Kinder aus suchtbelasteten Familien

Jedes 10. Kind in Österreich hat zumindest einen suchtkranken Elternteil. Studien belegen, dass diese Kinder ein besonders erhöhtes Risiko haben, später ebenfalls eine Suchtkrankheit zu entwickeln. Sie leiden häufig unter sozialen, psychischen und körperlichen Belastungen. Die Verbesserung ihrer Situation ist eine Zukunftsaufgabe zum Wohle der betroffenen Kinder, ihrer Familien und der Gesellschaft.

ENCARE Austria

ENCARE steht für European Network for Children Affected by Risky Environments within the Family und ist ein Projekt zugunsten von Kindern, deren Entwicklung durch problembelastete familiäre Verhältnisse gefährdet ist. Über ENCARE sollen der Austausch von Erfahrungen und das Generieren von Fachwissen zwischen Expertinnen und Experten ermöglicht werden, die professionell im Problemfeld "Kinder in suchtbelasteten Familien" tätig sind.

Derzeit sind Institutionen aus 23 europäischen Ländern in diesem Netzwerk vertreten. In Österreich gibt es in jedem Bundesland ein regionales ENCARE-Netzwerk, das von der jeweiligen Fachstelle für Suchtvorbeugung koordiniert und finanziert wird. Die Fachstellen sind wiederum innerhalb der Österreichischen ARGE Suchtvorbeugung vernetzt.

ENCARE Tirol

Das von kontakt+co koordinierte ENCARE-Netzwerk Tirol besteht in der aktuellen Entwicklungs- und Umsetzungsphase aus Einrichtungen, die in ihrem Arbeitsalltag unmittelbar mit der Problematik zu tun haben:

Jugendwohlfahrt des Landes Tirol, Referat der Jugendwohlfahrt der BH Innsbruck, sucht.hilfe BIN (Beratung, Information, Nachsorge), Verein Suchtberatung Tirol, Erziehungsberatung des Landes Tirol, Ambulanz für Suchterkrankungen der Univ.-Klinik Innsbruck, Caritas: Kinderleicht

Erste konkrete Schritte

Erstmalig in Österreich haben sich in Tirol Einrichtungen der Sozial- und Suchtarbeit darauf verständigt, die Situation von Kindern aus suchtbelasteten Familien konkret und verbindlich aufeinander abgestimmt miteinander zu bearbeiten. Auf Grund der an sich unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Klientenbeziehungen von z.B. Jugendwohlfahrt und Suchtberatung ist dies keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Novum.

Für die Erstellung eines gemeinsamen Leitfadens war vor allem die Erfahrung ausschlaggebend, dass in den Arbeitsbereichen der Suchthilfe bzw. der Jugendwohlfahrt Klient/inn/en beraten werden, bei denen sowohl die erzieherische Thematik und möglicherweise eine Gefährdung des Kindeswohls als auch eine Suchtthematik vorliegen (z.B. Eltern, die für ein minderjähriges Kind zu sorgen haben, konsumierende Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie deren Angehörige).

Über ein standardisiertes Verfahren soll nun eine bestmögliche Vernetzung der jeweiligen Fachkompetenzen erreicht werden. Insbesondere soll auch die Vermittlung betroffener Kinder und Jugendlicher an das neue Betreuungsangebot der Caritas (Kinderleicht) stattfinden. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang, dass das Anliegen und die entsprechenden Vorgangsweisen auch den Klient/innen transparent vermittelt werden.