Media. Bei aller gebotenen Skepsis gegenüber ersten vorläufigen Forschungsergebnissen: Nach einem großen Erfolg schaut das nicht aus. – Quelle:
In Deutschland wurden Im Juni zwei neue Stellungnahmen veröffentlicht:
Der Deutsche Ethikrat spricht sich „ausdrücklich gegen ein Social-Media-Verbot für Minderjährige nach australischem Vorbild aus. Stattdessen sollen Plattformen digitale Räume sicherer gestalten.”
Die von der Bundesregierung eingesetzte Expert:innen-Kommission hat differenzierte Empfehlungen erarbeitet, aufbauend auf den Dimensionen Schutz, Befähigung und Teilhabe. Sie lehnt Altersgrenzen nicht kategorisch ab, hält aber fest, „dass pauschale Social-Media-Verbote [bis] 15 oder 16 Jahren nach australischem Vorbild zu kurz greifen, "weil sie sehr unterschiedliche Dienste gleich behandeln, Teilhabe behindern und Umgehung fördern"” und nimmt Plattformen in die Pflicht.
Der deutsche Journalist Enno Park fasst die Diskussion auf Mastodon pointiert zusammen:
» Dieses Social-Media-Verbot für Jugendliche erinnert mich an eine Chemiefabrik, der nicht verboten wird, ihre Abwasser in den See zu leiten, sondern stattdessen den Jugendlichen verboten wird, im See zu schwimmen. «
Ankündigung: Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende
Am 21.7. wird wieder der jährliche „Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende” begangen. In Innsbruck findet dazu, wie in den letzten Jahren, eine vom Drogenarbeitskreis organisierte Gedenkveranstaltung im Waltherpark statt.